Zukunft zum Greifen nah

Feature | 23. September 2009 von Vasco Alexander Schmidt 0

CDU-Staatssekretär Storm im Interview

CDU-Staatssekretär Storm im Interview

Mit einem neuen Forschungsprojekt möchte SAP neue Impulse in der Sicherheitsforschung setzen. Das Projekt „SoKNOS Dialog“ wird ab November 2009 praxisnah den effizienten Einsatz moderner IT bei Großschadenslagen erforschen. Projektpartner sind neben IT-Unternehmen die Feuerwehr Darmstadt, der Lankreis Darmstadt-Dieburg und die Werksfeuerwehr des Pharma- und Chemieunternehmens Merck in Darmstadt. Das Projekt knüpft direkt an das Projekt SoKNOS an, in dem SAP gemeinsam mit Partnern seit 2007 die effiziente IT-Unterstützung zum Beispiel bei Fluten oder Bränden untersucht. (SoKNOS steht für „Service-orientierte Architekturen zur Unterstützung von Netzwerken im Rahmen öffentlicher Sicherheit“.)

Ziel von „SoKNOS Dialog“ ist es, die Forschungsergebnisse von SoKNOS in der Region um Darmstadt praxisnah zu erproben und weiterzuentwickeln. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Forschung und Bildung (BMBF) gefördert. SAP.info sprach am Rande der Bescheidübergabe in Darmstadt mit dem parlamentarischen Staatssekretär im BMBF, Andreas Storm (CDU).

SAP.info: Welchen Stellenwert hat SoKNOS im Zusammenhang mit dem Sicherheitsforschungsprogramm der Bundesregierung?

Storm: SoKNOS soll informationstechnische Lösungsansätze entwickeln, um die Chaosphase bei Katastrophen besser zu beherrschen. Die Vision bzw. das Ziel lautet: Ganzheitliche IT-Unterstützung bei Großschadenslagen und Krisenmanagement. Insofern ist SoKNOS ein wichtiges Projekt im Zusammenhang mit dem Sicherheitsforschungsprogramm der Bundesregierung.

SAP.info: Wie wichtig ist es für ein national gefördertes Projekt auch internationale Sichtbarkeit zu zeigen?

Storm: Ein wichtiges Einsatzgebiet sind Naturkatastrophen. Diese beschränken sich nicht auf Deutschland, sondern wir erleben ja permanent, dass Waldbrände, Hochwasser, Erdbeben und leider auch Terrorismus rund um den Globus vorkommen. Wenn wir in nationalen Projekten technische Lösungen entwickeln, die zur besseren Beherrschung solcher Krisensituationen beitragen dann ist das nur zu begrüßen; einmal für die Menschen in Gefahrensituationen, denen schnell geholfen werden kann; zum anderen auch unter wirtschaftlichen Aspekten, nämlich dem Verkauf solcher Technologie.

Ein gutes Beispiel für das Interesse des Auslandes an SoKNOS zeigt der Besuch des kalifornischen Gouverneurs Schwarzenegger zusammen mit Bundeskanzlerin Merkel auf dem SAP-Stand der diesjährigen CeBIT.

SAP.info: Wenn zu Recht gesagt wird, dass die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) als Querschnittstechnologie für fast alle Innovationsbereiche eine herausragende Rolle spielt, müsste dann IKT nicht noch stärker gefördert werden?

Storm: „IKT ist der Innovationsmotor Nr. 1“, so formulierte es Bundesforschungsministerin Annette Schavan im Vorwort der Programmbroschüre zum Forschungsprogramm IKT 2020. Mit diesem auf der CeBIT 2007 vorgestellten Programm sind Fördermittel in Höhe von 1,5 Mrd. Euro zur Verfügung gestellt worden. Darüber hinaus wurde eine spezielle Fördermaßnahme etabliert, die sich ausschließlich an die kleinen und mittleren Unternehmen der IKT-Branche richtet, KMU-innovativ: IKT. Diese Fördermaßnahme stößt auf außergewöhnlich positive Resonanz.

