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Umstieg auf die Cloud: Keine Reise ins Ungewisse

Blog | 28. November 2014 von Paul Taylor 0

Seit jeher nutzen Philosophen, Lehrer und Religionsführer Geschichten und Parabeln, um uns schwer greifbare Gedanken näherzubringen. Zu meinen Lieblingserzählungen gehört das indische Gleichnis von den blinden Männern und dem Elefanten.

Es geht in etwa so: Der König befahl sechs blinden Männern, ihm einen Elefanten zu beschreiben. Sie durften jedoch jeweils nur ein Körperteil des Tiers ertasten. Der erste Blinde hatte ein Bein des Elefanten berührt und sagte: „Ein Elefant ist wie eine dicke Säule.“ Der zweite Blinde sprach: „Nein, ein Elefant ist wie eine kleine Strippe mit ein paar Haaren am Ende“, da er den Schwanz des Elefanten betastet hatte. Der dritte Blinde, der den Rüssel des Tieres berührt hatte, berichtete dem König: „Ein Elefant ist wie der Zweig eines Baumes“. „Aber nein, ein Elefant ist vielmehr wie ein großer Fächer,“ erklärte derjenige, der das Ohr des Elefanten erfühlt hatte. Der fünfte Blinde war der Meinung, ein Elefant sei wie eine dicke Mauer, denn er hatte die Seite des Tieres berührt. Und der sechste schließlich erklärte: „Ein Elefant ist wie ein festes Rohr.“ Er hatte am Kopf des Tieres gestanden und den Stoßzahn ertastet.

Die Männer begannen, sich zu streiten, denn jeder von ihnen war davon überzeugt, Recht zu haben. Erst als die Männer aufhörten zu diskutieren und begannen, sich gegenseitig zuzuhören und zusammenzuarbeiten, waren sie in der Lage, sich ein Bild des gesamten Elefanten zu machen. Für mich ist die zentrale Botschaft folgende: Nur wenn wir uns gegenseitig zuhören und die Welt aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten, sehen wir das große Ganze hinter den komplexen Details – wir erlangen eine einfachere Sicht auf die Dinge.

Elefanten und die IT-Branche

Doch was hat dieses Gleichnis mit IT zu tun? Viele aktuelle Trends in der IT-Branche, wie zum Beispiel die aktuelle Debatte über die Umstellung auf Cloud-Computing, erscheinen uns zunächst komplex, denn jeder von uns sieht etwas anderes darin. Dabei handelt es sich eigentlich um grundlegend einfache Konzepte, die bei richtiger Umsetzung konkrete Vorteile bringen.

Ich würde sogar weiter gehen und behaupten, dass die Integration von Cloud-Computing in die Unternehmenskultur einer Firma in den nächsten Jahren darüber entscheidet, ob ein Unternehmen erfolgreich ist oder untergeht. Der Grund dafür ist in erster Linie, dass Unternehmen, die ihre Geschäftsprozesse in die Cloud verlagern, effizienter arbeiten, schneller reagieren und Innovationen rascher umsetzen.

Doch was kennzeichnet ein Cloud-Unternehmen und welche Auswirkungen wird die Cloud auf die Geschäftswelt haben? In Gesprächen mit Cloud-Dienstleistern, ihren Mitarbeitern und Kunden habe ich einen Einblick erhalten. Hier ein kleiner Überblick:

Struktur eines Cloud-Unternehmens

Zunächst, und das ist wahrscheinlich am offensichtlichsten, bietet ein Cloud-Unternehmen seinen Kunden und Mitarbeitern Dienste auf Subskriptionsbasis oder nach dem „Anything-as-a-Service“-Prinzip, und zwar überall, jederzeit und auf jedem Gerät. Ein Software-Unternehmen beispielsweise, das bisher Software-Lizenzen verkauft hat, stellt seinen Kunden nun den gleichen Service über das öffentliche Internet, ein privates Netzwerk oder eine Mischung aus beidem bereit.

Kunden möchten ihre Software, Dienste und Geräte heute selbst auswählen und von Zeit zu Zeit mit möglichst geringem Aufwand ersetzen. Parallel zum Umstieg auf die Cloud wird es deshalb eine Entwicklung weg von Eigensystemen und Hardware-, Software- und Service-Paketen geben, mit denen sich Unternehmen auf einen Anbieter festlegen. Stattdessen wird man zu offenen Standards und Richtlinien übergehen.

Unternehmen, die ihre Geschäftsprozesse in die Cloud verlagern, können sich besser auf ihr Kerngeschäft konzentrieren, da sie weniger Zeit für Betrieb und Wartung ihrer IT-Infrastruktur aufwenden müssen. Auf lange Sicht führt dies zu einem vereinfachten Geschäftsmodell. Der Umschwung vom traditionellen Softwarelizenzverkauf hin zu einem Subskriptionsmodell hat tiefgreifende Auswirkungen auf Vertrieb, Kundenservice und Wartung und im weiteren Sinne auch auf die Unternehmensstruktur des Cloud-Unternehmens. So werden im Laufe der Zeit immer weniger Supportmitarbeiter vor Ort beim Kunden arbeiten, während immer mehr Personal über den Remote Support jederzeit verfügbar sein wird.

In der Folge erwarten Kunden schnellere und transparentere Software-Updates und Aktualisierungen von Diensten. Der Umstieg auf die Cloud führt zu immer kürzeren Produktzyklen und kontinuierlicher Optimierung.

Mitarbeiter von Cloud-Unternehmen

In Cloud-Unternehmen selbst kommt es zu ähnlichen Veränderungen. Mitarbeiter von Cloud-Unternehmen sollten über eine Self-Service-Umgebung Zugriff auf die meisten internen Dienste erhalten, und zwar unmittelbar, überall und sowohl über Desktop- als auch über Mobilgeräte – wie beim App-Download oder -Stream über Plattformen wie iTunes.

Der Wandel hin zu einem Cloud-Unternehmen wirkt sich zudem häufig auf die Unternehmenskultur selbst aus, da Cloud-Unternehmen per Definition flexibler sind, schneller auf interne und externe Einflüsse reagieren und Innovationen schneller umsetzen.

Genau wie die blinden Männer in der indischen Parabel, die die echte Beschaffenheit des Elefanten nicht gleich erkannt haben, mag es uns zu Beginn schwerfallen, die Bedeutung der Cloud für die IT-Branche und darüber hinaus zu erkennen. Es liegt jedoch in unserem Interesse, den rasanten Umstieg auf die Cloud zu fördern und zusammenzuarbeiten, um ihr wahres Potenzial zu verstehen und zu nutzen.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf SAP Voice on Forbes veröffentlicht.

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Foto: Shutterstock

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