Strom aus Sonne

Feature | 24. Juni 2009 von Dr. Andreas Schaffry 0

Der Anteil der Stromerzeugung durch Sonnenenergie nimmt zu (Foto: jupiterimages)

Der Solarmodulhersteller Inventux Technologies entwickelt, produziert und vertreibt Dünnschicht-Photovoltaik-Module, die auf der mikromorphen Tandem-Technologie basieren. Diese Dünnschicht-Module zeichnen sich durch einen hohen Wirkungsgrad und geringe Herstellkosten aus. Damit sind sie eine Erfolg versprechende Alternative zu konventionellen kristallinen Modulen.

Mikromorphe Dünnschicht-Module

Mikromorphe Dünnschicht-Module basieren auf der Tandem-Technologie. Technisch gesehen werden dabei in der oberen und unteren Zelle unterschiedliche Silizium-Materialen verwendet. Die obere amorphe Zelle wandelt den sichtbaren Teil des Lichtspektrums in Energie, während die untere mikrokristalline Zelle die Energie des Sonnenlichts im nahen Infrarotbereich absorbiert.

Im Vergleich zur kristallinen Modultechnik ist die Herstellung mikromorpher Dünnschichtmodule kostengünstiger, denn es wird deutlich weniger Silizium benötigt und der Energieverbrauch bei der Produktion ist geringer.

Das Unternehmen mit Hauptsitz in Berlin wächst seit seiner Gründung rasant – von zehn Mitarbeitern auf derzeit über 130. Um die dynamische Unternehmensentwicklung bestmöglich zu unterstützen, beschloss das Solarunternehmen die Einführung einer integrierten ERP-Software.

„Ziel dieser strategischen Entscheidung war es, auf Grundlage einer konsolidierten Datenbasis von Anfang an alle Prozesse miteinander zu verknüpfen und sicher zu überblicken“, erklärt Oliver Rothe, Finanzvorstand der Inventux Technologie.

Implementierung in 5 Monaten

Nach einer sorgfältigen Marktsondierung fiel die Wahl auf die SAP-Business-All-in-One-Partnerlösung it.compact hightronics des Bielefelder SAP-Komplettdienstleisters itelligence. „Mit der ERP-Software können wir unsere Geschäftsvision am besten umsetzen, denn das zukunftssichere Branchenpaket bietet viele vorkonfigurierte branchentypische Abläufe. Es basiert auf SAP ERP 6.0 und wird kontinuierlich weiterentwickelt“, begründet Rothe die Entscheidung.

Die Lösung ist auch international problemlos einsetzbar, denn sie unterstützt den Unicode-Standard. Darüber hinaus überzeugte die hohe Branchenkompetenz von itelligence in der Solarindustrie.

Die Gestaltung der IT-gestützten Geschäftsprozesse bei Inventux orientierte sich weitgehend an in der Branchenlösung vorkonfigurierten Prozessen. Die Implementierung dauerte etwa fünf Monate und erfolgte in zwei Phasen. Im ersten Schritt wurden die Funktionen für Finanz- und Anlagenbuchhaltung, Controlling, Vertrieb sowie Materialwirtschaft und Einkauf eingeführt. Zwei Monate später – nach vollständiger Installation der Produktionsanlagen bei Inventux – folgte die Implementierung der Produktionsplanung und -steuerung sowie die Verknüpfung der Branchenlösung mit den Systemen in der Fertigung.

Zur raschen Einführung haben neben der guten Zusammenarbeit der Projektpartner, der Einsatz bewährter Methoden sowie Anwenderschulungen mit interaktiven elektronischen Selbstlerneinheiten, den SAP-Tutoren, beigetragen.

Kundenaufträge sicher bearbeiten

Bereits kurz nach dem Produktivstart im November 2008 machten sich die Vorzüge der integrierten Branchenlösung für die derzeit rund 20 Anwender bemerkbar. Inventux bündelt mit der ERP-Software alle Daten- und Informationsflüsse. Das schafft durchgängig IT-gestützte und weitgehend automatisierte Abläufe – von der Angebotserstellung über die Produktion bis zur Auslieferung an die Kunden.

