Software-Architekt der SAP ausgezeichnet

Feature | 30. Januar 2014 von Susan Galer 0

Foto: Privat

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Als Thomas Joseph vor 27 Jahren an der Cornell University studierte, war die Synchronisierung in verteilten Systemen ein neues, aber wichtiges Forschungsgebiet für die noch junge Computerbranche. Ein System mit 50 bis 100 Computern galt damals als groß. Im Bemühen um eine reibungslose Datensynchronisierung setzten die Programmierer jedoch bereits vorrangig auf die Verringerung der Komplexität. In Zusammenarbeit mit seinem Thesenbetreuer Kenneth Birman entwickelte und implementierte Joseph ein System, das einen besseren Umgang mit dem Problem der Synchronisierung in verteilten Systemen versprach. Die Entstehung des Cloud-Computing, ganz zu schweigen von Websites wie Facebook und Google, bei denen Zehntausende Computer zur Datenverarbeitung herangezogen werden, hat dem Streben nach Vereinfachung und damit auch Josephs Arbeit eine ganz neue Bedeutung verliehen. Aus diesem Grund hat die Special Interest Group on Operating Systems (SIGOPS) der Association of Computing Machinery (ACM) Joseph für sein Thesenpapier aus dem Jahr 1987, Exploiting Virtual Synchrony in Distributed Systems, mit ihrem begehrten SIGOPS Hall of Fame Award ausgezeichnet.

Dieser Award wird für Beiträge verliehen, die vor mindestens zehn Jahren veröffentlicht wurden und sich für Entwicklungen im Bereich Betriebssysteme als zukunftsweisend erwiesen haben. Mit der Auszeichnung durch den SIGOPS Hall of Fame Award wurde Joseph in einen Kreis herausragender Computerwissenschaftler aufgenommen. Frühere Preisträger sind unter anderen die Entwickler von Unix, Dennis Ritchie und Ken Thompson, der Guru relationaler Datenbanken, Jim Gray, und der Pionier für verteilte Systeme, Leslie Lamport.

Vereinfachte Synchronisierung im Zeitalter der Cloud

In seinem preisgekrönten Aufsatz beschreibt Joseph ein System, das auf virtuellem Synchronismus basiert. „Wir wollten eine vereinfachte Programmierumgebung schaffen, in der die Komplexität ausgeblendet wird. Auf diese Weise konnte man ein verteiltes System so programmieren, als ob alle Computer synchronisiert wären. Dabei durfte es im Hintergrund zu Abweichungen kommen, die aber keine Fehler verursachten“, so Joseph.

 

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In seiner aktuellen Stellung als Chief Technology Architect bei der SAP, dessen Schwerpunkt auf der Unternehmensstrategie für das Internet der Dinge liegt, zieht Joseph Parallelen zwischen seiner ursprünglichen Forschung und den heutigen Anforderungen cloudbasierter Systeme. „Die Probleme bestehen nach wie vor. Mit der Entstehung des Cloud-Computing haben wir nun viel größere verteilte Systeme, die Benutzern eine vereinfachte Ebene bieten müssen. Soziale Netzwerke wie Google und Facebook verbinden Hunderte Millionen Menschen; die Anwendungen für das Internet der Dinge werden sogar Milliarden Objekte verknüpfen.“

Für die Cloud-Branche erwartet Joseph eine ähnliche Entwicklung, wie sie die ortsfesten Betriebssysteme in den letzten dreißig Jahren genommen haben. „Bei Lösungen im Bereich Infrastructure-as-a-Service muss sich der Programmierer im Zusammenhang mit Problemen wie Fehlertoleranz und Konsistenz noch viel mit Komplexität auseinandersetzen. Um das Potenzial der Cloud wirklich auszuschöpfen, müssen wir das Konzept wieder aufgreifen, Komplexität auszublenden und dabei Daten und Abläufe für die Cloud-Plattform zu synchronisieren.“

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