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Under Armour: vernetzte Fitness für mehr Gesundheit

Feature | 8. März 2016 von David Trites 0

Mit dem Ziel eines Connected-Fitness-Systems vor Augen, stellte Under Armour seine digitale Strategie komplett um.

Viele erfolgreiche Unternehmen wurden einst gegründet, um ein einziges, weit verbreitetes, Problem zu lösen. Für Under Armour war dieses Problem ein schweißnasses Sportshirt. Innovative Sportbekleidung mit optimalem Feuchtigkeitstransport, das war die Idee, die am Anfang der Firmengründung stand. Nun arbeitet das Unternehmen an einer digitalen Innovation, um mit Fitnessdaten die Gesundheit vieler Menschen zu verbessern.

„Jeder sollte sich Gedanken darüber machen, ob er sein Auto besser kennt als seinen eigenen Körper“, sagte Kevin Plank, Gründer, Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer von Under Armour, in seiner Eröffnungsrede auf der Einzelhandelskonferenz Retail’s Big Show in New York. Plank hat Recht. Wenn wir ins Auto steigen, sehen wir auf dem Armaturenbrett, wie viel Benzin wir noch haben und wie weit wir damit noch fahren können. Wir kennen Ölstand, Reifendruck, Kilometerstand und Motortemperatur. Und wenn eine Warnanzeige erscheint, tun wir schnell etwas dagegen, damit das Fahrzeug nicht liegen bleibt.

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Kevin Plank, Gründer von Under Armour, in seiner Eröffnungsrede auf der Einzelhandelskonferenz Retail’s Big Show in New York.

Doch wenn wir morgens aufwachen, welches Display zeigt uns dann unseren Gesundheitszustand oder unser Wohlbefinden an? Welche Art von Warnung erhalten wir, wenn wir nicht genug geschlafen haben? Haben wir genug Nahrung und Wasser zu uns genommen, um gut durch die nächsten Tage zu kommen? Oder werden wir vielleicht zusammenbrechen? Brauchen wir mehr oder weniger Bewegung und welche Anpassungen sollten wir vornehmen, wenn wir uns nicht gut fühlen?

Es wäre schön, all diese Antworten auf einen Blick zu haben. Gut wäre es auch, wenn wir all diese Daten überwachen, analysieren und mit anderen Datensätzen vergleichen könnten. So könnten wir sehen, ob wir genug tun, um unsere Gesundheitsziele zu erreichen, oder ob in Zukunft vielleicht Erkrankungen auf uns zukommen könnten. Für unsere Ärzte wären solche Daten eine wahre Goldgrube, denn sie könnten diese Informationen während und zwischen Arztbesuchen analysieren.

Das Vorhaben: ein umfangreiches Connected-Fitness-System

Under Armour hat sich zum Ziel gesetzt, dieses Problem anzugehen – mit einem Connected-Fitness-System. Eingearbeitet in Kleidungsstücke, die direkt am Körper anliegen, erkennen Sensoren den Aktivitätsgrad und Gesundheitszustand des Trägers. Eine entsprechende App macht es ihm leicht, seine Daten zu analysieren und aufzubereiten. Plank geht davon aus, dass Under Armour mit diesem neuen System dazu beitragen kann, die Lebensweise seiner Kunden zu verändern. „Wenn wir an unsere Mitbewerber denken, machen wir uns keine Sorgen über den nächsten Schuh, den jemand entwickeln wird. Wir machen uns Gedanken über Wettbewerber, die es noch nicht gibt, und denken dabei an digitale Neuerungen“, erklärte Plank.

Also stellte Under Armour seine digitale Strategie komplett um. „Vor drei Jahren noch bestand unsere digitale Strategie aus einer einzigen Webseite“, fügte Plank hinzu. Heute hat das Unternehmen 25 E-Commerce-Seiten weltweit und in diesem Jahr sind fünf weitere geplant. Und es hat eine überzeugende Strategie für mobile Lösungen erarbeitet. Im Jahr 2015, am Rabatt-Aktionstag „Black Friday“, entfielen 28 Prozent der Verkäufe auf mobile Lösungen. Im Jahr zuvor waren es lediglich 19 Prozent. Laut Plank wird sich dieser Trend fortsetzen. Vor allem aber hat Under Armour mehrere Fitness-Apps wie MapMyFitness übernommen, und damit auch sehr viele sportbegeisterte Nutzer, die ihre Fitness mithilfe der Apps überwachen. Durch den Zukauf von Fitness-Tracking-Unternehmen hat sich Under Armour nicht nur die Technologieführerschaft und das notwendige Entwicklungs-Know-how gesichert, sondern verfügt nun auch über eine Fitness-Community mit mehr als 160 Millionen registrierten Nutzern. „Es ist die größte digitale Gesundheits- und Fitness-Community“, betonte Plank. Und die Zahl der Nutzer dürfte sich rasch vervielfachen. Jeden Tag laden sich 150.000 Nutzer eine Under-Armour-App herunter. Wie das Unternehmen mit der Community in Kontakt tritt, ist ein wichtiger Teil der Strategie.

