DSAG 2010: Nutzer stellen Forderungen

Feature | 22. September 2010 von Christiane Stagge 0

Treffen der SAP-Anwender: DSAG-Jahreskongress in Nürnberg (Foto: Christiane Stagge)

SAP-Nutzer unter sich: DSAG-Jahreskongress in Nürnberg (Foto: Christiane Stagge)

Widersprüchliche Produktinformationen, verwirrende Terminologie, mangelhafte Ausrichtung auf die Zielgruppe – darüber klagen die meisten Kunden, wenn sie auf das Unternehmen SAP angesprochen werden. DSAG-Vorstandsvorsitzender Karl Liebstückel sprach im Beisein des SAP-Vorstands und rund 3.500 Teilnehmern die Probleme offen an. Weitere Infos liefert auch der Artikel DSAG: Die Kunden-Gewerkschaft.

Schwerer “Dampfer SAP” auf Kurswechsel

Im Jahre 2009 habe sich das Unternehmen SAP zwar wieder deutlich an die Kunden angenähert, indem der Großkonzern den deutschen und österreichischen Nutzern wieder die Wahl zwischen dem günstigen Standardsupport und dem erweiterten Enterprise Support lässt. Immerhin höre SAP seinen Kunden wieder zu, so Liebstückel. Seitdem Jim Hagemann Snabe und Bill McDermott gemeinsam die Führung übernommen haben, befände sich der schwere Dampfer SAP wieder auf dem richtigen Kurs.

Dennoch bleiben bei den Anwendern viele Fragen offen: Warum verzögert sich der Marktstart von EHP 5? Wird nach dem Kauf von Sybase und der Präsentation der Sybase Unwired Platform die altgediente NetWeaver Mobile nutzlos? Was geschieht mit den bestehenden Lizenzverträgen, wenn NetWeaver Mobile vorgestellt im Artikel: Mobil ans ERP ab 2014 nicht mehr gewartet wird? Als Interessensvertretung aller deutschsprachigen SAP-Kunden, stellt die DSAG folgende Forderungen an den Softwarekonzern.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Wunsch nach verlässlichen Roadmaps und transparenten Lizenzmodellen

DSAG-Vorstand: Ziele und Fakten im Blick (Christiane Stagge)

DSAG-Vorstand: Ziele und Fakten im Blick (Foto: Christiane Stagge)

Neuer Besucherrekord: Rund 3500 Teilnehmer besuchen den DSAG-Jahreskongress 2010. (Foto: Christiane Stagge)

Neuer Besucherrekord: Rund 3500 Teilnehmer besuchen den DSAG-Jahreskongress 2010. (Foto: Christiane Stagge)

1. Verlässliche Roadmaps: Zukunftsplanung

Cloud Computing und Virtualisierung zum Trotz: Wie eine aktuelle DSAG-Umfrage unter den CIOs der größten deutschen Unternehmen ergab, sind verlässliche Produkt-Roadmaps für Firmen am Wichtigsten: Kunden wollen alle drei bis fünf Jahre darüber informiert werden, welche Neuerungen SAP in seiner Software plant, damit Firmen langfristig investieren können und Planungssicherheit für die Zukunft haben.

Obwohl das fünfte Enhancement Package für ERP 6.0 bereits für Mitte 2010 angekündigt war, verzögert sich der Marktstart voraussichtlich noch einmal um weitere sechs Monate. Dies sei zwar für die Kunden ärgerlich. Waldemar Metz, Vorsitzender des Arbeitskreises „Prozesse“ und Karl Liebstückel räumen jedoch ein, dass eine Verzögerung besser sei, als unausgereifte Produkte wie „grüne Bananen“ auf den Markt zu bringen. Qualität habe hier eindeutig Vorrang.

2. Technologie: Ein Server reicht

Einfach, mobil, kollaborativ – das sind die Kernforderungen der Kunden an ihre SAP-Software. Die Systemlandschaften seien zu komplex. Statt einer 3-Systemlandschaft, die aus einem Test-, Produktiv- und Sicherungssystem besteht, wollen Anwender ein System, das nur auf einem einzigen Server läuft.

iPad, iPhone und Co. sind im Geschäftsumfeld angekommen, wie im Artikel: Alles wird mobil berichtet.  Da Unternehmenssoftware zunehmend mobil eingesetzt wird, müssen Applikationen nicht nur einfach zu bedienen, sondern auch an höchste Sicherheitsstandards angepasst sein.

Facebook macht es vor: Was für den Alltag ein erfolgreiches Kommunikationsmodell ist, eignet sich auch fürs Business. Mit StreamWork hat SAP bereits eine Kollaborations-Software entwickelt, mit der Nutzer analog Social-Media-Communities gemeinsam an Projekten arbeiten und sich Dateien austauschen können. Kunden wünschen sich von SAP weiterhin Software mit flexiblen Kollaborationsmöglichkeiten, die sich in ihrer Funktionalität an ihren Arbeitsalltag anpasst.

3. Business Suite 7: Uneinheitliche GUI

Fehlerfrei, stabil, schnell – die Nutzer plädieren für durchgängige Prozesse ohne Produktsilos und Medienbrüche. Die Business Suite 7 sei zu komplex und biete keine gemeinsame Oberfläche. Ob NetWeaver Client oder SAP GUI – die Bedienoberfläche ist nicht einheitlich. Kunden verlangen nach einfach zu bedienenden, preiswerten  Lösungen.

4. Support und Lizenzmodelle: Kein Preislisten-Chaos

Seit letztem Jahr haben Kunden wieder die Wahl zwischen Standard und Enterprise Support. Liebstückel geht das aber noch nicht weit genug: Nutzer wollen eine bedarfsgerechte, flexible und preisdifferenzierte Wartung – sozusagen einen Mix aus unterschiedlichen  Supportangeboten. Der Wechsel zwischen den einzelnen Supportangeboten sollte kein Preis-Hindernis darstellen. Die Verträge müssten hierbei flexibler und individueller angepasst sein.

Auch wenn SAP ein neues Produkt auf den Markt bringt, müssen bestehende Investitionen  geschützt sein. Eine Situation wie damals beim Wechsel von R/3 zu mySAP zu ERP wolle man nicht mehr erleben, so Liebstückel. Beim Produktwechsel dürfe es keine Neulizenzierungen geben.

Lizenzmodelle müssten transparent sein: Bisher muss der Kunde sich aus einer Listensammlung und Vielzahl an Dokumenten die Preisänderungen seiner Software selbst heraussuchen. Das sei wenig Nutzerfreundlich. Kunden müssten einen besseren Überblick über Preismodelle bekommen und auch nur die Lizenzen zahlen, die sie wirklich nutzten. Über die Möglichkeit, einzelnen Lizenzen stillzulegen, hielt sich Michael Kleinemeier während der Pressekonferenz bedeckt. Dies wolle man lieber bilateral im Kundengespräch klären, so der SAP DACH-Chef.

Lesen Sie im zweiten Teil: Snabes Antwort und neue Produkte

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