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Trotz Flucht eine Perspektive bieten

17. Juni 2016 von Corinna Machmeier 0

Zusammen mit den Vereinten Nationen wird die SAP im Oktober Programmierkurse für Flüchtlinge durchführen. Aktuell bilden SAP-Mitarbeiter die Trainer aus.

Ein Datum ist Mohammed Zakarni ganz besonders im Gedächtnis geblieben: der 2. August 1990. An diesem Tag fielen irakische Truppen in Kuwait ein und besetzten das Land. Krieg brach aus. Mohammed war damals 12 Jahre alt. Noch im selben Jahr musste seine Familie nach Jordanien fliehen. Dabei war bereits sein Vater 1961 aus Palästina geflohen.

Heute lebt Mohammed in Saudi-Arabien. Er hat an der Harvard Business School studiert und arbeitet seit 2010 bei der SAP. Doch er hat nie vergessen, was es bedeutet, auf der Flucht zu sein. „Arbeit ist das eine. Doch ich will insgesamt in eine bessere Zukunft blicken. Bildung ist enorm wichtig. Wie ich mein Wissen direkt weitergeben kann, sehe ich als meine persönliche Herausforderung an“, erklärt Mohammed. Aus diesem Grund macht er nun als Trainer bei der „Refugee Code Week“ mit.

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SAP-Mitarbeiter Mohammed Zakarni engagiert sich bei der Refugee Code Week und gibt sein Programmierwissen an Anfänger und Fortgeschrittene weiter.

Dieses Programm, das zum ersten Mal auf dem Weltgipfel für Humanitäre Hilfe (World Humanitarian Summit, WHS) vorgestellt wurde, gehört zu einer Initiative von SAP auf den Appell der Vereinten Nationen hin, die Wirtschaft möge doch ihren Teil zur Bewältigung des Flüchtlingsproblems beitragen. Und das ist enorm: Momentan sind 19,5 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht, mehr als die Hälfte davon sind unter 18 Jahre alt. Amnesty International spricht schon von der schlimmsten Flüchtlingskrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Das Amt des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (United Nations High Commissioner for Refugees, UNHCR) wandte sich mit seiner Bitte um Hilfe deshalb auch an die Industrie.

Vom Basiswissen zur Jobqualifikation

  • Die Refugee Code Week findet vom 15. bis 23. Oktober 2016 in Ägypten, Jordanien, dem Libanon und der Türkei statt.
  • Jüngere Teilnehmer können sich mit Grundkonzepten der Programmierung auf der Plattform Scratch vertraut machen.
  • Jugendliche und Erwachsene lernen, wie sie eine Website mit HTML, CSS, Javascript, PHP und SQL erstellen, und werden in die betriebswirtschaftliche Software SAP Business One eingeführt. Darüber hinaus erhalten sie die Möglichkeit, an einem 15-wöchigen Programmierkurs teilzunehmen, der sie auf eine Anstellung als Informatiker vorbereitet. Sehen Sie dazu auch folgendes Video.
  • Zurzeit bildet die SAP Trainer im Bereich Programmierung aus und stellt die Lernplattform openSAP für Onlinekurse bereit.
  • Die Refugee Code Week wird von SAP, dem UNHCR und weiteren Partnern durchgeführt, zu denen Kommunalbehörden, gemeinnützige und Nichtregierungsorganisationen, Bildungseinrichtungen sowie Unternehmen wie das Galway Education Centre und das RebootKamp gehören.

IT im Fokus                                

Im Rahmen der Refugee Code Week veranstaltet die SAP vom 15. bis 23. Oktober Programmierkurse für über 10.000 Flüchtlinge im Nahen Osten und der Türkei (siehe grüner Kasten). Bei der Refugee Code Week steht Bildung als Grundlage für Eigenständigkeit und spätere Erwerbstätigkeit im Fokus.

„Da wir mit der Refugee Code Week das gesamte Umfeld der jungen Flüchtlinge erreichen – Eltern, Lehrer, freiwillige Helfer, Kinder, Universitäten, Schulen und gemeinnützige Organisationen –, haben wir die einzigartige Gelegenheit, den Fokus aller Ausbildungsprogramme eine Woche lang auf das Thema IT zu legen. Indem wir berufsrelevante Kenntnisse an Tausende junger Flüchtlinge vermitteln, stehen ihnen auf dem Arbeitsmarkt viele Türen offen und sie können darüber hinaus ein selbstbestimmtes Leben führen“, meint Houssam Chahin, der beim UNHCR die Zusammenarbeit mit Unternehmen aus der Privatwirtschaft in den Regionen Naher Osten und Nordafrika koordiniert.

