Kundenfänger Facebook

Feature | 20. Januar 2011 von Christiane Stagge 0

Facebook als Marketing-Kanal und Online-Shop. (Bild: Fotolia)

Auf die Fährte gebracht: Facebook als Marketing-Kanal und Online-Shop. (Bild: Fotolia)

Social Media ist im Business-Umfeld angekommen. Längst haben Unternehmen die Online-Communities als Marketingplattform entdeckt. Kein Wunder: Bei rund 600 Millionen Mitgliedern weltweit hat Facebook die höchste Reichweite und das größte Potential. Einige sprechen mittlerweile sogar von einer „Generation Facebook“.

Was mit Facebook in den nächsten Jahren passiert, ist ungewiss. Eine konkrete Entwicklung, so Social Media-Experte Prof. Marc Drüner von der Steinbeis Universität, sei nicht abzusehen. Vor ein paar Jahren habe man beispielsweise kaum damit gerechnet, dass die Social Community „MySpace“ rapide verlieren werde.

Kein „Friss oder Stirb“

Drüner entwickelt Social-Media-Strategien für Unternehmen auf der ganzen Welt. Der Vorteil von Social Media im Marketing: Produkte werden nicht mehr nach dem Prinzip „Friss oder Stirb“ unter die Kunden gebracht. Über Online-Communities habe man einen direkten Draht zu den Meinungen, Gedanken und Alltagsgewohnheiten seiner Käuferschicht. Daraufhin können Firmen ihre Produkte gezielter entwickeln und Werbekampagnen kanalisierter einstreuen. Die personalisierte Werbung, die jeder Nutzer angezeigt bekommt, wenn er auf Facebook aktiv ist, ist ein Beispiel dafür: Anhand der persönlichen Interessen, Kommentare und Bewertungen wird für jeden User individuelle Werbung generiert.

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Die Elektronikmarktkette BestBuy verbindet Facebook-Account mit Online-Shop (Screenshot: Facebook)

Die Elektronikmarktkette BestBuy verbindet Facebook-Account mit Online-Shop (Screenshot: Facebook)

Auf der Facebookseite von MINT kann man seine Ausgaben mit den der anderen Nutzern verleichen (Screenshot: MINT)

Auf der Facebookseite von MINT kann man seine Ausgaben mit den der anderen Nutzern verleichen (Screenshot: MINT)

Facebook ersetzt Online-Shop

Die Generierung von Gewohnheiten und Verhaltensweisen macht sich MINT zu nutze. Mit MINT können User ihr Haushaltsbuch online führen. Die MINT- Facebook-Fanpage bietet noch ein paar Extra-Features: Die Anwendung generiert anonym das Verhalten anderer Mitglieder und vergleicht es mit dem eigenen Ist-Zustand. Gibt es Abweichungen, erscheint ein Eintrag auf der Pinnwand, etwa: „Sie haben 15 Prozent mehr für Ihre Autoversicherung ausgegeben, als 30 Prozent der anderen autoversicherten Kunden.“ Mittlerweile nutzen 3 Millionen Mitglieder diesen Service.

Einen kompletten Online-Shop über Facebook wickelt BestBuy ab. BestBuy ist eine Elektronikmarktkette in den USA und Kanada, vergleichbar mit Mediamarkt in Europa. Über die BestBuy-Facebookseite werden Fans über neue Angebote informiert und gelangen direkt in den Online-Shop. Der Kunde kann neue Produkte auch seinen Freunden weiterempfehlen.

Twitter: Der 6. Sinn der Welt

Um die größtmögliche Kundenreichweite zu haben, lohnt es sich für Unternehmen, neben der eigenen Firmenwebsite spezielle Themenseiten und Social-Media-Seiten wie Facebook oder Twitter zu nutzten. SAP macht es vor: Neben der sap.com gibt es die SAP.info als Informationskanal. Auch auf Facebook und Twitter ist SAP aktiv.

Der Microblogging-Dienst Twitter hat sich laut Drüner mittlerweile zum „6. Sinn  der Welt“ etabliert. Ob Präsidentschaftswahlen, Naturkatastrophen oder Fachmessen – mit 140 Zeichen teilen täglich Millionen von Menschen der gesamten Welt mir, was gerade passiert. Oftmals sind die Twitter-Kanäle aktueller als Nachrichtenkanäle wie N24, BBC oder Spiegel. Die Lufthansa hat sich dies zu Nutze gemacht, als im Frühjahr 2010 der isländische Vulkan ausbrach und auf Grund dessen der europäische Luftraum gesperrt werden musste. Über Twitter informierte das Flugunternehmen seine Kunden über den Stand der Dinge. So waren Reisende mitunter besser informiert, wenn sie den Twitter-Kanal aufgerufen haben als nach einem Anruf bei der Lufthansa-Support-Hotline.

Börsenkurse vorhersagen

Mittlerweile gibt es sogar Dienste, die auf Grund von Twitter-Meldungen Börsenkurse voraussagen wollen. Wie verschiedene Wirtschafts-Onlineportale Ende 2010 berichteten, will ein britischer Hedgefonds Twitter-Meldungen beobachten, um Aktienindizes entsprechend zu handeln. “Emotionale” Wörter auf Twitter sollen demnach benutzt werden, um die Entwicklung des Dow-Jones-Index vorherzusagen.

Statusmeldungen auf Twitter und Facebook sollen künftig das Leben einfacher machen. Egal ob Auto- oder Wohnungssuche: Spezielle Dienste sollen es möglich machen, Suchanfragen zu generieren und dem User spezielle Angebote zu übermitteln. In den USA existiert mit tazaar bereits solch ein Dienst. tazaar aggregiert Kleinanzeigen auf Twitter. Suchen wird damit überflüssig. Nicht der Kunde kommt zum Unternehmen – das Unternehmen kommt zum Kunden.

Besser als die Hotline: Die Lufthansa nutzt ihren Twitter-Kanal als Kunden-Support (Screenshot: Twitter Lufthansa)

Besser als die Hotline: Die Lufthansa nutzt ihren Twitter-Kanal als Kunden-Support (Screenshot: Twitter Lufthansa)

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