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Überflügelt Berlin das Silicon Valley?

20. Januar 2015 von Susan Galer 0

Berlin entwickelt sich immer mehr zum Silicon Valley der europäischen High-Tech-Branche.

Die relativ niedrigen Mieten für Büroräume und erschwinglichen Lebenshaltungskosten ziehen Unternehmer aus der ganzen Welt in die deutsche Hauptstadt. Sie schaffen Innovationen in den Bereichen Big Data, Cloud, E-Commerce und Business-to-Consumer-Lösungen. Experten zufolge gibt es in der vielfältigen Start-up-Szene Berlins eine einzigartige Mischung kreativer Talente. Berlin ist also gut aufgestellt für die Technologielösungen der nächsten Generation, bei denen der Anwender im Mittelpunkt steht.

„Es gibt eine Vielzahl verschiedener kreativer Start-ups in Berlin, nicht nur im Bereich Technologie – auch in Branchen wie Mode, Biotechnologie, Medien, Marketing und Konsumgüter“, erklärte Nicole Dufft, Vice President beim deutschen Analsystenhaus PAC. „In Berlin herrscht eine unglaubliche Dynamik. Design und Technologie werden kombiniert, um neue, benutzerorientierte Geschäftsmodelle zu entwickeln. Dies ist ein wichtiger Trend im Bereich der Zukunftstechnologien, der sich weltweit beobachten lässt.“

Die Start-up-Szene Berlins, mitunter auch „Silicon Allee“ genannt, lebt von der zunehmend internationalen, hippen Bevölkerung und wird von Universitäten und Forschungseinrichtungen wie dem Hasso-Plattner Institute in Potsdam gefördert. „Die von Hasso Plattner gegründete Design Thinking School greift den aktuellen Trend auf und arbeitet fächerübergreifend an der Entwicklung benutzerorientierter digitaler und nicht-digitaler Dienste“, erläuterte Dufft.

Es geht um mehr als nur um Technologie

Das Start-up Sablono verkörpert den Innovationsgeist der Stadt mit acht Vollzeitmitarbeitern und fünf studentischen Mitarbeitern, die in einem loftartigen Büro im Herzen Berlins arbeiten, perfekt. Das Unternehmen entwickelt Softwarelösungen, die eine kosteneffiziente Planung und Steuerung komplexer Bauprojekte ermöglichen. Der gebürtige Berliner Lukas Olbrich, Mitbegründer und Geschäftsführer von Sablono, wollte ursprünglich nicht in die Technologiebranche. „Ich wollte immer Architekt werden und Dinge erschaffen“, erklärte er. „Die Technologiebranche war nicht mein Ziel. Doch ich begann, mich für das Programmieren zu interessieren. Ich glaube, eigentlich wollte ich schon immer Unternehmer werden. Ich wusste nur nicht, wie man das nennt.“

Besonders begeistert ist Olbrich von der Geschäftsprozessunterstützung und dem technischen Support, den sein Unternehmen erhalten hat, seitdem es die Software auf Basis von SAP HANA eingeführt hat. Dazu zählten die finanzielle Förderung durch Hasso Plattner Ventures, Workshops und die gezielte Beratung durch Experten für Technologie und Geschäftsentwicklung im SAP Innovation Center in Potsdam.

„Obwohl wir nur ein kleines Start-up sind, fühlen wir uns von SAP sehr ernst genommen“, sagte Olbrich. „Jede Abteilung in unserem Unternehmen hat mit dem SAP Innovation Center zusammengearbeitet. Wir erhielten die Möglichkeit, Anbieter aus dem Bauwesen zu Design-Thinking-Workshops einzuladen, um uns bei der Ideenfindung für die Software zu helfen. Eines der spannendsten Projekte in diesem Jahr war unser Marketingvideo, in dem es um unserer Verhältnis zu SAP geht.“

Eine intensive Betreuung ist ein wesentlicher Bestandteil der SAP-Strategie zur Pflege des Partnernetzes. „Wir bringen Start-ups SAP-Technologie näher und helfen ihnen dabei, ungeahnten Mehrwert in neuen Bereichen zu realisieren“, erklärte Markus Noga, Head of Research Partners and Startups bei SAP. „Sablono ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie SAP gemeinsam mit Partnern Innovationen entwickelt, um die gesamte Wertschöpfungskette der Kunden abzudecken.“

Darüber hinaus ist SAP Sponsor der kürzlich eröffneten Berliner Geschäftsstelle von TechStars, einem sogenannten Accelerator, der weltweit in Start-ups investiert.