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Scratch-Übung auf Arabisch.

Diese Initiative knüpft an die Africa Code Week 2015 an. SAP vermittelte hier innerhalb von zehn Tagen Programmierkenntnisse an 89.000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene und bildete Tausende von Lehrern in 17 afrikanischen Ländern aus. Dieses Programm findet auch in diesem Jahr wieder statt und soll 150.000 Menschen in 30 afrikanischen Ländern erreichen.

Aufgrund des großen Erfolgs der Africa Code Week schlug der UNHCR SAP wieder eine Partnerschaft für die Refugee Code Week vor. Das Programm ist nun zentrales Element des SAP-Hilfsprogramms für Flüchtlinge und Vertriebene in der Region MENA (Nahostregion und Nordafrika). Auf lange Sicht ist diese Initiative ebenfalls ein wirtschaftliches Investment. Denn damit wird der IT-Sektor in der Region gestärkt. Gerade für den Nahen Osten wäre ein Zuwachs an IT-Fachkräften nicht nur ein Segen, sondern ist vielmehr eine zwingende Voraussetzung, um die digitale Transformation der Region voranzutreiben und langfristiges wirtschaftliches Wachstum zu sichern. 2014 fehlten allein in Saudi-Arabien 30.000 IT-Fachkräfte.

„Indem wir Programmierkenntnisse vermitteln, die stark nachgefragt werden, können Flüchtlingsfamilien auf eine bessere Zukunft hoffen. Gleichzeitig sind Unternehmen im Nahen Osten, die talentierte Mitarbeiter suchen, in der Lage, Nachwuchskräfte aufzubauen. Flüchtlinge besitzen den Willen und die Fähigkeiten, um die Digitalisierung der Wirtschaft in der Region zu beschleunigen und die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern“, erklärt Alicia Lenze, Leiterin Global Corporate Social Responsibility bei SAP.

Weitere Initiativen aus dem SAP-Hilfsprogramm für Flüchtlinge und Vertriebene

Vorfreude auf Oktober

Die Vorbereitungen für die Refugee Code Week sind bereits angelaufen: Seit März dieses Jahres halten SAP-Mitarbeiter ehrenamtliche Train-the-Trainer-Schulungen und haben bereits 964 Lehrern, Eltern sowie weiteren freiwilligen Helfern ihr Programmierwissen vermittelt, das diese dann weitergeben.

Mohammed spricht fließend Arabisch und Englisch, außerdem beherrscht er die Programmiersprachen C/C++, Scratch und Web-Programmierung. Gemeinsam mit sechs Kollegen hat er während des WHS in Istanbul zwei Tage lang Trainer ausgebildet. Vor Ort gab es 13 Kurse mit insgesamt 213 Teilnehmern.

Dort wurde Mohammed einerseits mit Erwachsenen konfrontiert, die nicht wussten, wie man mit einer Computermaus umgeht. Andererseits traf er in einem der Fortgeschrittenenkurse auf eine junge Syrerin, die bereits nach zwanzig Minuten allen anderen weit voraus war. Wie sich herausstellte, hat die hochgebildete Frau als Ärztin gearbeitet. Jetzt muss sie sich mühsam ein neues Leben aufbauen. Diese Geschichte hielt Mohammed nächtelang wach.

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Junge Frauen stehen vor einer besonders kritischen Situation in den Flüchtlingslagern. Statt verheiratet zu werden, suchen viele von ihnen Möglichkeiten, ein eigenständiges Leben zu führen,

Dass eine Mutter sich voller Begeisterung direkt nach der Schulung die Materialien kopieren ließ, um zu Hause ihre Kinder zu unterrichten, gehört dagegen zu den vielen Lichtblicken dieser Tage. Auch deshalb kann sich Mohammed auf den kommenden Oktober freuen. Zusammen mit den Trainern, die er in Istanbul ausgebildet hat, wird er dann in einer Woche mehr als 2.000 Kinder unterrichten.

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