Software zum Sorglos-Tarif

Feature | 12. Juli 2004 von admin 0

Je internationaler ein Unternehmen agiert, desto wichtiger ist eine einheitliche IT-Umgebung für standortübergreifend transparente Geschäftsprozesse. Zu diesem Schluss kam die Bystronic Laser AG, ein Hersteller von Maschinen für das Biegen, Laser- und Wasserstrahlschneiden von Blechen, im Zuge von zwei Übernahmen im Jahr 2002. Damals erwarb das Unternehmen die Beyeler-Gruppe und den chinesischen Maschinen- und Werkzeugbauer AFM, Tianjin, die mit ihren Abkantpressen und Scheren das Produktspektrum von Bystronic ergänzen. Bystronic vertreibt seine Lösungen über Verkaufs- und Servicegesellschaften in zahlreichen Ländern und erwirtschaftet mit rund 1.500 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von 270 Millionen SFR.

Mehr Harmonie in der IT

Die Übernahme von AFM und der Beyeler-Gruppe war einer der Auslöser für das SAP-Projekt bei Bystronic, mit dem das Unternehmen seine IT grundlegend neu ausrichtete. “Wir wollten unser Enterprise Resource Planning harmonisieren. Ein integriertes System sollte die stark heterogene Anwendungslandschaft mit zum Teil nicht mehr zeitgemäßen Applikationen ablösen”, berichtet Michael Stahl, Chief Information Officer (CIO) bei der Bystronic Laser AG.
Bislang nutzte Bystronic in den Bereichen Rechnungswesen, Controlling, Personalwirtschaft, Produktionsplanung und -steuerung sowie Materialwirtschaft Applikationen unterschiedlicher Hersteller. Mit diesem losen, über Schnittstellen gekoppelten Anwendungsverbund ließen sich allerdings durchgängige Geschäftsprozesse nur eingeschränkt abbilden. Gleichzeitig war bei jedem Releasewechsel ein hoher Pflegeaufwand notwendig, um das Zusammenspiel der Lösungen neu zu “justieren”. Und schließlich ließen sich zukunftsorientierte Schritte – etwa die Integration der europäischen Niederlassungen – mit der heterogenen Systemlandschaft nicht wirtschaftlich sinnvoll realisieren. Bystronic suchte also nach einer neuen Unternehmenslösung. “Im Rahmen einer Marktuntersuchung kristallisierte sich SAP R/3 schließlich als die Lösung der ersten Wahl heraus”, erläutert Stahl.

Die SAP-Expertise kommt von außen

Praktisch zeitgleich mit dem Votum für SAP fiel die Entscheidung, Betrieb und Pflege der Software an den SAP-Partner AC-Service auszulagern. “Für den Aufbau und den Betrieb der zukünftigen SAP-Lösung gab es bei Bystronic kein Know-how und keine entsprechenden Ressourcen. Wir hätten mindestens zwei gut ausgebildete SAP-Spezialisten einstellen müssen. Das wollten und konnten wir aber nicht. Aus diesem Grund haben wir von Anfang an auf SAP-Outsourcing gesetzt”, berichtet der CIO. “AC-Service hinterließ bei einer Evaluierung den besten Eindruck und konnte zahlreiche Referenzen vorweisen.”
Nach einem reibungslosen Go-live Mitte 2003 ist die SAP-Lösung nun in der Europazentrale von Bystronic in Niederönz produktiv. Rund 350 Anwender arbeiten mit den Funktionalitäten für Rechnungswesen (FI), Controlling (CO/PA), Materialwirtschaft (MM), Anlagenmanagement (AA), Service-Abwicklung (CS), Produktionsplanung (PP), Vertrieb (SD) und Personalwesen (HR). Mit der integrierten Lösung hat die IT bei Bystronic eine ganz andere Qualität bekommen. Die verschiedenen Geschäftsbereiche, die durch die Einzellösungen bislang nur relativ locker miteinander gekoppelt waren, sind jetzt eng verzahnt. Damit überblicken die Mitarbeiter mühelos auch die vor- und nachgelagerten Abläufe “ihres” Geschäftsprozesses. Die Anwender sind zudem nur noch einmal angemeldet und ersparen sich damit unkomfortable Mehrfachregistrierungen für unterschiedliche Lösungen. Ein einziges Berechtigungssystem steuert zentral alle Zugriffsprofile für SAP R/3.

