IT Business Trends 2012

Feature | 7. Februar 2012 von Frank Völkel 0

Im Business übernimmt das Smartphone immer mehr eine Schlüsselrolle – es geht fast nichts mehr ohne diese Geräteklasse. Die Rechenleistung der winzigen Chips entwickelt sich in irrwitzigem Tempo. Immer mehr Sensoren landen in den Taschencomputern, die sie zu Allzweckgeräten und dem Mittelpunkt des Business-Alltags werden lässt. Dabei gilt: Je besser das Display und je flüssiger die Bedienung, desto seltener klappt man das Business-Notebook auf und wartet Minuten bis das Gerät bereit ist. Aber auch Tablets spielen eine große Rolle, wenn es um den Zugriff auf Firmennetze und deren Services geht. Gegenüber dem vergangenen Jahr zeichnen sich neben den bisherigen auch ganz neue Trends ab. Wie jedes Jahr geben wir von SAP.info unsere Prognosen für das Jahr 2012 und darüber hinaus ab.

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Gerade einmal 24 Monate hat es gedauert, bis sich die Tablets im Markt durchgesetzt haben. Schon im zweiten Quartal 2011 lieferten die Hersteller weltweit erstmals mehr Tablets als Netbooks aus. Und das obwohl ein Tablet-PC im Schnitt doppelt so viel kostet wie ein Netbook. Geht es nach der Meinung von Marktforschern wie Gartner, dann wird sich dieser Trend im Jahre 2012 fortsetzen. Immerhin wurden im Jahre 2011 mehr als 30 Millionen Netbooks verkauft –dieser Zahl stehen über 60 Millionen verkaufte Tablet-PCs gegenüber. Laut dem Marktbeobachter Strategy Analytics entfallen zwei von drei verkauften Tablets auf das Apple iPad. Android-Tablets folgen mit knapp 30 Prozent Marktanteil, Windows-Rechner mit 2,4 Prozent und das RIM Playbook abgeschlagen mit 1,2 Prozent.

An dieser Stelle dürfte ein Vergleich mit den konventionellen Mobil-Geräten, den klassischen Notebooks ganz interessant sein: Im Jahre 2011 wurden  rund 200 Millionen weltweit verkauft.

Dabei ist es gar nicht allein der berührungsempfindliche Bildschirm, der den Tablets momentan den Siegeszug bringt. Anders als beim klassischen Notebook, das nur eine geschrumpfte Version des Desktops darstellt, versuchen Tablets es gar nicht erst, die Arbeitsumgebung des in die Jahre gekommenen PCs umzusetzen. Vielmehr präsentieren sie eine neue, auf Fingergestik und intuitive Bedienung angepasste Oberfläche. Fast hat es den Anschein, dass die veraltet wirkenden Desktop-PCs bei ihrer Entwicklung jahrelang auf einer Einbahnstraße unterwegs waren.

Da stört es auch nicht, dass eine ganze Reihe im Business gewohnter Programme nicht mehr läuft und nun für bestimmte Aufgaben Apps oder Dienste im Browser zur Verfügung stehen.

Und nicht nur vielbeschäftigte Leute im Außendienst haben sich daran gewöhnt, Emails zu lesen und wahlweise auch zu beantworten – solange die Nachricht über die Bildschirmtastatur drei oder vier Zeilen an Text nicht überschreitet. Der Zugriff auf die virtuelle Firmenumgebung mit den entsprechenden Client-Apps klappt reibungslos und die Abfrage von Datenbankeinträgen funktioniert mit einem Tablet recht komfortabel. Doch widmen wir uns den Business-Trends, die sich aus unserer Sicht jetzt schon abzeichnen.

