Twitter-Guide für Unternehmen

6. Juni 2011 von Daniel Hardt 0

Weltweites Twitterreich (Screenshot:Bing)

Es wird Zeit: 50% der Twitter-Profile sind unternehmerischer Natur (Screenshot: Bing)

Twitter – zu Deutsch „Gezwitscher“ –  ist ein Synonym fürs Web 2.0. Nutzer verbreiten per Tweets – Twitternachrichten –  Artikel aus dem Netz, Unternehmen betreiben Marketing, Kundenpflege und Service. Die zügige Informationsverbreitung mit Hilfe des kleinen blauen Vogels soll selbst  politische Umwälzungen angestoßen haben.

Unternehmen können mit dem Microblogging-Tool den Erfolg vorantreiben und vor allem auch analysieren und messen. Wer das kleine Twitter-ABC beherrscht, ruft zügig einen Account ins Leben. Doch Vorsicht: Eine zielgerichtete Anwendung  erfordert Zeit und Know-how.  SAP.info hat für Sie einen roten Faden durch das Twitter-Universum gewoben und zeigt Szenarien für den Unternehmenseinsatz.

Aller Anfang ist nicht schwer

Die ersten Schritte sind: Account erstellen, Profilbild wählen, Kurzbiografie erstellen und den Hintergrund anpassen.

Für den Namen des Accounts ist der Name des Unternehmens und/oder der Bereich (Help, Support oder ähnliches) dem sich der Twitter-Kanal widmen soll geeignet. Generell gilt: je kürzer desto besser, da jeder Tweet nur 140 Zeichen lang sein darf und beim weiterleiten durch andere Nutzer auch der Name des ursprünglichen Absenders im Tweet Platz finden muss.

Für das Profilbild kommen Fotos und Logos in Frage. Ein Foto ist sinnvoll, falls nur eine Person das Nutzerkonto betreut. Ein Foto vermittelt Nähe, da man einen direkten Ansprechpartner vor Augen hat. Ist eine ganze Abteilung zuständig, sollte ein Logo oder Symbol gewählt werden.

Für eine Biografie oder Beschreibung des Kanals stehen 160 Zeichen zur Verfügung. Der Hintergrund kann mittels einer bis zu 800kb großen jpg- oder png-Dateien individuell gestaltet werden. Mit Free Twitter Designer oder TwitBacks wird dieses Vorhaben vereinfacht.

Lesen Sie auf den folgenden Seiten:

SAP.info bei Twitter: Links stehen Tweets der Profile denen gefolgt wird

SAP.info bei Twitter: Links stehen Tweets der Profile denen gefolgt wird

Essenz des Erfolgs: Follower

Twitter lebt von der viralen Vernetzung – eine hohe Zahl an Followern ist erstrebenswert. Diese sind  idealerweise selbst sehr aktiv sind und decken ähnliche Themen ab oder haben Bezug zum Unternehmen. Follower sind andere Twitter-Nutzer, die ihre Tweets abonniert haben, um diese über ihr eigenes Profil verfolgen zu können. Tweets werden in Echtzeit und chronologisch geordnet angezeigt.

Die ersten Follower gewinnt man, indem Twitter die eigenen Email-Adressen nach Twitter-Usern durchforstet. Diese folgen Ihnen nicht automatisch, doch können Sie selbst folgen. Der Effekt: Die User werden benachrichtigt, dass Sie ihnen folgen und werden umgekehrt häufig das gleiche tun. Die Gründe: mehr Information und steigende Verbreitung.

Ihre Tweets bergen Informationen, die andere Nutzer per „Retweet“ an die eigenen Follower weiterleiten, was die Qualität des Accounts hebt. Gleichzeitig zeigt jedes Twitterprofil eine Liste der Follower, wodurch weitere Personen aufmerksam werden.  Nicht zuletzt ist die Anzahl ein Kriterium für Suchmaschinen und Rankings der erfolgreichsten, weil einflussreichsten, Twitterer.

