Standards für Enterprise SOA, Teil 2

Feature | 26. März 2008 von David Burdett 0

In einer Enterprise SOA setzt sich die Geschäftslogik aus Definitionen für Enterprise Services und Geschäftsprozesse zusammen. Diese Beschreibungen müssen für die Technologieschicht der Architektur verständlich sein, damit die Prozesse effektiv ausgeführt werden. Bei den Beschreibungssprachen werden drei Arten unterschieden – für Prozesse, Serviceschnittstellen und Nachrichteninhalte.

Unterschiedliche Beschreibungssprachen

Prozessbeschreibungssprachen legen fest, in welcher Reihenfolge und unter welchen Bedingungen die Schritte eines Geschäftsprozesses erfolgen. Mit maschinenlesbaren Definitionen gewährleistet eine Geschäftsprozessplattform, dass die Schritte korrekt ablaufen. Das ist wichtig, weil Unternehmen mit einer Aktivität auf ein Ereignis reagieren.

Ein solches Ereignis ist etwa der Kontakt mit einem Kunden oder Lieferanten oder der Eingang eines Auftrags. In jedem Fall müssen Unternehmen klar und eindeutig beschreiben können, in welcher Beziehung auftretende Ereignisse zu den geschäftlichen Aktivitäten stehen.

Der wichtigste Standard für die Beschreibung von Prozessen ist Business Process Modeling Notation (BPMN). Er bietet einen geschäftsorientierten, grafischen Weg, um Ereignisse zu identifizieren und Aktivitäten mit einfachen Diagrammen darzustellen. BPMN wird von der Entwicklungsumgebung SAP NetWeaver Composition Environment unterstützt und ist für die Prozessdefinition von hohem wirtschaftlichen Nutzen.

Sind Services und deren Schnittstellen in maschinenlesbarer Form beschrieben, lassen sie sich nicht nur einmal, sondern mehrfach für die Entwicklung von zusammengesetzten Anwendungen verwenden. Die Web Service Definition Language (WSDL) definiert einen Web-Service anhand von Eingangs- und Ausgangsnachrichten und ihren Empfängern.

Die Version 1.1 der WSDL-Spezifikationen ist abgeschlossen, Version 2.0 wurde im Juni 2007 veröffentlicht. Doch mit WSDL lässt sich nicht festlegen, wie Web-Services sicher und zuverlässig verwendet werden – ein Grund, WSDL mit Standards wie WS-Policy zu ergänzen.

Standards für wieder verwendbare Services

Sprachen für Nachrichtenbeschreibungen definieren die Struktur und den Inhalt der Daten, die ein Enterprise Service sendet, empfängt oder konsumiert. Sie legen zum Beispiel fest, dass ein bestimmtes Feld in allen Nachrichten immer denselben Namen hat. Außerdem erläutern die Sprachen, wie Felder zu größeren Strukturen kombiniert und im Hinblick auf bestimmte Anforderungen ausdifferenziert oder erweitert werden können. Auch die Art und Weise der Darstellung von Nachrichten lässt sich definieren – etwa als XML-Schema.

Die führende Standardsprache für die Nachrichtenbeschreibung ist die UN/CEFACT Core Components Technical Specification (CCTS). Sie umfasst eine strenge Methodologie für die eindeutige Definition von Daten. CCTS stellt auch Regeln für die Umwandlung von sprachneutralen Definitionen in XML zur Verfügung.

Klare und konsistente Definitionen der von Enterprise Services verwendeten Nachrichten vereinfachen die Kommunikation in der Enterprise SOA. Deshalb beruhen alle von SAP entwickelten allgemeinen Datentypen und Definitionen auf CCTS. Version 3.0 dieser Standardsprache ist fast ausgereift.

Gemeinsame Abläufe definieren

Anwendungen an unterschiedliche Geschäftspartner und deren Systeme anzubinden, kann teuer und zeitaufwändig sein. Enterprise SOA erlaubt eine einfache Anbindung an umfassende Netzwerke mittels standardisierter Geschäftslogik. Beim Aufbau von Geschäftsnetzwerken lässt sich jedoch nur dann eine nahtlose Interoperabilität erzielen, wenn sich die beteiligten Unternehmen auf eine gemeinsame Basis einigen.

Sie müssen sich darauf verständigen, wie die gemeinsamen Prozesse aussehen, in welcher Reihenfolge Nachrichten ausgetauscht werden und welchen Inhalt diese haben sollten. Außerdem müssen Standarddefinitionen von Services vereinbart werden, die für die Entwicklung von unternehmensübergreifenden Composite Applications zu verwenden sind.

Mit diesen Standardisierungen braucht ein Unternehmen seine “privaten”, internen Prozesse im Hinblick auf Integration nicht zu ändern. Die Systeme unterstützen bereits die notwendigen Standards für die öffentlichen, unternehmensübergreifenden Prozesse. Nachrichten von Partnern können von internen Prozessen ohne jegliche Änderungen angenommen und in der richtigen Abfolge weiter- und zurückgesendet werden.

In diesem Bereich gibt es Potenzial für rasche Integration ohne nennenswerten Anpassungsaufwand. Dies liegt gegenwärtig aber noch in weiter Ferne, da weitere standardisierte Prozesse, Nachrichten und Service-Definitionen entwickelt werden müssen.

Von einheitlichen Definitionen noch weit entfernt

Heute erstellen etwa 2.000 branchenspezifische Standardisierungsorganisationen oft ähnliche Definitionen für denselben Geschäftsprozess oder dasselbe Dokument. Dabei halten sie jedoch an der eigenen Entwicklung und Benennung der Definition fest. Leitfäden, die so genannten “Implementation Guides”, definieren die Abfolge der Nachrichten, die in einem Prozess verwendet werden sollten. Jedoch legen sie das Augenmerk wiederum auf eine einzelne Branche.

Warum dieser Ansatz nicht zufrieden stellend ist, zeigt das Beispiel chemische Industrie, die über den brancheneigenen Standard CIDX verfügt. Bei einem typischen Chemieunternehmen entfallen jedoch nur 30 Prozent der Geschäftstätigkeit auf die eigene Branche. Der Rest des Geschäfts wird mit der High-Tech-, Automobil- oder Ölindustrie gemacht. Diese Branchen verfügen wiederum über eigene Standards, die unterstützt werden müssen. Deshalb ist die Integration mit den verschiedenen Geschäftspartnern schwierig und kostenintensiv.

Um dieses Problem zu lösen, müssen branchenübergreifende Standardisierungsgruppen gebildet und die Zusammenführung von Standards vorangetrieben werden. Einige Anstrengungen in diese Richtung wurden bereits unternommen.

So entwickelt die Organisation UN/CEFACT derzeit Datenmodelle und Nachrichten auf Basis der CCTS-Spezifikation, um beispielsweise das Erscheinungsbild einer Adresse oder eines Kontakts zu definieren.

Auch andere Standardisierungsorganisationen und SAP werden sich in Zukunft besonders auf den Bereich der branchenübergreifenden Standards für Geschäftslogik konzentrieren.

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