Soccer team in a huddle

Uniklinik Aachen: Netzwerke im Blick

Feature | 21. November 2016 von Andreas Schmitz 30

Der CIO der Uniklinik Aachen Volker Lowitsch geht mit seinen IT-Systemen in die SAP HANA Enterprise Cloud. Das beschleunigt Analysen und erleichtert das Einwerben von Drittmitteln. Doch ist es „nur“ eine Zwischenstation hin zu SAP S/4HANA.

Auf den ersten Blick haben die elektronische FallAkte (eFA) und die Entscheidung der Uniklinik der RWTH Aachen, ihre IT-Systeme ab Dezember 2016 komplett in einer Managed Cloud zu betreiben, wenig miteinander zu tun. Doch Volker Lowitsch ist überzeugt, dass sich schon bald die Kreise schließen werden. Der CIO der Uniklinik Aachen und Geschäftsführer des Tochterunternehmens Healthcare IT Solutions sieht die Zukunft des Gesundheitswesens in Netzwerken, die dazu dienen sollen, die bestmögliche Behandlung für Patienten zu ermöglichen. „Unser Job besteht darin, Daten zu verarbeiten, zu analysieren und im Netzwerk zur Verfügung stellen“, sagt Lowitsch, der gerade jene Patienten anziehen will, die die hohe Kompetenz und das Spezialwissen der Uniklinik Aachen erfordern, weniger jedoch Patienten mit vergleichsweise harmlosen Erkrankungen wie einer Blinddarmentzündung. Dafür ist im Fall der Fälle ein Neurowissenschaftler bei einer Operation von Außen zugeschaltet, der über ein Spezialwissen in der Analyse von Nervensignalen verfügt.

Spätestens seit im November 2015 das Förderkonzept Medizininformatik im Rahmen der Digitalen Agenda der Bundesregierung auf den Weg gebracht wurde, ist klar: Die gebündelte Erforschung von Volkskrankheiten sowie die individualisierte Medizin sollen einen immer höheren Stellenwert bekommen. So genannte Datenintegrationszentren sollen entstehen, in denen Daten anonymisiert zusammenfließen und ausgewertet werden. 120 Leistungserbringer sind beispielsweise bereits über eFA vernetzt, die unter anderem Patienten ermöglicht, per App auf ihre persönlichen OP-Berichte, Arztbriefe und Röntgenbilder Zugriff zu haben.

Big-Data-Analysen von Kohorten forcieren

Die Analyse von Big Data ist entsprechend ein wichtiger Aspekt in der Strategie von CIO Lowitsch: So zeigen bereits die ersten Erfahrungen mit der SAP HANA Enterprise Cloud, dass Analysen beschleunigt wurden und Mitarbeiter intensiver die Möglichkeiten der Analyse nutzen. „Erkenntnisse fließen anonymisiert in die Forschung“, erläutert Lowitsch, „wir fassen einzelne Patientengruppen mit ähnlichen Krankheitsbildern in einer Kohorte zusammen und analysieren Zusammenhänge und Gemeinsamkeiten“. Die Hoffnung über Predictive Analytics ist, dass etwa eine Sepsis auf der Intensivstation schon frühzeitig erkannt und damit rechtzeitig gegengesteuert werden kann. Weiterer Vorteil: „Je besser die Analyse, umso größer ist unsere Chance, Drittmittel einzuwerben“, ist Lowitsch zudem überzeugt, der seit Mai die Analyse über SAP HANA in der SAP HANA Enterprise Cloud betreibt und Ende November sämtliche bestehenden Systeme in die von SAP betriebene Managed Cloud geschoben haben wird – von BI- über kaufmännische, Management- bis hin zu Personalsystemen.