Alternativkultur steht in Berlin im Mittelpunkt

Natürlich gibt es eine Reihe kultureller und rechtlicher Unterschiede, die den direkten Vergleich zwischen Berlin und dem Silicon Valley erschweren. Der US-amerikanische Branchenanalyst Joshua Greenbaum, Principal of Enterprise Applications Consulting, erklärte: „Im Silicon Valley besteht Zugang zu Talent und Kapital und es herrscht eine unbeschwerte Geschäftskultur, in der es sehr einfach ist, mit minimalem bürokratischen Aufwand und geringer Kapitalinvestition ein Unternehmen zu gründen. In Berlin hingegen stehen Originalität und Ideenreichtum im Vordergrund. Die Stadt zieht seit jeher kreative Köpfe aus der ganzen Welt an. Doch verfügt sie auch über die nötigen strukturellen Voraussetzungen?“

Experten vor Ort sind sich einig, dass sich die Berliner Start-up-Szene in mehreren Punkten vom Silicon Valley unterscheidet – vom strengeren deutschen Arbeitsrecht bis hin zur Motivation und den Werten der Mitwirkenden. „Berliner Start-ups setzen auf eine offenere, flexiblere Arbeitsweise und nutzen ihre Kreativität, um gute Ideen zur Marktreife zu bringen“, führt Dufft aus. „Natürlich wollen sie Geld verdienen. Im Zentrum steht jedoch eine alternative Unternehmenskultur und Lebensweise. Demonstrativer Konsum ist nicht hoch angesehen, Erfolg dagegen schon.“

Obwohl es viele Unternehmer aus dem Ausland nach Berlin zieht, gibt es auch hinsichtlich der Karriereziele gewaltige Unterschiede zwischen Deutschland und den USA. „Neuste Studien zeigen, dass Studenten und Berufseinsteiger [in Deutschland] vergleichsweise konservativ sind. Die meisten von ihnen wünschen sich eine Stelle in einem großen Unternehmen und sind weniger daran interessiert, unternehmerisch tätig zu werden“ erläutert Rϋdiger Spies, Vice President bei PAC.

Dufft ist überzeugt, dass unter anderem die in der deutschen Kultur tief verankerte fehlende Risikobereitschaft ein Grund dafür ist. „Zum Unternehmertum gehört es, Scheitern als Option zu akzeptieren.“

Wachstumspotenzial durch Investitionen

Die Berliner Start-up-Szene hat ein erhebliches Wachstumspotenzial. Grund dafür sind sowohl der pro-naturwissenschaftliche Kurs der Regierung um Bundeskanzlerin Angela Merkel als auch die Unterstützung durch staatlich geförderte Einrichtungen wie die Investitionsbank Berlin (IBB) und private Investoren. Das Beratungsunternehmen McKinsey veröffentlichte kürzlich eine Studie mit dem Titel „Berlin gründet”. Daraus geht hervor, dass bis 2020 in Berlin 100.000 neue Arbeitsplätze durch Start-ups entstehen könnten.

Aufmerksame Beobachter werden zudem bemerkt haben, dass die Stadt ihre Infrastruktur ausbaut, einen neuen Flughafen plant und die Bestimmungen zur Erteilung einer Arbeitserlaubnis leicht gelockert hat. „Aufgrund fehlender Alternativen in Deutschland herrscht in Berlin eine besondere Dynamik. Für Existenzgründer ist die Stadt deshalb derzeit „the place to be“.“

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