Trend 1: Spracheingabe ersetzt Tastatur

Im Business-Alltag beeindrucken Oberklasse-Smartphones wie das aktuelle iPhone mit einem brillanten Bildschirm, über den sich der Zugriff auf sämtliche Firmendaten steuern lässt. Doch die wahre Faszination der neuen iOS-Firmware (ab iOS 5) liegt in der ersten brauchbaren Sprachsteuerung. Denn die Verknüpfung des Betriebssystems mit immer mehr Funktionen und Diensten bringt schnellere Ergebnisse als die langsame Eingabe über den Touchscreen. Dabei muss der Nutzer längst nicht mehr wie früher am Desktop stundenlang mit einer Software die Spracheingabe trainieren, um dann im abgehackten Wortlaut Einzelbegriffe wie „Datei öffnen“ oder „Text schreiben“ zu diktieren. Siri arbeitet semantisch, assoziiert also Bedeutungen von Wörtern. Spricht man Siri wie einen menschlichen Kollegen an, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie den Satz vollkommen richtig interpretiert. „Rufe jetzt Christiane Stagge an“ versteht sie ebenso wie „Ließ mir die aktuelle SMS von Heather McIlvaine vor“.

Auch lassen sich Termine anlegen und Einträge im Adressbuch oder Internet durchsuchen. Doch Siri ist erst der Anfang. Die Eingabe per Tastatur oder Touchscreen wird mittelfristig in vielen Bereichen durch eine Spracheingabe mit perfekter Befehlserkennung ersetzt werden. Momentan wird die aufgenommene Sprache noch per Datei auf den Apple-Server hochgeladen, die dann ziemlich zügig in eine Zeichenkette umgewandelt und an das iPhone zurückgesendet wird. In naher Zukunft ist es auch denkbar, dass die Sprachinterpretation vollständig im Smartphone selbst per eingebauten Chips erfolgt.

SAP.info auf iPad und BlackBerry Playbook. (Foto: grasundsterne)

Trend 2: HTML5 auf allen Geräten

SAP.info macht es vor: Das dynamische Webmagazin in acht Sprachen basiert auf dem kommenden Internet-Betriebssystem HTML5, welches sich als Standard etablieren wird. HTML5 macht sich heute schon auf mobilen Plattformen wie iPhone, iPad und Android-Geräten breit. Die Konkurrenz um wie Adobe Flash, Microsoft Silverlight oder JavaFX spielen allenfalls nur noch eine untergeordnete Rolle. Wer anspruchsvolle Web-Anwendungen erstellen möchte, die möglichst viele Nutzer erreichen sollen und auch auf allen mobilen Geräten eine perfedkte Darstellung bieten, kommt am Einsatz von HTML5 nicht mehr vorbei.

Eine der wichtigsten Neuerungen in HTML5 ist das Canvas-Element, mit dem Programmierer pixelgenaue Grafiken im Browser-Fenster erzeugen können. Allein damit und zusätzlich mit etwas Javascript lassen sich komplexe Animationen und Grafik-Anwendungen erstellen, für die zuvor Adobe Flash mit Plug-ins notwendig war. Mit Hilfe des Canvas-Elements lassen sich im Handumdrehen Audio- und Video-Dateien einbetten und abspielen.

Ortsbasierende Dienste oder Geolokalisation funktionieren unter HTML5 mit der Lokalisierungs-API, die Speicherung von lokalen Daten übernimmt die Storage-API, die letztendlich Offline-Anwendungen ermöglicht.

Web-Fonts: Eigene Schriftarten auf Websites

Anstatt Logos und Schriftzüge mit mühsam gebastelten Grafiken darzustellen, bietet HTML5 die Einbettung von Web-Fonts. Bei letztgenannten handelt es sich um eigene Schriftarten, die der Browser von einem bestimmten Server herunterlädt. Große Anbieter wie beispielsweise Font Bureau bieten eine ganze Reihe an individuellen Fonts für den Web-Einsatz an. Business-Kunden können zwischen verschiedenen Bezahlmodellen wählen – häufig wird per erfolgte Seitenaufrufe abgerechnet. Sollte ein veralteter Browser die HTML5-Schriftarten nicht unterstützen, werden die Fonts durch eine Standardschrift wie beispielsweise Arial oder Verdana ersetzt. Allerdings ist dann die ursprünglich gewünschte gestalterische Wirkung nicht mehr erfüllt.

Trend 3: Alle Daten im Arbeitsspeicher

Die konventionelle Festplatte in Datenbank-Servern stirbt so langsam aus, zumindest was den Einsatz hochkomplexer Systeme im SAP-Umfeld betrifft. Derzeit organisieren Unternehmen ihre Informationen noch in relationalen Datenbanken fürs sogenannte Online Transaction Processing (OLTP). Dabei werden die Daten zeilenorientiert auf konventionellen Festplatten gespeichert.

