Trend-Themen ohne Budget

Feature | 23. September 2013 von Andreas Schmitz 0

Foto: miric/Fotolia.com

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Cloud, Social Media, in der Autobranche auch noch das Thema Connected Car: Das sind die Themen, die gerne und viel in der Diskussion sind – auf Fachforen, Kongressen und in Zeitungen. Die Realität in den IT-Abteilungen von Autoherstellern, -Zulieferern und –Händlern ist eine ganz andere: „Wenn es um die konkrete Umsetzung geht, haben diese Themen einen geringen Stellenwert im Vergleich zu den klassischen IT-Projekten“, kommentiert Stefanie Naujoks, Analystin für die Fertigungsindustrie bei Pierre Audoin Consultants (PAC). Mitdenkende Fahrzeuge, die dem Fahrer das Tempo für die grüne Welle anzeigen, die Staus vorhersagen und selbst einparken, seien „eher Leuchtturmprojekte und repräsentierten noch nicht die breite Masse an Projekten“.

Das aktuell dominierende Thema unter den anwendungsorientierten IT-Projekten ist der aktuellen Studie „IT-Trends in der Automobilindustrie“ nach ein Brot-und-Butter-Thema – die Konsolidierung und Harmonisierung der ERP-Landschaft des Unternehmens. Fast 90 Prozent der befragten 93 Entscheider aus der Autoindustrie in Deutschland gaben an, ein entsprechendes Projekt bereits realisiert zu haben, in der Umsetzung zu stecken oder aber zu planen. Von der Infrastrukturseite betrachtet ist das Top-Thema die „Optimierung komplexer IT-Infrastrukturen“. Aufräumen steht also derzeit hoch im Kurs, Übersicht behalten und das solide Geschäft am Laufen halten. Auch wenn auf Automessen oft der Eindruck entsteht, in Innovationen fließe das meiste Geld der Autokonzerne: Für die IT ist das offenbar noch nicht der Fall.

Cloud-Konzepte teilweise noch gar nicht bekannt

Was also machen die Trendthemen der IT, etwa das Thema Cloud-Computing? Handlungsbedarf sieht hier knapp jeder vierte der befragten IT-, Produktions- oder Entwicklungsleiter. „Private-, Public- und Hybrid-Cloud-Konzepte sind teilweise nicht ausreichend bekannt“, konstatiert PAC-Analystin Naujoks. Entsprechend hat in Hinsicht auf anwendungsbezogene Cloud-Nutzung wie SaaS gerade jedes zehnte Unternehmen der Autobranche entsprechende IT-Projekte bereits realisiert. Entsprechende Infrastrukturprojekte sind in 15 Prozent der Unternehmen zu finden. Meist trifft das auf Bereiche zu, die als sicherheitsunkritisch angesehen werden, wie etwa das Kundenbeziehungsmanagement (CRM). „Sind im Beschaffungsbereich etwa die Geschäftspartner von Automobilzulieferern auf Cloud-basierten Shop-Systemen unterwegs, lässt sich häufig auch für den hartnäckigsten Cloud-Verweigerer die Nutzung nicht verhindern“, kommentiert PAC-Analystin Naujoks.

 

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Foto: PAC

„Social Media ist im kommen – nur fließen aktuell eher noch wenig Gelder in die Entwicklung von ganzheitlichen Konzepten“, sagt Stefanie Naujoks, Analystin bei PAC. Foto: PAC

Der Druck von außen kennzeichnet auch den Handlungsbedarf beim Thema mobile Anwendungen und Geräte. So rangiert unter den Infrastrukturthemen das „Management von mobilen Endgeräten“ auf Rang 3 hinter IT-Sicherheit und der Optimierung der IT-Infrastrukturen, denn die Tatsache, dass die Mitarbeiter gerne ihre eigenen mobilen Geräte mit zur Arbeit bringen, lässt sich nicht wegdiskutieren. Primär im Fokus der IT-Chefs dürfte hier sein, Sicherheitslücken zu schließen, denn die Einbindung firmenfremder Geräte ins Firmennetz birgt Gefahren für das Netzwerk. Dass Gelder schnell bereit stehen, wenn es um IT-Sicherheit geht, zeigt auch eine Zahl aus der Studie. 84 Prozent der Befragten haben dazu bereits Projekte hinter sich oder gerade im Gange. Mutmaßlich landet darin auch das eine oder andere Projekt, das Sicherheitslücken im Zusammenhang mit Bring-your-own-Device mit sich bringt. Nach Ansicht der Entscheider gehört zur Zukunft der IT noch nicht unweigerlich eine App dazu. Einen Corporate App-Store können sich immerhin 38 Prozent der Befragten vorstellen.

Auch die Nutzung von Social Media spielt in den Unternehmen der Branche laut Studie noch keine zentrale Rolle. Zwar hat etwa BMW mehr als 14 Millionen Fans auf seiner Facebookseite. Dennoch vermisst PAC-Analystin Naujoks bei den Unternehmen die ganzheitliche Sicht auf das Thema: „Social Media wird aktuell selten wirklich durchgängig genutzt, etwa mit Anbindung an das CRM oder etwa einer Rückkopplung zur Produktentwicklung, die wenn überhaupt erst über diverse Umwege über Probleme und Beschwerden der Kunden erfahren“.

Social Media: Besonders Autozulieferer zögerlich

Immerhin 36 Prozent der Befragten sehen in Facebook, Twitter und Co. derzeit eine zentrale Bedeutung für die Neukundengewinnung. Besonders unter den Zulieferern ist das Interesse in Sachen soziale Medien verhalten. Ein Hersteller von Kurbelwellen hat die Markenpflege mit der dazugehörigen Marketingkommunikation nachvollziehbarerweise weniger im Blick als ein Autohersteller. Allerdings gibt es viele Zulieferer, die auch im direkten Kundengeschäft tätig sind. Scheibenwischer von Bosch oder Reifen von Continental sind ebenso im Visier der Kunden wie das Gesamtprodukt. So gesehen besteht hier keine Möglichkeit, den schwarzen Peter wieder an den Hersteller zurückzugeben. Doch Stefanie Naujoks sieht eine Entwicklungschance: „Social Media ist im kommen – nur fließen aktuell eher noch wenig Gelder in die Entwicklung von ganzheitlichen Konzepten“.

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