Under Armour hat die größte digitale Gesundheits- und Fitness-Community.

Das Ziel ist es, alle Apps, Daten und Nutzer in einer Tracking-App für Gesundheit und Fitness zusammenzuführen. Der Name dieser App lautet Under Armour Record. Sie interagiert mit allen Wearables und ermöglicht dem Nutzer, verschiedene Informationen zu überwachen, zum Beispiel Schlafverhalten, Fitness, Aktivitäten, Ernährung, Gewicht und Befinden. Die Nutzer können ihre Daten analysieren, mit anderen Nutzern teilen und bei Bedarf mit vorhandenen Datensätzen vergleichen. Bisher konnten Wearables zwar Schritte zählen oder Schlafphasen dokumentieren, aber die Nutzer wurden nicht zum Handeln aufgerufen. Es gab keine Möglichkeit, die Daten mit denen anderer Personen zu vergleichen.

Big Data für mehr Kundenzufriedenheit

Die in Under Armour Record gesammelten Daten lassen sich mit der Einkaufshistorie des Kunden zusammenführen. So kann Under Armour seinen Kunden mit gezielten Angeboten einen noch besseren Service bieten. Trends im Bereich Gesundheit und Fitness entwickeln sich rasend schnell. Mit der neuen App wird das Unternehmen in der Lage sein, Kundenbedürfnisse früher zu erkennen und rascher darauf zu reagieren – mit einer gezielteren Auswahl an Produkten und einem personalisierten Kauferlebnis.

„Im Jahr 2015 wurden über zwei Milliarden Trainingsläufe in unserem System erfasst. Und ich kann Ihnen sagen, dass die durchschnittliche Streckenlänge bei 5,015 Kilometer liegt. Diese Daten helfen uns, fundierte Entscheidungen zu treffen“, erklärte Plank. Beispiele: 800.000 Nutzer überwachen den Zustand ihrer Laufschuhe mit dem System von Under Armour. Es hat sich gezeigt, dass Laufschuhe nach 650 Kilometern Verschleißerscheinungen zeigen, was die Gefahr von Verletzungen erhöht. Um Risiken zu vermeiden, erinnert die App von Under Armour die Läufer nach 650 Kilometern daran, dass es an der Zeit wäre, neue Schuhe zu kaufen. Die im System gesammelten Daten zeigen außerdem, dass sich der Walking-Trend gerade in Australien durchsetzt. Hätte jemand am Hauptgeschäftssitz in den USA dies voraussagen können? Wohl kaum. Aber nun kann der Sportartikelhersteller besser planen und schneller reagieren. Marketingmaterialien können lokalisiert und Merchandising-Produkte zur richtigen Zeit am richtigen Ort angeboten werden.

Je mehr das Unternehmen über die Gesundheit und Fitness-Gewohnheiten seiner Kunden weiß, umso besser kann es sie bedienen. „In Zusammenarbeit mit SAP, entwickeln wir etwas, das wir die ganzheitliche Sicht auf den Kunden nennen. „Wenn wir wissen, dass jemand im vergangenen Sommer sieben Wanderungen gemacht hat, könnte es sein, dass sich diese Person unsere neuen Wanderschuhe anschauen möchte“, sagte Plank. Diese personalisierten Informationen werden viele neue Möglichkeiten eröffnen, die das Kundenerlebnis weiter verbessern.

Bei der Vision von Connected Fitness und der App Under Armour Record handelt sich um ein komplettes System, das für eine starke Kundenbindung sorgt, da es eine kontinuierliche Kommunikation unterstützt. „Wenn wir wissen, wie die Leute sich fühlen und wann sie trainieren, dann können wir besser verstehen, wie ihre Bedürfnisse zu erfüllen sind“, fügte Plank hinzu. Connected Fitness wird den Kunden das Leben leichter machen und Under Armour kann seine steile Wachstumskurve fortsetzen.

Im SAP NRF Resource Center finden Sie Keynotes, Präsentationen und Videos von der NRF 2016, der Kongressmesse des amerikanischen Einzelhandelsverbands (National Retail Federation).

Weitere Informationen:

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Top Foto: Shutterstock

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