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Trends in der Lebensmittelbranche – Mehr als nur Geheimrezepte

Feature | 7. November 2014 von Nadine Huelsen 0

Intelligente Essstäbchen, Spaghetti via 3-D-Drucker oder bessere Prozesse, um Abfälle zu reduzieren: Die Lebensmittelindustrie setzt auf Innovation.

Die Lebensmittelbranche ist so alt wie die Menschheit selbst. Viele Prozesse zur Herstellung von Nahrungsmitteln existieren schon seit Jahrtausenden. Die Kunst des Bierbrauens beispielsweise stammt unter anderem aus dem alten Babylon und Backwerke gab es bereits um 8.000 vor Christus in Ägypten. Während der industriellen Revolution und danach entwickelte sich dann die moderne Nahrungsmittelindustrie, die heute wieder einen tiefgreifenden Wandel durchläuft. Lebensmittelhersteller stehen heute vor zahlreichen neuen Herausforderungen, seien dies Lebensmittelgesetze, immer anspruchsvollere Kunden, die sich nachhaltige Produkte wünschen, der Trend zu funktionellen Lebensmitteln („Functional Food“ – Nahrungsmittel, die mit zusätzlichen Inhaltsstoffen angereichert sind und mit positivem Effekt auf die Gesundheit beworben werden) oder neue Vorgaben in den Bereichen Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit.

Top-Trends der Lebensmittelindustrie

Schauen wir uns einige aktuelle Trends genauer an.

Weniger Lebensmittel wegwerfen – das ist der wichtigste Trend im Jahr 2014. Getreu dem Motto „Spare in der Zeit, so hast du in der Not“ versuchen Lebensmittelhersteller, während des Produktionsprozesses weniger Abfälle zu produzieren. Mangelhafte Arbeitsabläufe bei der Ernte, Herstellung, Lagerung und dem Transport von Lebensmitteln und Abfall, der im Handel und beim Endkunden entsteht, führen dazu, dass geschätzte 30 bis 50 Prozent, beziehungsweise 1,2 bis 2 Milliarden Tonnen aller produzierten Nahrungsmittel nie verzehrt werden. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (Food and Agriculture Organization, FAO) hat in Zusammenarbeit mit internationalen Ingenieuren spezielle Programme aufgesetzt, die Industrienationen darin unterstützen, ihr technisches Know-how an Entwicklungsländer weiterzugeben und ihnen auch mit den entsprechenden Technologien unter die Arme zu greifen.

Die Sicherheit und Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln ist Kunden heute besonders wichtig. So hat ein chinesisches Technologieunternehmen Essstäbchen entwickelt, die prüfen, ob die Mahlzeit auf dem Teller genießbar ist. Ob die intelligenten Essstäbchen demnächst im Handel erhältlich sind, ist noch ungewiss. Bisher gibt es nur eine begrenzte Anzahl von Prototypen. Diskussionen in sozialen Medien und Foren deuten jedoch darauf hin, dass in China ein großes Interesse an der neuen Technologie besteht. Im Idealfall sollte Lebensmittelsicherheit jedoch nicht beim Endverbraucher beginnen, sondern bereits während des Entwicklungsprozesses.

Neue Technologien für personalisierte Produkte: Wussten Sie, dass der 3D-Druck bereits in der Nahrungsmittelindustrie angekommen ist? Der Schokoladenhersteller Hershey ist kürzlich eine Partnerschaft mit 3D Systems eingegangen, einem Hersteller von 3D-Druckern für Lebensmittel, und könnte seinen Kunden bald anbieten, Schokolade nach Wunsch zu produzieren.

Der Teigwarenproduzenten Barilla plant, 3D-Druck zur Nudelproduktion in Restaurants einzusetzen. Stellen Sie sich vor, die Spaghetti bei Ihrem Lieblingsitaliener würden genau nach Ihren Wünschen gedruckt. Das klingt vielleicht nicht sehr romantisch, ist aber auf jeden Fall eine interessante Vorstellung.

Kurz gesagt: Die Lebensmittelindustrie setzt heute nicht mehr auf Geheimrezepte aus Großmutters Küche. Herstellungsverfahren und Formeln werden vielmehr in komplexen, integrierten IT-Systemen entwickelt und verwaltet.

Wie SAP PLM Unternehmen bei Innovationen unterstützt

Zu den täglichen Aufgaben von Forschungs- und Entwicklungsexperten in der Fertigungsbranche gehört es unter anderem, voneinander isolierte Geschäftsprozesse zu verbinden, den Produktionsablauf zu optimieren, komplexe Produktdaten zu verwalten und Compliance-Prüfungen durchzuführen. Ziel dabei ist es, den Markenwert durch die erfolgreiche Einführung neuer Produkte zu steigern. SAP Product Lifecycle Management (SAP PLM) ermöglicht es Lebensmittelherstellern, in ein und demselben System Formeln zu entwickeln, wiederverwertbare Inhaltsstoffe zu verwalten, Analysen durchzuführen und Verpackungen zu gestalten.

Tate & Lyle, ein weltweit tätiger Lebensmittel- und Getränkehersteller, hat SAP Product Lifecycle Management implementiert, um die Produktion neuer Inhaltsstoffe zu standardisieren, einen zentralen Zugriff auf alle Rezepte zu ermöglichen und die Zusammenarbeit von Forschung und Entwicklung mit der Produktion zu fördern.

 

Rich Products Corporation, ein Familienunternehmen mit Sitz in Buffalo, New York, USA, das Tiefkühlprodukte und -lösungen anbietet, hat kürzlich mit dem SAPInsider-Magazin über seine Erfahrungen mit SAP PLM gesprochen. Das System umfasst eine Rezeptentwicklungsfunktion, die alle Komponenten des fertigen Produkts miteinander verbindet (Rezepte, Formeln, Inhaltsstoffe, Verpackung, Produktbeschreibungen, Nährwertangaben und Kennzeichnungsinformationen). Diese integrierten Daten werden dann auch zur Verwaltung der Logistikkette bis hin zur Stückliste im Fertigungsbereich genutzt. Dies gewährleistet eine engere Kooperation zwischen Forschung und Entwicklung und Produktion. Das Unternehmen verspricht sich aus der Implementierung in naher Zukunft deutliche Vorteile – kürzere Produktionszyklen, Umsatzsteigerungen durch neue Produktentwicklungen, schnellere Produktauslieferung, wertvolle Echtzeitinformationen für Nutzer und bessere Workflows zur Steigerung der Anwenderproduktivität und Minimierung von Compliance-Problemen.

Mithilfe der neuen Technologien können Lebensmittelhersteller in kurzer Zeit rückverfolgbare und qualitativ hochwertige Produkte herstellen. So kann sich die Nahrungsmittelindustrie wieder auf ihre größte Stärke besinnen: leckere Rezepte wie aus Großmutters Küche.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf SAP Business Trends veröffentlicht.
Foto: Shutterstock

 

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