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Trend-IT: Was Kandidaten können müssen

Feature | 10. Juni 2015 von Andreas Schmitz 2

Jede fünfte IT-Position besetzt das Personalberatungshaus Michael Page inzwischen in den Trend-Bereichen Big Data, Cloud und Internet of Things. Welche Fähigkeiten gefragt sind.

Big Data Scientist, Cloud Analyst, Architect IOT Cloud Services, Manager Embedded Systems: Das sind nur einige der Berufsbezeichnungen, die aktuell hoch im Kurs stehen auf dem Markt der „neuen IT“. Über 1.000 neue offene Stellen innerhalb einer Woche rund um die Cloud, Big Data und IOT zählt etwa die Vermittlungsplattform Stepstone.de derzeit. Wobei es immer schwerer fällt, zu verstehen, welche Berufsbezeichnung zu welchem Ausbildungshintergrund passt.

Big Data Scientist, Architect IoT Cloud Services, Cloud Analyst: Titel müssen nach was klingen

„Unternehmen brauchen Titel, die sexy klingen“, meint Michael Wulf, Experte für die Vermittlung von Fach- und Führungskräften in der IT bei der weltweit tätigen Personalberatung Michael Page: „Je weniger ein Unternehmen selbst „sexy“ ist, umso besser klingen die Titel.“ Wer also früher schlicht BI-Manager war, hat heute auch noch irgendwo ein Big Data im Titel untergebracht. Im Jahr 2020 werden 900.000 Positionen im ITK-Sektor in Europa nicht zu besetzen sein, prognostiziert die EU-Kommission. Der Wettbewerb um Fachexperten nimmt immer mehr zu. Deswegen kommt es nicht zuletzt auch darauf an, zunächst einmal modern zu wirken.

„Unternehmen müssen sich in der Ansprache potenzieller Bewerber darauf einlassen“, rät auch Bernd Böckenhoff, „da liefern Facebook oder LinkedIn neue Schlagworte – und schnell ist ein neuer Jobtitel da“. Für den Geschäftsführer der Initiative Academy Cube steckt allerdings noch sehr viel mehr hinter der Entwicklung. „Einige Technologien bekommen derzeit eine neue Relevanz“, meint Böckenhoff und nennt fünf Bereiche.

Die fünf Bereiche mit Zukunft

1. Big Data:

Intelligente Verfahren unterstützen Unternehmen dabei, schneller und gründlicher als bisher Erkenntnisse aus großen Datenmengen zu gewinnen. Die Herausforderung besteht darin, Mehrwerte für die Fachabteilungen zu entwickeln, die Daten also intern zu vermarkten. Neue Geschäftsmodelle sind möglich.

2. Cloud Computing:

Unternehmen setzen meist auf einen Mix aus fest installierten „on-premise“-Systemen und Anwendungen aus der Cloud. Die Herausforderung in den Unternehmen besteht darin, ihre Architektur so zu entwickeln und neue Technologien so einzusetzen, dass die Prozesse reibungslos funktionieren.

3. Vernetzung und Sicherheit:

Geräte, die über das Internet miteinander verbunden sind, lassen sich nicht nur fernsteuern, sondern auch fern manipulieren. Welche Sicherheitsvorkehrungen zu treffen? Welche Übertragungstechnologien sind relevant und sicher genug? Wie lassen sich Angriffe sofort aufspüren und wie kann ein Unternehmen rechtzeitig dagegen etwas tun?

4. Mobile Anwendungen:

Mobile Endgeräte erfordern neue Prozesse, die nichts mit denen eines PCs zu tun haben. Hybride Apps entwickeln, neue Services einbinden, offene Standards einsetzen: Mobile Dienste bieten weit mehr – und sie entwickeln sich dynamisch.

5. Internet of Things (IoT):

Die Vernetzung von Maschinen und IT kommt bisher hauptsächlich in der Fertigung zum Zug. So lässt sich über Sensordaten die Laufzeit von Maschinenteilen vorhersagen. Die Folge: Nicht Maschinen, sondern deren Laufzeit wird verkauft. Doch immer mehr Branchen werden von dieser Entwicklung profitieren.

Jede fünfte der etwa 600 in den letzten fünf Jahren besetzten IT-Position bei Michael Page kommt aus diesen Trend-Bereichen. Doch erfordern die neuen Entwicklungen andere Mitarbeiter. Sie unterscheiden sich nicht nur vom Ansatz und der Denke her von herkömmlichen IT-lern.

Die drei Fähigkeiten, die besonders gefragt sein werden

1. Über technische Ziele hinaus denken:

Einerseits müssen die Kandidaten über technische Kompetenz verfügen und beispielsweise verstehen, wie Daten von Sensoren genutzt und Cloud-Strukturen aufgesetzt werden und wie die On-Premise-Welt funktioniert. Doch werden die so genannten Soft Skills immer wichtiger, „die Fähigkeit, sich auch in die Erwartungen etwa der Fachabteilungen und Nutzer von Anwendungen hineinzuversetzen und mit Ihnen zusammen kreative Lösungen zu finden“, wie es Böckenhoff vom Academy Cube formuliert.

2. Selbstgesteuert lernen:

Wer Informationen über eine neue Software braucht oder Weiterbildungen benötigt, sucht sich selbst geeignete Angebote im Internet zusammen. Massive Open Online Courses (MOOCs) schaffen die Möglichkeit, sich online schnell und unkompliziert neue Technologien beizubringen. Die openSAP-Plattform bietet entsprechende kostenlose Kurse. Die Initiative Academy Cube plant, bis 2017 mehr als 2.000 E-Learning-Kurse über ihre Plattform anzubieten – ein wachsender Markt. Eine wichtige Anforderung an künftige Bewerber wird sein, die Fähigkeit zu besitzen, sich neue Softwares und Funktionalitäten schnell selbst zu erschließen und anwenden zu können.

3. Naturwissenschaftliches Studium statt Quereinstieg:

Nach Ansicht von Michael Wulf von der Personalberatung Michael Page benötigen Kandidaten, die sich etwa mit Cloud Computing beschäftigen, mehr abstraktes Verständnis. „Von Software as a Service bis zu Platform as a Service ist es nötig, nicht nur die Codes zu verstehen, sondern den Service als Ganzes in seiner Funktion“, meint Wulf, der eher einen Mathematiker oder Informatiker in den Zukunftsrollen der IT sieht – und weniger den Techniker mit administrativen Fähigkeiten. Zwar ist ein Quereinstieg in die IT nicht ausgeschlossen, doch bestehen ihre Chancen dann eher in Bereichen wie User Experience, dem Frontend und dem Requirements Engineering. Besonders im Bereich IoT kommen Ingenieurkenntnisse hinzu, da hier die Schnittstelle zwischen Maschine und IT im Mittelpunkt steht. „Selbst das gute alte Diplom ist hier noch von Vorteil“, weiß Michael-Page-Mann Wulf.

Michael Wulf von Michael Page über IoT: "Die Umsetzung geht jetzt richtig los."

Michael Wulf von Michael Page über IoT: “Die Umsetzung geht jetzt richtig los.”

Dem Bereich IoT schreibt Wulf im Übrigen die größten Zukunfts- und Wachstumschancen zu: „IoT ist noch nicht gängig, die Umsetzung geht jetzt richtig los, das spüren wir.“

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