Strategien um weitere Follower zu generieren:

  • Jedem folgen der einem selbst folgt.
  • In Follower-Listen und per Schlagwörter in der Twitter-Suchmaschine nach relevanten Profilen suchen.
  • Profilen mit einer Vielzahl an Followern folgen oder eine Nachricht schicken, um auf sich aufmerksam zu machen.

Um nicht den Überblick zu verlieren, ist es empfehlenswert, Kontakte ab einem bestimmten Volumen nach thematischen Listen zu unterteilen. Diese können öffentlich zugänglich gemacht oder ausschließlich privat genutzt werden.

Twitter-Kürzel

Einige Kürzel sollte jeder Twitter-User kennen:

  • RT@Username:  Steht vor einem Retweet, einer Nachricht eines Mitglieds, die ein anderes Mitglied an seine Follower weitergeleitet hat.
  • #Schlagwort: Das Hashtag oder auch nur Tag genannte Symbol markiert ein Wort als Schlagwort. Wer bei der Twitter-Suche den Begriff eingibt, stößt auf die passenden Artikel. Die Twitter-Etikette gebieten, nicht mehr als drei Tags pro Nachricht zu setzen.
  • get Twittername: ruft die letzte Nachricht eines bestimmten Nutzers auf.
  • @Twittername: direkte Nachricht an einen User, die für alle Follower einsehbar ist.
  • d Twittername:  private Nachricht, die ausschließlich für der Empfänger lesen kann.
dfg

Unendliche Weiten: Tools und Plugins scharen sich um Twitter (Screenshot: Brian Solis & JESS3)

Tools zum Einstieg

Im Twitter-Universum gibt es eine Unzahl an Tools und Plugins. Tools für Verwaltung, Medieninhalte, und Analyse sind für jeden Nutzer interessant. Hier eine Auswahl von, sofern nicht anderes angegeben, kostenlosen kleinen Hilfen.

URLs verkürzen: URLs sind lang. Wer auf einen Beitrag verlinken möchte und nur 140 Zeichen Platz hat, muss kürzen. Tiny.url, bit.ly oder snipurl erledigen die Aufgabe problemlos.

Medieninhalte: Auf Videos und Fotos kann nicht nur verlinkt werden, auch der direkte Aufruf im Twitterprofil ist möglich. Twitpic, flickr und twitgoo bieten diesen Service für Fotos, Twitlens, TwitVid für Videos. Laut Twitter-Hilfecenter werden Youtube-Videos direkt im Detailfenster von Twitter angezeigt. Twileshare hingegen händelt PDFs und Worddokumente. Wer Bilder auf Twitter sucht, dem hilft PicFog weiter. Ganz neu: Twitter selbst hat einen eigenen Foto- und Video-Sharing-Dienst angekündigt der in den kommenden Wochen erscheinen soll.

Verwaltung: Mit Splitweet lassen sich mehrere Konten zentral verwalten. Noch mehr Möglichkeiten bieten die Allrounder Tweetdeck und HootSuite. Sie verwalten Accounts, kürzen URLs, besitzen ein Ordnungssystem und sind mobil einsetzbar. Trackingfunktionen sind ebenfalls enthalten. Neben Twitter, können Facebook und weitere Plattformen damit gesteuert werden.

Analyse und Tracking: Twitter selbst schickt die Twitter Advanced Search ins Rennen, eine ausgefeilte Suche mit zahlreichen Optionen. Twittercounter und Twitalyzer erstellen Statistiken und führen Analysen durch. Wer mehr Funktionen will, muss zahlen. Vorteil von Twitalyzer ist eine enge Integration mit der kostenlosen Web-Analyse Google Analytics. Twilert hingegen liefert per Email Informationen zu Produkt, Marken und Service des eigenen Unternehmens. Wer tiefer gehen will und bereit ist dafür zu zahlen, findet in Alterian SM2 oder Trackur weitverbreitete Tools zum Social Media Monitoring.

Echtzeitsuche: SocialMention, Topsy, Twazzup und Bing Social durchsuchen Twitter und teilweise auch andere Social Media-Kanäle nach dem Prinzip von Suchmaschinen.