SAP hat mit der spaltenbasierten Speicherung von Datenbankeinträgen die technische Voraussetzung für ein neues In-Memory-Datenbanksystem geschaffen. Schließlich ist es gleichzeitig der rasanten Hardware-Entwicklung zu verdanken, dass sich heutige Server-Hauptplatinen mit bis zu 2 TB Arbeitsspeicher bestücken lassen. Damit deckt diese Kapazität den Speicherbedarf der meisten Datenbanken im Unternehmensumfeld ab. Der Clou an SAP HANA: Es lässt sich eine komplette Datenbank im Arbeitsspeicher ablegen und jegliche Anfrage an das Datenbankmanagementsystem über langsame Zugriffe auf konventionelle Festplatten beantworten.

Mit Hilfe der Spaltenorientierung und dem Vorhalten aller Daten im Arbeitsspeicher bietet SAP HANA die Möglichkeit, transaktionale und analytische Aufgaben gleichzeitig über eine einzige Datenbank abzuwickeln. Gleichzeitig revolutioniert diese Technik den Ablauf vieler bestehender Geschäftsanwendungen, die nahezu in Echtzeit den Zugriff auf komplexe Datenstrukturen erlauben. Mittelfristig werden im gehobenen Business-Umfeld immer mehr Unternehmen dazu übergehen, ihre Produkte für In-Memory-Computing auszulegen.

Trend 4: Software auf Abruf im Browser

Die traditionelle Installation von Unternehmens-Software auf hauseigenen Servern steht in Konkurrenz zu gemieteten On-Demand-Diensten, also Software auf Abruf, die sich über den Internet-Browser bedienen lässt. Damit hat sich gegenüber der Situation im Vorjahr wenuig geändert. Dennoch setzen Firmen wie Apple, Google, Microsoft und SAP verstärkt auf kostenpflichtige Browser-Software, die sich nach Funktionsumfang und Unternehmensgröße per Mietmodell anpassen lässt. Der Vorteil dieser Software im Unternehmen: Sämtliche Programme können im Browser laufen und müssen nicht auf Servern/Rechnern installiert werden. Gleichzeitig entfallen zeitkritische Updates und der damit verbundene Administrationsaufwand.

Trend 5: Mobile Dienste für Smartphones

Mit dem Siegeszug der hochfunktionalen Smartphones im Business steigen die Anforderungen an die Mobilfunk-Netze. Es ist vor allem die Bandbreite bei der Datenübertragung, die oft hinter den Erwartungen liegt. Laut den Schätzungen von Ericsson soll sich der mobile Datenverkehr von 2012 bis 2016 auf das 10-fache steigern.

Viele Verantwortliche in Unternehmen gehen davon aus, dass sich die gesteigerte Aufmerksamkeit von Social Media größtenteils auf mobile Geräte ausdehnen wird. Hier spielt der Einsatz von ortsbasierenden Diensten (Geolokalisation) in Unternehmens-Apps und auf dynamischen oder mobilen Websites eine zunehmende Rolle. Wie sich allerdings die gesteigerte Aufmerksamkeit durch Facebook & Co. in neue Aufträge und letztendlich messbaren Umsatz verwandeln lässt – dafür hat auch 2012 noch keiner der Entscheider ein Patentrezept zu bieten.

Auf vielen Business-Events im Jahre 2011 war bereits zu hören, dass Unternehmen ihre Webauftritte und Services über Geolokalisation stark auf eine mobile Suche hin ausrichten wollen. Schließlich spielt es in naher Zukunft eine entscheidende Rolle, ob sich beispielsweise ein möglicher Dienstleister eines Unternehmens in der näheren Ortsumgebung befindet oder nicht.

Bleibt zum Schluss noch ein wichtiges Thema, was ebenfalls mit standortbezogenen Diensten zu tun hat: Mobile Commerce. Die Marktforscher von Gartner erwarten hier einen starken Anstieg der mobilen Geschäftsprozesse im Zeitraum von 2012 bis 2016.

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