Treiber der IT-Landschaft

27. April 2012 von Christoph Zeidler 0

Dr. Stefan Schloter, CIO der T-Systems

T-Systems ist schon seit vielen Jahren Partner der SAP. Wie sieht ihr Marktumfeld aus? Und welche Themen bewegen die Informations- und Kommunikationstechnik (ICT) aktuell?

Dr. Stefan Schloter: Wir stehen in einem harten Wettbewerb. Das liegt zum einen daran, dass der ICT-Markt immer mehr zu günstigen Produkten tendiert, zum anderen entstand durch die Wirtschaftskrise ein besonderer Druck. Es wurden IT-Budgets eingefroren, die dann später kaum erhöht wurden.

Die Kunden sind heute vor allem an innovativen Lösungen aus der Cloud interessiert. Wir nennen das „Dynamic Netcentric Sourcing“, das trifft die Bedeutung besser. Sie erhalten die Leistung, zum Beispiel eine SAP-Lösung, aus einem unserer Rechenzentren und bezahlen nur nach Verbrauch. Das gibt ihnen Luft zu atmen, weil sie alle Leistungen mit einer monatlichen Pauschale begleichen können.

Neben dem Cloud Computing stehen auch die Themen Mobilität und Sicherheit hoch im Kurs. Mobiles Arbeiten ist für mehr als zwei Drittel der ICT-Entscheider in den nächsten fünf Jahren relevant. Und mehr als die Hälfte von ihnen sieht die Sicherheit auf Rang drei der wichtigsten Themen.

Wie sehen Ihre Kunden die Informations- und Kommunikationstechnik? 

Dr. Stefan Schloter: Für unsere Kunden ist ICT mittlerweile strategisch sehr wichtig geworden. ICT trägt wesentlich zum Wachstum des Bruttoinlandsprodukts bei und die Hälfte aller Industrieprodukte hängt von ihrem Einsatz ab. Viele Entscheider sagen daher, dass sich ICT zu einer kritischen Infrastruktur entwickelt hat. Und diese wollen unsere Kunden geliefert bekommen, ohne sich groß darum kümmern zu müssen. Sie wollen sich auf ihr eigentliches Kerngeschäft konzentrieren.

Welche Rolle spielen Sie und Ihr IT-Team innerhalb der T-Systems?

Dr. Stefan Schloter: Wir sind der Treiber für eine optimierte Prozess- und IT-Landschaft innerhalb der T-Systems. Der integrierende Faktor beim Zusammenbringen von Prozessen und IT ist uns dabei sehr wichtig. Prozessverbesserungen gehen meist Hand in Hand mit der Einführung neuer IT-Systeme und Funktionen, und umgekehrt. Letztendlich tragen wir mit der dadurch erreichten Effizienzsteigerung entscheidend zum Erfolg des Unternehmens bei.

Eine zweite wichtige Funktion unseres Teams ist die Rolle als unternehmensinterner Sparringspartner und Copilot für Entwicklung, Vertrieb und Delivery. Das Motto „Use what you sell – Sell what you use” gilt auch bei uns – als interne IT haben wir daher eine besondere Herausforderung zu meistern. Es freut mich ganz besonders, wenn wir intern neue IT-Lösungen einsetzen, die wir dann auch dem externen Geschäft zur Verfügung stellen können.

Wie sieht die Zusammenarbeit mit SAP aus?

Dr. Stefan Schloter: Mit SAP leben wir seit Jahren eine strategische Partnerschaft in vielen Facetten. Das zeigt sich beispielsweise im Rahmen des laufenden Customer Validation Programms für SAP CRM und SAP ERP, aber auch in zahlreichen Zertifizierungen und Auszeichnungen. Wir haben im Rahmen dieser Partnerschaft die Möglichkeit, neue Softwarefunktionalitäten für die Weiterentwicklung der IT zu evaluieren und für uns und unsere Kundenprojekte zu nutzen.

Von der engen Zusammenarbeit profitieren alle: SAP ist näher am Markt und kann frühzeitig Wünsche seiner Kunden in die Software einfließen lassen. Durch die daraus folgende höhere Standardisierung kommt es zu Synergie-Effekten und T-Systems kann diese Lösungen einfacher in die IT-Landschaft ihrer Kunden integrieren. Die unmittelbare Nähe zum Kunden und zu SAP stärkt unsere Wettbewerbsposition.

Für Ihr CRM-Projekt SalSA nutzen Sie SAP CRM und lösen mit SalSA ein Siebel-Altsystem ab. Welche Gründe sprachen für den Wechsel?

Dr. Stefan Schloter: Es sollten vor allem die Anforderungen aus unserem spezifischen Geschäftsmodell umgesetzt werden. Dabei war es wichtig, die neue CRM-Applikation mit möglichst wenigen Schnittstellen und Systembrüchen in eine standardisierte, durchgängige IT-Architektur einzubetten.

