Das Gegenteil von Informationsüberlastung

30. August 2012 von Heather McIlvaine 0

Patrick Taylor, CEO bei Oversight Systems

SAP.info: Die meisten SAP-Kunden kennen Oversight Systems als Anbieter von Continuous Analytics, einer Anwendung für die Transaktionsüberwachung für ERP. Jetzt haben Sie eine neue Mobile App. Wie passt die in Ihr Portfolio?

Patrick Taylor: Mobile Insights funktioniert mit unserem gesamten Portfolio an Continuous-Analytics-Anwendungen. Ziel der App ist es, Anwender – in der Regel Business User – auf Anomalien im ERP-System aufmerksam zu machen. Dabei kann es sich um eine fragwürdige, vielleicht sogar betrügerische, Transaktion oder auch um eine Einsparmöglichkeit handeln. Alles hängt vom jeweiligen Anwender und dem Geschäftsbereich ab, in dem er arbeitet.

Wie weiß die App, welche Benachrichtigung für den jeweiligen Anwender passt?

Die Anwender abonnieren den Bereich, der für sie relevant ist. Ein Vertriebsmitarbeiter im Umland von Los Angeles kann beispielsweise Veranstaltungen für diese Region abonnieren. Je nach Hierarchieebene im Unternehmen erhalten Anwender verschiedene Benachrichtigungen. Ein Topmanager wird nicht über einzelne Verstöße gegen Richtlinien informiert. Er muss eher wissen, wenn im Unternehmen vermehrt Richtlinienverstöße zu beobachten sind.

Wie unterscheidet sich Mobile Insights von anderen Mobile Apps für BI?

Momentan geht der Trend bei Mobile Apps für BI dahin, viele Daten auf dem mobilen Endgerät zur Verfügung zu stellen. Man kann Fragen stellen und sich dann die Antworten ansehen. Wir haben jedoch ganz bewusst einen anderen Ansatz verfolgt: Wir übernehmen vorher die Recherche und liefern dem Anwender direkt die Ergebnisse. So bleibt ihm die Suche erspart.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Die richtigen Informationen zur richtigen Zeit

Warum haben Sie sich dafür entschieden?

Wenn man Big Data auch auf mobilen Endgeräten ermöglicht, muss man zwei Dinge beachten. Erstens ist die Welt nicht voller „Datenwissenschaftler“. Damit meine ich, dass die meisten Mitarbeiter nicht wirklich in der Lage sind, fundierte Analysen großer Datenmengen durchzuführen. Und zweitens – wer hat schon die Zeit dafür? Die meisten Leute haben einfach viel zu viel zu tun und können sich nicht den ganzen Tag mit „Was wäre wenn“-Szenarien befassen.

Besteht da nicht das Risiko, den Anwendern zu wenig Information zu geben?

Bei der Konzeption der App haben wir ein journalistisches Konzept für die Strukturierung der Informationen verwendet. Wenn ein Anwender eine Benachrichtigung erhält, sieht er zunächst die „Überschrift“. Wenn sie für ihn interessant und relevant ist, kann er klicken, um weiter ins Detail zu gehen. Das heißt, die ganze Information ist vorhanden, sie wird aber sehr anwenderfreundlich präsentiert. Also genau das Gegenteil von Informationsüberlastung.

Mobile Insights meldet den Anwendern also wichtige Informationen ortsunabhängig und in Echtzeit?

Wir sagen eher, dass die Anwender die Benachrichtigungen „rechtzeitig“ erhalten, das heißt, wenn sie die Information brauchen. Das kann in Echtzeit sein, muss es aber nicht. Ein Vertriebsmitarbeiter braucht beispielsweise das neueste Profil eines Kunden ein oder zwei Tage vor einem entsprechenden Telefonat mit ihm. Wenn es in den vergangenen drei Monaten ein Problem mit dem Kunden gegeben hat, muss er definitiv darüber Bescheid wissen. Er muss aber nicht an dem Tag, an dem es zu dem Problem kommt, davon erfahren. Denn er ist nicht im Kundenservice. Genau das verstehen wir unter „rechtzeitig“ im Gegensatz zu Echtzeit.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Was für eine HTML5 Web-App spricht

Mobile Insights wurde als HTML5 Web App entwickelt. Der ursprüngliche Plan sah aber anders aus…

Das stimmt. Wenn Sie mich vor einem Jahr gefragt hätten, hätte ich gesagt, dass wir auf jeden Fall eine native iPad-App entwickeln. Und dass wir vielleicht mit der Zeit eine Apps-Serie für verschiedene Betriebssysteme herausbringen. Uns schwebte zunächst eine reine iPad-App vor, aber angesichts unseres Kundenstamms war das nicht realistisch. Kein Fortune-500-Unternehmen kann sagen, dass es zu 100 % auf Apple, Android oder BlackBerry arbeitet. Dieses Problem ist dadurch entstanden, dass viele Mitarbeiter auch ihre privaten mobilen Endgeräte in den Unternehmen verwenden („Bring Your Own Device“). Jeder, der heute Apps entwickelt, muss deshalb verschiedene Plattformen berücksichtigen.

Warum haben Sie sich für HTML5 entschieden?

Wir haben einfach die Gelegenheit genutzt, als HTML5 eine mögliche Alternative zu einer nativen App wurde. Mit HTML5 kann man eine wirklich tolle Anwenderfreundlichkeit für verschiedene Plattformen – sei es Android, iOS oder RIM – bieten. Trotzdem gibt es einige Einschränkungen bei der Funktionalität. In unserer App werden die Benachrichtigungen an die Anwender per E-Mail versandt. Hierfür brauchen wir also keine sehr aufwändige App-Funktionalität. Ich wollte aber nicht unbedingt auf einer HTML5-Version von Angry Birds spielen.

Tags: , , , , , ,

Leave a Reply