Hasso Plattner auf der SAPPHIRE NOW

Feature | 18. Mai 2012 von Perry Manross 0

Hasso Plattner, SAP-Mitbegründer und Aufsichtsratsvorsitzender (Foto: SAP)

Am Tag vor seiner Keynote auf der SAPPHIRE NOW traf sich Hasso Plattner mit zehn Startup-Unternehmen, die in den vergangenen Wochen nonstop an der Entwicklung von Anwendungen für SAP HANA gearbeitet hatten. Auf die Frage, wie es denn gelaufen sei, antworteten die Entwickler einhellig, dass dies ihre bislang positivste Erfahrung mit SAP-Software gewesen sei. Und das ist auch das Ziel. „Wenn wir Systeme der Kunden im Live-Betrieb umstellen möchten, setzt dies ein Maß an Qualität voraus, das bei bisherigen SAP-Komponenten nicht vorgesehen war“, erklärte Hasso. Niemand wolle aber zukünftig mehr sein System sechs Monate oder länger optimieren, um es auf die Umstellung vorzubereiten, so seine Meinung. Es müsse sofort zu 100 Prozent funktionsfähig sein.

Am nächsten Tag wandte sich der SAP-Mitbegründer und Aufsichtsratsvorsitzende an das breite Publikum der SAPPHIRE NOW. In seiner Keynote zeigte er auf, wie die In-Memory-Plattform ihre ersten Gehversuche unternommen hatte und nun infolge der Weiterentwicklung der SAP-HANA-Technologie und des Ausbaus des Partnernetzes den Markt im Sturm erobert.

Sie möchten Transaktionen schneller verarbeiten?

Dass SAP HANA die Verarbeitung um den Faktor 10.000 bis 100.000 beschleunigen kann, ist zwar nach wie vor beeindruckend, aber bereits allseits bekannt. Die unglaubliche Geschwindigkeit der Appliance bei Analysen konnten die Kunden bereits im Praxiseinsatz erleben: Blitzschnelle Auswertungen selbst riesiger Datenmengen liefern die Grundlage für zeitnahe und fundierte Entscheidungen. Doch wie steht es um das Versprechen, SAP HANA auch für die Transaktionsverarbeitung einsetzen zu können? Welchen Nutzen bringt eine In-Memory-Datenbank neuester Technologie und mit Unterstützung sowohl für OLAP (Online Analytical Processing) als auch für OLTP (Online Transactional Processing), wenn keine transaktionsbasierten Anwendungen darauf laufen? Doch das tun sie und es gibt sie: SAP Business One ist eine Transaktionsanwendung, die vollständig auf der In-Memory-Datenbank läuft, und ein gutes Beispiel für die zukünftigen Möglichkeiten im Bereich OLTP.

Während des Vortrags von Hasso wurde ein Szenario gezeigt, in dem die SAP-Lösung für kleine Unternehmen das Potenzial von SAP HANA voll ausschöpft. Ein Vertriebsbeauftragter kann mit Freitextsuche, Analysen und Transaktionen innerhalb weniger Sekunden einen Auftrag suchen, Kundendaten auswerten und einen Bestellprozess anstoßen – selbst auf einem kleinen Rechner wie dem Mac mini.

Doch nicht nur kleine Unternehmen profitieren von den OLTP-Funktionen von SAP HANA. Wirklich interessant wird es, wenn demnächst auch SAP ERP darauf laufen soll.

SAP HANA soll die Grundlage aller Anwendungen, auch der mobilen, werden. (Foto: SAP)

SAP-Vorstandsmitglied und CTO Vishal Sikka (Foto: SAP)

Deutliche Performancegewinne beim OLTP

Die Performancesteigerung im OLTP-Bereich fällt etwas geringer aus, jedoch nur in Relation zu den drastischen Performancegewinnen, die im OLAP-Bereich verzeichnet werden konnten. Hasso erläuterte, dass es zwar durchaus praktisch sei, Daten mittels Group Select (OLAP) mit atemberaubender Geschwindigkeit aus einem System zu extrahieren, sich jedoch Single-Select-Vorgänge (OLTP) im Vergleich zu einer relationalen Datenbank wesentlich weniger beschleunigen lassen. Wie SAP-Vorstandsmitglied Vishal Sikka in seiner anschließenden Keynote eindrucksvoll darlegte, konnte die SAP im OLTP-Bereich die Performance dennoch deutlich steigern. Den Entwicklern von Vishal gelang es in einigen Fällen, eine OLTP-Performance von bis zu 770.000 Datensätzen pro Sekunde zu erzielen.

Anwendungen fit für SAP HANA machen

Bei vielen Anwendungen der SAP Business Suite konnte die Leistung deutlich verbessert werden, indem sie direkt unter SAP HANA neu implementiert wurden. Ein Beispiel hierfür ist SAP Dynamic Cash Management. Die grundlegende Umgestaltung bekannter Anwendungen ist Hasso zufolge ein notwendiger Schritt, um richtungsweisende Entwicklungen wie die Mobiltechnologie effektiv nutzen zu können. „Die Benutzer von Mobilgeräten möchten wesentlich kürzere Antwortzeiten“, bekräftigte er. „Alle neuen Anwendungen für SAP HANA werden grundsätzlich mobile Anwendungen sein.“

Dieses Zusammenspiel aus mobiler und In-Memory-Technologie ist der wesentliche Nutzen, den die engere Verzahnung innerhalb des SAP-Produktportfolios mit sich bringt. Zugleich liefert es den Beweis dafür, dass die Übernahme von Sybase ein gelungener Schachzug war. Vom Zusammenspiel der Technologien profitieren die Kunden auch im Bereich der Cloud-Lösungen: Sie können ihre IT-Systeme auf gehosteten Datenbanken unter SAP HANA laufen lassen und dadurch eine deutlich höhere Geschwindigkeit erzielen.

Mit sichtlichem Vergnügen präsentierte Hasso ein Beispiel für ein solches Rechenzentrum. Nur wenige Tage vor der Konferenz war die Einrichtung des größten In-Memory-Datenbanksystems der Welt abgeschlossen worden. Der Server-Cluster erstreckt sich über 15 Meter in einem Gebäude im kalifornischen Santa Clara und besteht aus 100 IBM X5-Servern mit insgesamt 4.000 X86-Prozessorkernen.

So unterstützen die In-Memory-Technologie, mobile Lösungen, das Cloud Computing und natürlich Anwendungen und Analytik auch Mitarbeiter mit Kundenkontakt bei ihren täglichen Aufgaben. Sie geben Entscheidungsträgern wichtige Werkzeuge an die Hand und stellen die traditionellen Befehls- und Kontrollhierarchien in Unternehmen auf den Kopf. Die SAP richtet ihre Anwendungen deshalb gezielt auf diese neue Arbeitsweise und die veränderten Organisationsstrukturen aus.

Zum Abschluss seiner Rede forderte Hasso die Teilnehmer auf, noch offene Fragen zu SAP HANA an die Adresse asksaphana@sap.com zu senden.

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