Dabei wollten wir einen neuen Weg gehen, um die Prozess- und Anwenderunterstützung in unserem Vertrieb zu verbessern. Die wichtigsten Argumente für die SAP-Lösung waren, dass sie sich intuitiv bedienen lässt und auch mobile Endgeräte einbindet. Außerdem wurde damit eine bereichsübergreifende Anwendung implementiert, mit der zentral auf alle kundenrelevanten Informationen zugegriffen werden kann. Da wir die T-Systems Dynamic Computing Plattform für SAP nutzen, konnten wir zudem die IT-Betriebskosten deutlich senken.

Welche Ziele haben Sie sich mit SalSA gesetzt? Gab es Schwierigkeiten bei der Umstellung?

Dr. Stefan Schloter: Für uns war es wichtig, innerhalb eines Jahres alle 3.500 Nutzer auf das neue System umzustellen, Nutzer aus Vertrieb, Marketing, Kampagnen- und Beschwerdemanagement. Zum Teil waren Prozessoptimierungen notwendig. Das war anfangs schwer zu vermitteln, sie sind für eine bereichsübergreifende Zusammenarbeit aber sehr wichtig. Nur durch die enge Zusammenarbeit aller Projektbeteiligten war dieser Kraftakt zu stemmen.

Das Projekt wurde zu einem Erfolg, weil wir durch offen und sachlich geführte Diskussionen ein gutes Verständnis für die Sache bekamen. Rückblickend kann ich sagen, dass das Team die Einführung der Anwendung SalSA hervorragend gemeistert hat.

Was sind die größten Erfolge Ihres Projekts?

Dr. Stefan Schloter: Das Lob unserer Kollegen aus dem eigenen Haus. Gerade von denen, die dem Projekt anfangs sehr skeptisch gegenüberstanden. Das Stimmungsbild drehte sich als klar wurde, dass das System von überall griffbereit sein würde. Die Vorteile bei der Datenpflege und der Nutzen von Auswertungen überzeugten letztendlich auch die kritischeren Kollegen.

Für mich persönlich war es das Größte, dass wir das Projekt innerhalb von nur zwölf Monaten in 22 Ländern umsetzen konnten. Wir haben dabei Scrum als agile Entwicklungsmethode gewählt, um diese komplexe Aufgabe in einer so kurzen Projektlaufzeit erledigen zu können. Der Vorteil der Methode ist, dass schnell auf neue oder sich ändernde Anforderungen reagiert werden kann. Nur in enger Zusammenarbeit mit SAP war es möglich, einen Systemwechsel von heute auf morgen in allen T-Systems Landesgesellschaften zu realisieren. Darauf bin ich sehr stolz – und auf die intensive und konstruktive Zusammenarbeit mit allen Beteiligten.

Ganz besonders freue ich mich darüber, dass die Leistung des Projektteams auch außerhalb unseres Unternehmens Anerkennung gefunden hat. So haben wir mittlerweile drei Auszeichnungen für SalSA entgegennehmen können: Bronze beim CRM Best Practice Award, Gold beim Best Quality Award SAP Deutschland und Silber beim SAP Best Quality Award EMEA.

Wie sieht es mit der Wirtschaftlichkeit aus?

Dr. Stefan Schloter: Wir rechnen damit, die Projektkosten innerhalb der ersten 3 Jahre ausgleichen zu können. Bei den Betriebskosten können wir bislang eine Einsparung von 15% im Vergleich zum Altsystem verbuchen. Auch bereichsübergreifend zeigt sich bislang eine sehr positive Bilanz von SalSA.

Und wie geht es jetzt mit Ihrer SAP-Landschaft weiter?

Dr. Stefan Schloter: SalSA war nur der erste Schritt auf dem Weg zu unserer Zielarchitektur. Heute arbeiten wir an der Weiterentwicklung unserer IT zur automatisierten Prozessierung „Lead-to-Cash“. Mit der Anbindung von SAP Convergent Charging an unsere CRM-Plattform und der Modernisierung unserer ERP-Landschaft werden wir die Basis für eine noch weiter optimierte IT-Infrastruktur legen.

Was haben Sie sich darüber hinaus als CIO für die nächsten Jahre vorgenommen?

Dr. Stefan Schloter: Aus meiner Sicht wird sich die klassische Rolle des CIOs massiv verändern. Die Social-Media-Welle, die nicht mehr aufzuhalten ist, und der Trend zur Unified Communication werden seine Aufgaben wesentlich beeinflussen. Der CIO wird zwar nach wie vor die Informations- und Kommunikationstechnologien eines Unternehmens verantworten. Doch die Herausforderungen auf dem Weg zu Enterprise 2.0 wandeln sich fundamental. Der CIO muss sich in den nächsten Jahren zusätzlich zum Chief Collaboration Officer (CCO) weiterentwickeln. Dieser Herausforderung werde ich mich stellen, um unseren Mitarbeitern und letztendlich auch unseren Kunden zu helfen, diese Trends zu nutzen.

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