Schnelle Daten für den Ölriesen

4. Juli 2012 von Marina Titova 0

Rinat Gimronov, CIO des russischen Ölkonzerns Surgutneftegas

  • Wie ein Beitrag von Hasso Plattner Surgutneftegas-CIO Rinat Gimranov zu SAP HANA brachte
  • Was das Lead Innovation Customer Hub leisten soll
  • Warum drei Buchstaben in der Materialsuche für die Suche reichen

Die im westsibirischen Surgut ansässige Surgutneftegas spielt in der Oberliga der russischen Ölgesellschaften und gehört zu den zehn größten privaten Ölunternehmen der Welt. Der Konzern erkundet und erschließt Öl-Lagerstätten, fördert und verarbeitet Öl und Gas, vertreibt Erdölprodukte und forscht an verschiedenen Projekten. Mit 110.000 Beschäftigten in 16 Regionen Russlands erwirtschaftete Surgutneftegas 2010 einen Erlös von fast 15 Milliarden Euro.

75.000 Artikel durchforsten

Eine gute logistische Unterstützung ist bei den vielfältigen Aufgaben des russischen Ölriesen Surgutneftegas unentbehrlich. Alle Abteilungen und Führungskräfte des Unternehmens benötigen in ihrer täglichen Arbeit aktuelle Informationen und Analysen zu den bestehenden Vorräten und Materialien. Es sind bis zu 75.000 Artikel im Umlauf, die verteilt werden müssen.

Rinat Gimranov, CIO von Surgutneftegas, suchte lange Zeit nach einer Lösung für die Probleme bei der Verarbeitung von Informationen zum Materialbestand. „Die Material-Analyse war lange unser Schwachpunkt. Die Funktionalität unseres alten Reporting-Tools ist sehr komplex. Wir haben unsere Besonderheiten“, erklärt Gimranov. „Durch die komplexen Modelle entsteht eine große Menge von Daten, daher bedeuten schon kleine strukturelle oder logische Veränderungen eine erhebliche Investition. Unser altes Reporting-Tool war ein Monster, schwer zu bewegen.“

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Hauptsitz von Surgutneftegas

Damit die Informationen aus dem SAP R3 Logistik-Informationssystem (LIS) sinnvoll verwendet werden können, sollen sie nach Werken, Lagern, Umsätzen, Parteien, Sachkonten und Nutzung geordnet sein. Aber die Verarbeitung dieser Daten innerhalb der SAP Business-Warehouse-Lösung dauerte zwei Stunden und der ETL-Prozess (Extraktion, Transformation und Laden) brauchte sogar fünf Mal länger. Eine sofortige Aktualisierung oder zeitgleiche Berichterstattung war nicht möglich. Berichte zur Verfügbarkeit von Materialien im Lager waren nicht sehr detailliert. Insgesamt entsprach die Lösung nicht modernen Business-Anforderungen.

CIO setzt schon in Ramp-Up-Phase auf In Memory

Eines Tages las Gimranov einen Beitrag von Hasso Plattner, Mitbegründer von SAP, zur In-Memory-Technologie. Er erkannte sofort, dass diese Technologie Surgutneftegas helfen würde, alle Probleme im Zusammenhang mit der Gewinnung und Verarbeitung von großen Datenmengen zu lösen. Schon als SAP HANA in der Ramp-Up-Phase war, bestand er darauf, aus Surgutneftegas ein Unternehmen zu machen, das In-Memory-Technologie nutzt. Zu diesem Zeitpunkt entwickelte SAP bereits die Architektur der Lösung zur Analyse von Materialbeständen.

Die IT in Surgutneftegas unterscheidet sich von anderen IT-Abteilungen der Branche: Sie ist innovativ und entwickelt eigene Produkte. So stellte Surgutneftegas ein vierköpfiges Team zusammen, das mit SAP am Projekt arbeiten sollte. Im Dezember 2010 begannen die Teams aus Surgutneftegas und SAP an dem Proof-of-Concept zu arbeiten.

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Mit dem Start des ersten Proof-of-Concept suchte das Team von Surgutneftegas die Bereiche aus, die als erstes verbessert werden mussten und es bestimmte eine Reihe von Kriterien, auf deren Grundlage das Szenario gewählt wurde. Das Ziel: Die Berichte über die Verfügbarkeit der Materialien in den Lagern sollten in Sekundenschnelle fertig sein und den Nutzern in Echtzeit vorliegen. Andere Ziele des Business-Szenarios für die Lösung mit SAP HANA: aktuelle Informationen alle ein bis zwei Stunden täglich, wöchentliche Nachbereitung und das Speichern der Informationen für die Analyse in SAP Data Warehouse zu einem geplanten Zeitpunkt.