„Wir bearbeiten Kundenaufträge schnell, sicher und steuern die damit verbundenen Termin-, Personal- und Materialplanungen bedarfsgerecht und wirtschaftlich“, legt Rothe dar. Vordefinierte Benutzerrollen, ein abgestuftes Berechtigungskonzept sowie direkt einsetzbare Formulare, etwa für Lieferscheine und Rechnungen, unterstützen die ERP-Anwender zudem wirkungsvoll bei der Erledigung ihrer Aufgaben.

Flasher-Informationen für die ERP-Software

Mit der ERP-Anwendung kann Inventux die Kundenkontrakte sowie die damit verbundenen Prozesse in Disposition, Produktion und bei der Lieferabwicklung inklusive Fakturierung nach der elektrischen Nennleistung in Watt peak abbilden. Laut Rothe ist das ein wichtiger Aspekt, denn Kunden ordern nicht in Stückzahlen, sondern in Watt peak.

Watt peak (Wp)

bedeutet die maximal abgegebene Leistung einer Solarzelle bei optimaler Sonneneinstrahlung.

Inventux produziert die mikromorphen Solarmodule in verschiedenen Leistungsklassen. Dabei identifiziert die Branchenlösung automatisch die Leistungsmerkmale der fertig produzierten Module. Die hierfür erforderlichen Daten stammen aus der Fertigung.

Technisch gesehen wird am Ende der Fertigung jedes fertig produzierte Modul „geblitzt“ und dabei unter anderem die elektrische Nennleistung sowie Strom und Spannung gemessen. Diese so genannten Flash-Werte fließen über eine von Inventux entwickelte Schnittstelle direkt in die ERP-Software und werden dort in der Lebenslaufakte hinterlegt und weiterverarbeitet.

Auf Watt peak genau abrechnen

„Dadurch können wir die Module, sortiert nach Leistungsklassen, auf den richtigen Platz im Auslieferungslager buchen, verpacken und zusammen mit den Flasher-Informationen an Kunden ausliefern“, erklärt Oliver Rothe. „Zugleich ist gewährleistet, dass nur die tatsächlich gelieferte elektrische Nennleistung berechnet wird.“

Sind mit einem Kunden mehrere Lieferabrufe vereinbart, wird die vertraglich geregelte Nennleistung auf Basis der de facto ausgelieferten Watt peak reduziert, ohne dass manuelle Eingriffe erforderlich sind. Auf diese Weise sind bei Kundenanfragen tagesaktuell Auskünfte zu Kontrakt-, Auftrags- und Lieferstatus möglich.

Der reibungslose Transfer von Daten und Prüfergebnissen aus der Produktion in den Informationsfluss der ERP-Anwendung sorgt für ein effektives Qualitätsmanagement. Zudem lassen sich durch die Vergabe von Chargen-Nummern beim Materialeinkauf und Seriennummern beim Verkauf alle Produktbestandteile eindeutig identifizieren und zurückverfolgen.

Weichen für morgen gestellt

Der Solarhersteller hat eine klare Sicht auf alle Lagerbestände, denn eingehende Teile werden sofort erfasst und direkt als Bestand gebucht. Per Mausklick erkennen Mitarbeiter in Einkauf und Fertigung anhand der Materialnummern sofort, wann sie neues Material bestellen müssen.

Alle Daten zu Kosten, Umsätzen oder Materialverbrauch fließen sofort in die Finanzbuchhaltung und sind dort jederzeit auswertbar. Dazu kommentiert Oliver Rothe: „Wir wissen immer genau, wo unser Unternehmen aktuell steht, können dadurch unser Geschäft strategisch weiter entwickeln und stellen so wichtige Weichen für die Zukunft.“

Die Inventux Technologies AG

aus Berlin ist ein Solarunternehmen, das sich auf die Entwicklung, Produktion und Vermarktung mikromorpher Dünnschicht-Solarmodulen spezialisiert hat. Ziel des 2007 gegründeten Unternehmens ist es, durch eine zukunftssichere Serienproduktion weltweit einer der führenden Anbieter von kosteneffektiven und energieeffizienten Dünnschicht-Photovoltaikmodule zu werden. Das Unternehmen hat im Dezember 2008 als erster Hersteller in Europa mit der Produktion mikromorpher Dünnschicht Module begonnen und beschäftigt aktuell rund 130 Mitarbeiter.

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