Weitere Tools: Tweetmeme ist ein Plugin für Websites oder Blogs, wodurch Besucher über einen Button Inhalte twittern können, ohne sich vorher auf die Twitter-Homepage zu begeben. Twtpoll erstellt Umfragen mit Twitter, das kostenpflichtige TweetAdder sucht per Keywords geeignete Follower.

Analyse mit Twittercounter (Screenshot: Twittercounter)

Analyse mit Twittercounter (Screenshot: Twittercounter)

Beispiel Dell-Outlett: über 1,5 Mio. Folllower (Screenshot: Twitter)

Beispiel Dell-Outlett: über 1,5 Mio. Follower (Screenshot: Twitter)

Business-Leitfaden

Bleibt die Frage: „Was bringt das Gezwitscher meinem Unternehmen“? Twitter ist Kommunikation und Information.  Unternehmen erreichen Kunden, finden neue und treten in den Dialog. Reputation und Bekanntheit lassen sich steigern. Wer nicht kommuniziert, über den wird kommuniziert – ohne Einfluss darauf nehmen zu können. Zugleich ist Twitter eine Fundgrube für Trends, Meinungen und Informationen – eine zielgerichtete Filterung vorausgesetzt.

Hier die beliebtesten Bereiche, wofür Unternehmen den Microblog nutzen:

Umsätze steigern: Gutscheine, Rabatte, Preisausschreiben, die Vorstellung neuer Produkte oder spezielle Angebote die ausschließlich über Twitter verbreitet werden, sind Mehrwerte, die Follower zu schätzen wissen.

Kundendienst: Unternehmen können unmittelbar auf Fragen reagieren. Die Antworten sind für alle einsehbar und helfen somit weiteren Kunden mit ähnlichen Fragen. Oftmals entstehen auf diese Weise Diskussionen und in manchen Branchen – besonders IT – übernehmen Follower die Aufgabe und helfen sich gegenseitig weiter. Gleichzeitig erfahren Sie wie Produkte beim Kunden ankommen und an welcher Stelle es noch hakt.

Bekanntheitsgrad steigern: Mehrwerte für Follower führen zu einer regen Community und steigern die Bekanntheit von Marken, Produkten und Unternehmen. Wer seinen Twitter-Account mit der eigenen Webseite, Blog und weiteren Social Media-Kanälen verknüpft,  schafft einen viralen Effekt für mehr Aufmerksamkeit. Hierfür sind auch Nachrichten abseits des Produktportfolios geeignet, etwa über gesellschaftliche Aktivitäten oder Veranstaltungen. Dies verbessert das Corporate Image und stärkt die Beziehung zum Follower.

Kundenakquise: Wer Wettbewerber und Branche fleißig beobachtet, stößt irgendwann auf unzufriedene Kunden, die ihrem Ärger Luft machen. Wer zur rechten Zeit mit Rat und Alternativen zugegen ist, dem winkt auch mal ein neuer Auftrag.

Offizieller Kommunikationskanal: Auch Pressemitteilung und ähnliches können über Twitter verbreitet werden. Sogar Pressekonferenzen wurden schon abgehalten, um einem breiten Publikum die Chance zu geben, Fragen zu stellen. Für IT-Unternehmen interessant: man erreicht ein spezifisches, nämlich technikaffines Publikum. Wichtig: Im Gegensatz zu klassischen Kanälen geht die Kommunikation in beide Richtungen. Fragen Sie nach Meinungen zu neuen Produkten, Ideen usw. Follower wollen sich äußern und man sollte darauf eingehen. Ansonsten droht die Gefahr, dass Unmut im Netz geäußert wird und die Aufmerksamkeit nachlässt.

Personalisierung: Geben Sie dem Unternehmen ein Gesicht. Mitarbeiter können Meinungsführer zu geschäftsrelevanten Themen werden oder Geschichten aus dem Unternehmensalltag twittern. Zuvor sollte aber die Aufgabenverteilung festgelegt und geklärt werden, welche Inhalte Tabu sind.

Lesen Sie demnächst auf SAP.info: Denkanstoß: Beispiele von Unternehmen, die mit Twitter Umsatz, Bekanntheit und Kundenzufriedenheit steigerten.

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