Exzellente Forschungsansätze scheitern jedenfalls nicht an Geldmangel.

SAP.info: Wie gestaltet sich die ressortübergreifende Zusammenarbeit?

Storm: Wir haben gerade das Sicherheitsforschungsprogramm der Bundesregierung angesprochen, nicht das des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) allein. Die Federführung liegt zwar im BMBF, aber alle relevanten Ressorts sind beteiligt. Erst vor wenigen Tagen haben z. B. die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Frau Schavan, und der Bundesminister des Innern, Herr Schäuble, eine gemeinsame Fördermaßnahme bekannt gegeben, die in den nächsten Jahren 30 Mio. Euro für Sicherheit im IT-Bereich bereitstellt.

SAP.info: Wie bewerten sie die Forschungsaktivitäten der SAP am Standort Darmstadt? Welche Bedeutung hat die SAP-Forschung für die Region?

Storm: Die Technische Universität Darmstadt und die Hochschule Darmstadt sowie die umliegenden IT-Unternehmen bilden ein vorzügliches Forschungsbiotop. Das Forschungsengagement von SAP im Zusammenhang mit diesen wissenschaftlichen Institutionen und insbesondere auch die Eröffnung eines weiteren „Living Lab“ in Darmstadt im vergangenen Jahr begrüße ich sehr. Hier kann man Innovation, hier kann man Zukunft zum Greifen nah erleben.

SAP.info: SAP treibt maßgeblich die Bildung des Spitzenclusters „Softwareinnovation für das digitale Unternehmen“ voran, an dem sich Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus der Region Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland beteiligen. Welche Bedeutung hat der Cluster-Gedanke im Zusammenhang mit der künftigen nationalen/europäischen Forschungspolitik?

Storm: Innovationen, insbesondere Softwareinnovationen, müssen in der heutigen Zeit die globalen Märkte im Blick haben. Erfolge stellen sich nur ein, wenn man genügend Ausdauer und Stärke besitzt. Insofern ist es nur konsequent, dort, wo Stärken sind, diese zu stärken, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Der Cluster-Gedanke, der sich ja im Spitzencluster-Wettbewerb des Bundesministeriums für Bildung und Forschung niederschlägt, trägt dieser Forderung in ausgezeichneter Weise Rechnung.

Was nun das Spitzencluster „Softwareinnovation für das digitale Unternehmen“ betrifft, so freue ich mich, dass dieses in die Endauswahl für die zweite Runde des BMBF-Spitzencluster-Wettbewerbs gekommen ist und hoffe, dass es zu den endgültigen Siegern gehören wird.

SAP.info: Wo sind für Sie die großen Themen der IT-Forschung in der Zukunft? Und: Welche Bedeutung messen sie in diesem Umfeld der Sicherheitsforschung bei?

Storm: Große Themen der IT-Forschung sind das semantische Internet und das Internet der Dinge. Nicht zu vergessen die elektronischen Mikrokontroller im Verborgenen, die embedded systems, wie z.B. ABS und ESP im Auto oder Steuerungen von Hausgeräten. Alleine in einem Mittelklasse-PKW sind rund 50 solcher embedded systems. Sie sind das Herzstück, sie sind der Schlüssel für intelligente Produkte. Wer diese Technologie nicht beherrscht, hat verloren. Deutschland hat hier eine Führungsposition, die ausgebaut werden muss.

SAP.info: Können sie Erfolgsgeschichten von BMBF-geförderten Projekten nennen, bei denen aus der Wissenschaft heraus Produktentwicklungen angestoßen wurden?

Storm: Da gäbe es eine Menge zu nennen. Lassen sie mich die Antwort auf ein aktuelles begrenzen: Den Herzschrittmacher/Defibrillator mit home-monitoring-Funktion zur Patienten-Fernüberwachung. Dieses Projekt wird in wenigen Tagen mit dem Innovationspreis des Bundespräsidenten ausgezeichnet.

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