Anschluss per Hochgeschwindigkeits-Leitung

Derzeit pflegt Bystronic Ergänzungen und Anpassungen ein und bereitet den Roll-out der Lösung vor. Dabei greift das Unternehmen auf eine leistungsfähige und flexibel nutzbare SAP-Infrastruktur aus dem Outsourcing-Service-Center von AC-Service zurück. Der SAP-Partner stellt Bystronic außerdem weitreichende IT-Services für den effizienten Betrieb der Unternehmenslösung bereit. So sind alle Anwendungen in einen Überwachungsverbund integriert, der rund um die Uhr eine optimale Systemleistung sicherstellt. Rückt die Belastung einzelner Systeme an einen kritischen Bereich heran, springt eine Kontrollanzeige wie eine Ampel von “Grün” auf “Gelb”, so dass Administratoren frühzeitig gegensteuern und Betriebsunterbrechungen vermeiden können. Darüber hinaus unterstützt AC-Service das Einspielen von Transportaufträgen, die Anpassungen und Ergänzungen ins Produktivsystem übertragen.
Bystronic konnte sich von Anfang an auf seinen Partner verlassen. Mit dem Start der SAP-R/3-Implementierung stellte AC-Service ein auf die Belange des Unternehmens zugeschnittenes Entwicklungssystem zur Verfügung. Wurden in der Einführungsphase neue Berechtigungen oder zusätzliche Mandantenkopien erforderlich, setzte der Dienstleister diese Anforderungen umgehend um. “Änderungswünsche wurden freitagabends oder auch am Wochenende artikuliert, und einen Arbeitstag später waren sie bereits realisiert”, berichtet Stahl.
Bystronic ist über eine Hochgeschwindigkeits-Standleitung mit dem Outsourcing-Service-Center verbunden. Die SAP-R/3-Lösung läuft auf Servern von Hewlett-Packard, als Systemplattform dienen das Windows-2000-Betriebssystem sowie die Datenbank SQL-Server von Microsoft.

Den Kopf frei für strategische Themen

Die Entscheidung für den externen Systembetrieb hat sich gelohnt, wie IT-Manager Stahl betont: “Wir hätten nicht gedacht, dass das SAP-Outsourcing derart gut funktioniert. Unsere Erwartungen wurden schlichtweg übertroffen. Ganz am Anfang gab es unter anderem die Befürchtung, hohe Leitungskosten könnten überproportional zu Buche schlagen und mit dem Outsourcing würde man an Flexibilität verliehren. Beides ist nicht eingetreten.”
Im Gegenteil: Das Unternehmen profitiert in mehrfacher Hinsicht. Statt SAP-Expertise für viel Geld im eigenen Haus aufzubauen und zu erhalten, kauft Bystronic diese als Dienstleistung von seinem Partner ein. Die eigenen IT-Mitarbeiter müssen sich nicht um den zeitaufwändigen Betrieb der Lösung kümmern, sondern können sich strategischen Aufgaben widmen. So vertiefen sie gemeinsam mit den Fachabteilungen den Einsatz der Anwendungen, unterstützen einzelne Standorte bei der Einführung und optimieren den Informationsfluss zwischen den Gesellschaften.
Die Entlastung auf Seiten der IT ermöglicht es Bystronic zudem, sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren. “Bei genauer Betrachtung sind wir mit dem Fremdbezug von IT-Dienstleistungen kosteneffektiver und müssen uns beim Thema SAP um nichts kümmern”, bilanziert Stahl.

International einheitliche IT-Landschaft in Sicht

Mit dem Live-Start der SAP-Lösung in der Schweiz hat Bystronic einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu einer unternehmensweit einheitlichen IT-Landschaft getan. Nun folgt der internationale Roll-out. Die 13 europäischen Niederlassungen des Unternehmens werden bis 2005 mit SAP R/3 arbeiten.
Schon heute greifen einzelne Bystronic-Standorte, die noch nicht an die neue Lösung angebunden sind, über ein Virtual Private Network (VPN) auf das zentrale SAP-System zu. Dabei klinken sich Kundendienstmitarbeiter über das Internet in das Modul “Service Management” ein, um die Wartung, Pflege und Instandhaltung der bei Kunden installierten Maschinen zu koordinieren. Mit der SAP-Lösung können sie unter anderem Service-Intervalle überwachen, Ersatzteile und Techniker disponieren sowie Garantiefälle bearbeiten.
Die Erweiterung der Unternehmenslösung auf insgesamt 1.000 SAP-Arbeitsplätze hat der Outsourcing-Partner bereits eingeplant. So sind die Spezialisten bei AC-Service auf den 7-mal-24-Stunden-Betrieb der Bystronic-Lösungen und die Arbeit mit unterschiedlichen Zeitzonen vorbereitet, die bei abgeschlossener Internationalisierung des Unternehmens erforderlich sind. Die Anwendungslandschaft von Bystronic wird dann außerdem in ein “Disaster Recovery”-Notfallkonzept übernommen, das den Betrieb aus zwei räumlich völlig getrennten, aber gespiegelten Rechenzentren vorsieht.

Herbert Werle

Herbert Werle

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