Uniklinik Aachen: Wie Volker Lowitsch Vorstand und Aufsichtsrat von der Cloud überzeugte

Der Weg in die Cloud war nicht einfach, weniger wegen der technischen als vielmehr wegen der organisatorischen Anforderungen. Etwa ein Jahr habe es gedauert, bis Lowitsch den Vorstand und Aufsichtsrat von der Cloud überzeugt hatte. Seine Gründe für den Einstieg in die Cloud:

1. Innovationen mitgehen: Bei den Gehaltsstrukturen im öffentlichen Dienst sind Spezialisten im SAP-Umfeld schwer zu bekommen. Um die neuen Entwicklungen von SAP mitgehen und etwa eine innovative SAP-HANA-basierte Plattform betreiben zu können, bot sich für die Uniklinik Aachen daher an, bedarfsmäßig einzukaufen. Patches und Enhancement Packages schlagen nun nicht mehr in der hauseigenen IT auf und dennoch stehen neue Funktionalitäten zur Verfügung, die innovative Prozesse ermöglichen.

2. Vereinfachte Datenintegration: Strategisch gesehen bietet SAP HANA (etwa über SAP Connected Health) die Möglichkeit, Daten über ein erweiterbares generisches Datenmodell aus diversen Systemen zu nutzen und in eine strukturierte Form zu bringen, auch jene aus dem Krankenhausinformationssystem medico. Das erleichtert und beschleunigt etwa die Auswertung von klinischen Daten.

3. Bessere Transparenz: Die neue Architektur bietet die Grundlage dafür, hochkomplexe Krankheitsbilder zu analysieren, die Forschung mit klinischen Daten zu unterstützen, Finanzkennzahlen einfacher auf dem Stand zu halten und über die größere Transparenz der Daten Drittmittel leichter einzuwerben.

Etwas Diskussionsbedarf gab es bei der Betrachtung der Gewinn- und Verlustrechnung. Während der IT-Betrieb bis dato bilanzneutral als „Investition vom Bund“ in der Gewinn- und Verlustrechnung erschienen war, müssen Aufwendungen für Cloud-Technologien nun als laufende Kosten angeben werden. „Für uns bedeutet das, dass wir diese Unkosten aus dem medizinischen Betrieb heraus erwirtschaften müssen“, erläutert Lowitsch, der dennoch ökonomisch von einer schwarzen Null spricht. „Mittelfristig gesehen werden wir durch die neuen Optionen, die uns das System bietet, klar von dem Schritt profitieren.“

SAP HANA Enterprise Cloud: Prozesse in vier Monaten in die Cloud gebracht

Zumal die SAP HANA Enterprise Cloud nur ein Zwischenschritt ist zur neuesten Generation der SAP Business Suite SAP S/4HANA. „Bis jetzt laufen die Prozesse zwar auf SAP HANA, sind aber noch die alten“, erläutert Lowitsch, der das Vorzeigethema der SAP im kommenden Jahr angehen will und sich vom Wegfall der Zwischenaggregate mehr Transparenz in den Prozessen und weitere Zeitvorteile verspricht. Warum er nicht in einem Schritt auf SAP S/4HANA gewechselt hat? „Wir wollten den Anwender mit neuen Prozessen und einer neuen Oberfläche nicht überfordern, zunächst einmal Stabilität in bestehenden Anwendungen herstellen und die Vorteile durch die neue Geschwindigkeit durch SAP HANA erleben“, sagt Lowitsch: „Es nützt ja nichts, wenn Sie von einem Golf in einen Porsche umsteigen, aber immer noch so unterwegs sind, als würden Sie Golf fahren.“ Schritt für Schritt heißt deshalb die Device. Der erste ist getan: Nach vier Monaten Projektlaufzeit hievten SAP und die Uniklinik-IT das Kernsystem mit dem SAP ERP, dem Business Warehouse (SAP BW) und dem Personalmanagement (SAP HCM) in die Cloud. Ohne die Wartezeiten beim Netzwerkprovider wäre das Projekt sogar schon in drei Monaten über die Bühne gegangen.

Tags: , ,

Leave a Reply