Mobile Software für Nahost

31. Mai 2011 von Christoph Zeidler 0

Sam Alkharrat, Managing Director of SAP MENA, spoke with SAP.info

Sam Alkharrat, Geschäftsführer von SAP MENA, im Gespräch mit SAP.info. (Foto: SAP MENA)

SAP.info: Welche Auswirkungen hatte der politische Umbruch in Nordafrika auf die Märkte?

Sam Alkharrat: Ursache der aktuellen Situation in der Region MENA ist die Frustration der Bevölkerung, die sich über viele Jahre aufgestaut hat und jetzt hochkocht. Die Staaten des mittleren Ostens erlebten in den 1960ern und 1970ern viele Kriege, gefolgt von einer Zeit mit einem beträchtlichen Maß an Unabhängigkeit. Es vollzog sich ein Wandel vom Militär- zum Industriezeitalter. Das Informationszeitalter erweist sich für den mittleren Osten jedoch als schwierig. In diesen Ländern gab es kaum Transparenz und kaum Vertrauen in die Regierungen. Die neue Generation im Nahen Osten und in Nordafrika wird den Status Quo nicht länger tolerieren.

Die jungen Menschen, die in den 1980ern und 1990ern geboren wurden, fordern ein gewisses Maß an Veränderung, denn sie wurden in eine wirtschaftliche Situation hinein geboren, die viel besser ist als früher. Die Globalisierung hat einen großen Einfluss, weil der globale Wettbewerb die Region erfasst hat. Und mit einem Mal haben die Internet-Durchdringung und die Globalität der Menschen die Augen für die Möglichkeiten des eigenen Landes geöffnet. Was wir heute sehen, ist für die Region evolutionär und historisch. Und ich glaube, das ist sehr positiv. Alte Regime verschwinden und neue, transparentere Regierungen werden wohl an die Macht kommen.

SAP.info: Welche Bedeutung hat das für die IT-Branche?

Sam Alkharrat: Ich glaube, das wird sich sehr positiv auswirken. Wir hoffen auf ein neues Zeitalter für den Nahen Osten – gekennzeichnet durch Stabilität und wirtschaftlichen Wohlstand. Wir werden weiterhin in diese Region investieren und darauf setzen. Neue Regierungen werden den Schwerpunkt auf bessere Leistungen und auf weitere Verbesserungen legen, was zwangsläufig mehr IT-Systeme und mehr Software erfordert. Sie werden neue Arbeitsplätze schaffen, was für die IT-Branche eine höhere Qualifikation und mehr Bildung bedeutet. Und sie werden das Augenmerk auf unternehmerische Initiativen legen, was ein Anstieg an kleinen und mittleren Unternehmen bedeutet und allgemein mehr Wachstum.

Wir werden auch in Zukunft einem gewaltigen Wachstum in Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, insbesondere in Abu Dhabi, sowie in Katar und Kuwait beiwohnen. Das sind wichtige Märkte für uns. Und derzeit können wir Ägyptens Neuanfang verfolgen. Die Region verzeichnet enorme Geschäftsaktivitäten rund um die Ölbranche und den Transport über den Luft- und Seeweg. Der Handel wird in dieser Region großgeschrieben. Der Tourismus ist wichtig und die Baubranche ist ein bedeutendes Segment wie auch der öffentliche Sektor.

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SAP.info: Wie sieht es in den kleineren Ländern wie Katar und Kuwait aus? Welche Branchen sorgen dort für Wachstum?

Sam Alkharrat: Mit dem Zuschlag für die Ausrichtung der FIFA-Weltmeisterschaft 2022 wird Katar innerhalb der nächsten zehn Jahr die Infrastruktur ausbauen. Ereignisse wie dieses werden der gesamten Region eine beträchtlichen Investitionsschub bescheren. Katar ist zudem der größte Erdgasproduzent auf dem Planeten. So stützt sich die Wirtschaft des Landes auch weiterhin im wesentlichen auf Öl und Gas.  Wir müssen uns auf die großen Geschäftsmöglichkeiten vorbereiten, die sich daraus ergeben, und darauf, dass wir die Erwartungen erfüllen. Das passiert nicht über Nacht. Obwohl es noch ein Jahrzehnt bis zu diesem Ereignis dauert, müssen wir uns jetzt vorbereiten.

Auch der Handel macht diese Region aus. Vor 50 oder 60 Jahren, bevor das Erdöl entdeckt wurde, beruhte die Wirtschaft der gesamten Golfregion auf Fischfang und Gewürzen. Diese Waren wurden zwischen Asien und Europa gehandelt. Aus den Händlern von damals sind Familienbetriebe oder wachsende Großkonzerne geworden, die darauf warten, dass ihnen die IT beim Wachsen hilft.

SAP.info: Was sagen die Kunden aus dieser Region zum Kauf von Sybase und die On-Device-Komponente der SAP-Produktstrategie?

Sam Alkharrat: Es gibt keinen Zweifel daran, dass SAP eine sehr bekannte Marke und ein starkes Unternehmen ist. Die Kunden hier glauben an uns als wichtigen Akteur und leistungsfähigen Anbieter. Doch sie sind eher daran interessiert, ob die SAP auch hält, was sie verspricht. Engagiert sich die SAP wirklich für diesen Markt? Wir erklären den Märkten, dass wir unser Versprechen halten  und engagiert sind.

Wir glauben, diese Region hat nicht genug Kenntnisse über unser Produktangebot – Stichwort Unternehmensanalysen und Mobilität. Das ist demnach eine großartige Gelegenheit, darauf hinzuweisen, dass wir nicht nur ERP-Software liefern. Wird sind auch ein Anbieter von Lösungen für Unternehmensanalysen und Mobilitätsanwendungen. Und all diese Produkte arbeiten reibungslos zusammen. Das Interesse an unseren In-Memory-Produkten und On-Demand-Lösungen ist selbstverständlich groß.

SAP.info: Wie sehen die nächsten Schritte aus?

Sam Alkharrat: Wir verfügen über eine gute Strategie, in der Region stabile und leistungsfähige Vertriebskanäle aufzubauen. Unternehmen jeder Größe erwarten, dass wir die Region versorgen. Doch diese Region verfügt nicht über ein so großes Geschäftsumfeld im Hinblick auf unsere Software wie das beispielsweise in Europa der Fall ist. Derzeit versuchen wir, neue Partner für den Mittelstand zu gewinnen und zu unterstützen. Wir erzielen bereits gute Ergebnisse mit SAP Business All-in-One und werden nächstes Quartal SAP Business One einführen. Wir haben die richtige Strategie, die richtigen Produkte und die richtigen Leute. Deshalb glaube ich, dass die SAP in dieser Region großen Einfluss nehmen wird. Und ich freue mich auf eine spannende Reise.

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