SOA Days 2010: Services im Fokus

Feature | 22. April 2010 von Benjamin Blaume 0

Trotz Aschewolke gut besucht: Die SOA Days im Post Tower in Bonn (Foto: Benjamin Blaume)

Trotz Aschewolke gut besucht: Die SOA Days im Post Tower in Bonn (Foto: Benjamin Blaume)

„SOA ist wichtig!“, soviel steht laut Professor Doktor Helmut Krcmar, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik der Technischen Universität München fest.  Doch was bedeutet SOA (Service Oriented Architecture) überhaupt? Für die drei Buchstaben gibt es in der Wissenschaft zahlreiche  unterschiedliche Definitionen. Im Grunde geht es darum, Geschäftsprozesse und deren technische Bereitstellung zu entkoppeln, um bei sich ändernden Geschäftsprozessen, wie nach der Übernahme  einer Firma, nicht auch die grundlegenden IT-Systeme überarbeiten zu müssen. In “klassischen“ IT-Systemen ist das häufig der Fall.

Im Firmenalltag angekommen

Das SOA nicht nur eine theoretische Überlegung, sondern im Unternehmensalltag angekommen ist, beweisen auf den SOA-Days Schwergewichte wie die Deutsche Post, der Energiekonzern EnBW aber auch Behörden wie die Bundesagentur für Arbeit (BA). Für Klaus Vitt, CIO der BA, ist SOA ein wesentlicher Bestandteil der IT-Strategie der nächsten Jahre seiner Behörde. Im Gegensatz zu privat geführten Unternehmen unterliegt die BA nicht nur technischen Rahmenbedingungen, sondern auch gesetzlichen. So ist es erst seit 2009 möglich, das ein Arbeitnehmer den Verlust seines Arbeitsplatzes auch über das Internet melden kann. Vor der Implementierung des Service musste das entsprechende Gesetz erweitert werden.

Software aus dem Baukasten

Beim SOA-Prinzip werden Geschäftsprozesse als einzelne „Services“ definiert. Diese werden dann nach dem Baukastensystem mit einzelnen Bausteinen, im SOA-Bereich Components genannt, technisch abgebildet. Wichtig: Dank definierter, offener WEB-Schnittstellen können sämtliche Services miteinander in Kontakt treten. Deshalb spielt es auch keine Rolle welche Hard- und Software unter den Services werkelt.

Problemfall klassische IT

In über Jahrzehnte gewachsene Unternehmen gibt es häufig für ein und dieselbe Funktion redundante Systeme in unterschiedlichen Abteilungen. Entstanden sind sie häufig dadurch, dass einzelne Abteilungen in vorhandenen Programmen Funktionen vermissten und von der IT eine Eigenentwicklung erhielten, obwohl 90 Prozent der benötigten Funktionalitäten bereits in der ursprünglich Software vorhanden war. Durch Redundanzen entstehen nicht nur unnötige Kosten. Ein noch viel größeres Problem ist, dass  doppelte Daten zu unterschiedlichen Datensätzen führen können. Ein späteres Zusammenführen der Daten ist sowohl problematisch als auch kostenintensiv.

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Prof. Dr. Helmut Krcmar, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschafts informatik, Technische Universität München führte durch die Veranstaltung (Foto: Deutsche Post)

Prof. Dr. Helmut Krcmar, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschafts informatik, Technische Universität München führte durch die Veranstaltung (Foto: Deutsche Post)

Klaus Vitt, CIO der Bundesagentur für Arbeit refferierte über das SOA-Konzept seiner Behörde (Foto: Deutsche Post)

Klaus Vitt, CIO der Bundesagentur für Arbeit referierte über das SOA-Konzept seiner Behörde (Foto: Deutsche Post)

Moderne Behörde

Hat ein Unternehmen den Entschluss gefasst, seine IT nach dem SOA-Prinzip zu transformieren, müssen zunächst die Geschäftsprozesse definiert werden. Dies ist laut Klaus Vitt, CIO der Bundesagentur für Arbeit essentiell und entscheidet nicht selten über den Erfolg des Projekts.

In den Service Centern der Bundesagentur für Arbeit müssen die Mitarbeiter mit 14 unterschiedlichen IT-Verfahren umgehen, um Vorgänge wie Arbeitssuchend-Meldungen oder Terminvergaben in das System einzugeben. Das ist nicht nur ineffizient, sondern führt auch zu zeitintensiven Schulungssmaßnahmen für neue Mitarbeiter.

Durch das hauseigene SOA-Projekt sollen die vielen Systeme durch sogenannte „Rollenbasierte Oberflächen“ (RobasO) den Angestellten die Arbeit erleichtern. Diese Bedien-Oberflächen werden modular aus den immer gleichen Bausteinen zusammengesetzt und zeigen die relevanten Bedienflächen an. Da die RobasO nicht in der von der Behörde eingesetzten SAP-Software abgebildet werden können, setzt die BA auf eine selbst entwickelte Oberfläche. 50 – 60 RobasO sind insgesamt geplant.

Laut Klaus Vitt sollen die neuen Bedien-Oberflächen die Angestellten in den Service Centern um rund zehn Prozent effektiver machen. Das Einsparpotenzial durch den geringeren Schulungsaufwand habe man bisher noch nicht berechnet. Ein weiteres Plus sei die deutlich höhere Qualität der Dokumentation einzelner Fälle.

Unterschied wie Tag und Nacht: Die neue und alte Bedien-Oberfläche im Service Center der Bundesagentur für Arbeit im Vergleich (Foto: Benjamin Blaume)

Unterschied wie Tag und Nacht: Die neue und alte Bedien-Oberfläche im Service Center der Bundesagentur für Arbeit im Vergleich (Foto: Benjamin Blaume)

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