Standards für Enterprise SOA, Teil 1

Feature | 12. März 2008 von David Burdett 0

Um diese Interoperabilität zu erreichen – vergleichbar mit dem Anschließen eines Telefons an eine Telefondose – ist eine offene, auf Standards basierende, Technologie von zentraler Bedeutung. Einige der benötigten Standards beziehen sich auf die technologischen Grundlagen, mit denen Enterprise SOA implementiert wird (Teil 1). Andere Standards wiederum definieren Geschäftslogik und Sprachen zu deren Beschreibung (Teil 2).

Wirtschaftlicher Nutzen von Standards

Die Bedeutung von Standards für Enterprise SOA wird anhand ihres betriebswirtschaftlichen Nutzens gut deutlich. Zunächst einmal sorgen Standards für sinkende IT-Kosten und verringern den Lernaufwand. Ohne Standards wie Java wäre es viel schwieriger, Mitarbeiter für IT-Projekte zu finden und zu schulen. Standardisierte Softwareprogramme und Lösungen sind auch deshalb vorteilhaft, weil sie in großer Stückzahl gekauft und verkauft werden. Daneben erfordern sie normalerweise keinen weiteren Entwicklungsaufwand.

Zweitens nimmt die Flexibilität des Unternehmens zu, wenn sich Standardkomponenten aus diversen Quellen reibungslos zu neuen Composite Applications zusammenfügen lassen. Auch Datenmodelle und Technologien wie Web-Services, die auf Standards beruhen, beschleunigen die Erstellung von zusammengesetzten Anwendungen. Das Unternehmen kann neue Geschäftsprozesse rascher mit diesen Anwendungen unterstützen und flexibler auf Veränderungen reagieren.

Drittens beschleunigen Standards den Aufbau von Netzwerken zwischen Unternehmen: Wenn Geschäftspartner ihre Prozesse jeweils in ähnlicher, standardisierter Form abwickeln, können sie ihre Unternehmenssysteme schneller miteinander verbinden.

Standards entfalten allerdings nur dann ihren vollen wirtschaftlichen Nutzen, wenn sie in skalierbaren, zuverlässigen, sicheren und leistungsstarken Softwarelösungen implementiert sind – und erst, wenn die Softwarebranche sie übernommen hat.

Technologie und Geschäftslogik

SAP konzentriert sich nicht nur auf Technologiestandards wie Web-Services, um Enterprise SOA zu unterstützen. Ebenso wichtig sind Standards für Geschäftslogik, die betriebswirtschaftliche Funktionen beschreiben. Geschäftslogik findet sich zum Beispiel in den Definitionen der Enterprise Services, die im Enterprise Services Repository (ES Repository) der Technologieplattform SAP NetWeaver abgelegt sind.

Technologie und Geschäftslogik werden über standardisierte Sprachen miteinander verknüpft, die Geschäftsprozesse in einer für die Technologie verständlichen Weise beschreiben. Die folgenden Erläuterungen zu diesen drei Bereichen machen deutlich, aus welchen Standards eine Enterprise SOA besonderen Nutzen ziehen kann. Grundlegend sind zunächst die Technologiestandards.

Metadaten für den gesamten Lebenszyklus

Ein Beispiel im Bereich Technologie sind Standards für die Metadaten-Infrastruktur, die zusätzliche Informationen über Komponenten in maschinenlesbarer Form festlegen. Für zusammengesetzte Anwendungen werden wieder verwendbare Metadaten über die beteiligten Komponenten, Enterprise Services oder Web-Services und deren Schnittstellen benötigt.

Metadaten sind aber auch für die Einführung und den Betrieb der Anwendungen über den gesamten Lebenszyklus hinweg notwendig. Sind Metadaten in standardisierter Weise strukturiert, lassen sich die Informationen leicht zwischen verschiedenen Phasen und Repositories verschieben.

Der wichtigste Standard für die Definition von Metadaten ist Metadata Object Facility (MOF), der ein enormes Maß an Flexibilität bietet. Alle neuen Metadaten können mit MOF definiert und dann in einem beliebigen Repository abgelegt werden, das die Funktionsweise von MOF kennt. MOF ist ein ausgereifter, weit verbreiteter Standard, der von der Entwicklungsumgebung SAP NetWeaver Composition Environment und vom ES Repository unterstützt wird.

Modelle für die Komponentenentwicklung

Eine weitere Gruppe von Technologiestandards bilden die so genannten Component Frameworks. Sie liefern Modelle und Methoden für die Neuentwicklung von Komponenten sowie Möglichkeiten, sie zu kombinieren, zu konfigurieren und anzuwenden. JEE und Java 5 stellen diese Funktionen bereit, aber auch der neue Standard Service Component Architecture (SCA), der gemeinsam von SAP und anderen Branchenführern entwickelt wurde.

SCA bietet die Möglichkeit, Komponenten mithilfe von XML-Ausdrücken sprachneutral zu definieren. Schnittstellen werden also unabhängig von der Technologie beschrieben, mit der sie entwickelt wurden. Ist eine Komponente in XML definiert, kann sie bei der Entwicklung einer zusammengesetzten Anwendung leichter mit diversen Technologieumgebungen verknüpft werden – etwa auf Basis von Web-Services, Java oder ABAP.

Diese zusätzliche Flexibilität verspricht großen wirtschaftlichen Nutzen. SCA steht im Gegensatz zum weit verbreiteten Standard Java noch am Beginn der Entwicklung, findet aber bereits großes Interesse.

Standardisierte Nachrichten

Technologieplattformen wie SAP NetWeaver greifen auf Messaging-Standards zurück, um Nachrichten von und zu Enterprise Services zuverlässig und sicher zu versenden. Bei einer standardisierten Messaging-Technologie können sich die Anwender darauf konzentrieren, welche Daten gesendet werden – und müssen sich nicht überlegen, wie das geschieht. Bei der Nachrichtenübermittlung innerhalb eines Unternehmens stehen häufig hohe Leistungsfähigkeit und Effizienz im Mittelpunkt.

In diesem Zusammenhang sind Java Messaging System (JMS) oder Microsoft Message Queuing (MSMQ) die geeigneten Standards. Wenn Nachrichten zwischen verschiedenen Unternehmen über das Internet gesendet werden, sind Sicherheit und Zuverlässigkeit meist am wichtigsten. Sie lassen sich mit den Standards SOAP oder WS-Reliable Messaging gewährleisten.

In jedem Fall ist die Nachrichtenübermittlung entscheidend für das Funktionieren von Enterprise SOA. Misslingt der Versand einer Nachricht an einen Enterprise Service, kommt der gesamte Geschäftsprozess ins Stocken.

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