Standardbericht: Statt in 40 Minuten nun in acht Sekunden

Das Team aus Surgut arbeitete von Anfang an aktiv mit dem Team aus Walldorf zusammen. In diesem Rahmen veranstalteten sie Workshops und sogenannte „deep dives“: Die Spezialisten von SAP verbrachten einige Zeit in Sibirien und Surgutneftegas schickte seine Experten nach Deutschland zur gemeinsamen Arbeit. Die größte Herausforderung war dabei die Entwicklung von SAP HANA, die von SAP parallel zu dem Projekt weiter vorangetrieben wurde. Außerdem gab es Schwierigkeiten, die mit der Datenübertragung im alten SAP R3-System von Surgutneftegas verbunden waren. Die SLT-Lösung – ein Replikations-Mechanismus namens System Landscape Transformation – musste installiert werden. Sie erlaubte eine höhere Flexibilität und löste dieses Problem.

Das russische Team sah bereits zu Projektbeginn die Vorteile des Umstiegs auf SAP HANA. Die Berichterstattung verlief deutlich schneller. Gimranov erläutert die Vorzüge der neuen Lösung: „Früher erhielt der Benutzer nach seiner Anfrage den Standardbericht von SAP R3 innerhalb von 40 Minuten. Eine neue Anfrage für den Bericht, der durch SAP-HANA-Lösung geht, ist in sechs bis acht Sekunden fertig. Der größte Teil dieser acht Sekunden wird für die Visualisierung von Hunderten von Seiten und nicht für die Berechnung gebraucht. Der Benutzer kann die riesige Menge an Daten in Echtzeit analysieren, sortiert nach Material oder Lager. Er kann sogar drei Buchstaben von der Materialbezeichnung eingeben, wie in der Google Suche, und er bekommt die Liste der Materialien.“ Dieses neue Reporting-Tool ist bereits im kommerziellen Betrieb, das alte wurde abgeschaltet.

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Zu den Vorteilen der neuen Lösung gehört nicht nur die hohe Geschwindigkeit in der Datenausgabe. Auch die Infrastruktur sollte vereinfacht werden. Mit dem technologischen Durchbruch wird es möglich, Investitionen in die Infrastruktur zu reduzieren, so Gimranov. Durch die neue Technologie beanspruche SAP R3 nicht mehr so viel Kapazität und brauche weniger Speicher. „Diese Technologie bietet neue Funktionen. Wir müssen methodisch darüber nachdenken, wie hierdurch Veränderungen in den Geschäftsprozessen erfolgen können“, erklärt der CIO seine Position zu SAP HANA. „Diese Veränderungen sind real. Außerdem, die Investitionen zahlen sich in einem kurzen Zeitraum aus.“

Gemeinsame Projektarbeit im Lead Innovation Customer Hub

Nachdem das zweite Proof-of-Concept abgeschlossen war, entschied Surgutneftegas, dass alle neuen Analyselösungen zu allen Unternehmensaktivitäten nur auf SAP HANA gebaut werden. Nach einem Jahr Arbeit an dem Projekt bildeten Surgutneftegas und die SAP ein Lead Innovation Customer Hub in Moskau. Dort treffen sich die SAP- und Surgutneftegas-Experten alle drei Wochen und arbeiten an Nachfolgeprojekten. In diesem Jahr wird das SAP Business Warehouse zu SAP HANA migriert. Ein weiteres Thema, das im Lead Innovation Customer Hub bearbeitet wird, ist das Energie- und Umweltressourcen-Management. In Zukunft wolle Surgutneftegas auch SAP ERP auf HANA ausprobieren, ergänzte Gimranov.

Die Unternehmen, die SAP HANA einführen wollen, sollten sich darauf vorbereiten, anders zu denken. Entwickler und Designer müssten sich umstellen, damit die Lösungen effektiv sind. Und denjenigen, die SAP HANA noch nicht benutzen, sagt Gimranov: “Leute, es ist höchste Eisenbahn, springt noch mit auf.“

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1 comment

  1. Valdis Kundrats

    Ein sehr interessanter Bericht – vielen Dank!

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