Unternehmensweit planen, lokal reagieren

Feature | 28. November 2005 von admin 0

Porträt Metsä Tissue

Porträt Metsä Tissue

Metsä Tissue sah sich im September 2003 mit deutlichen Verbesserungsmöglichkeiten im Planungsbereich konfrontiert, die zum Teil auch von den Kunden zu spüren waren. Das Unternehmen hatte beispielsweise in Wachstumsmärkten Schwierigkeiten mit der Liefertreue oder musste in lokalen Märkten Aufträge aufgrund von Kapazitätsengpässen ablehnen – obwohl global betrachtet Überkapazitäten vorhanden waren. Diese Mängel in der taktischen Absatz- und Kapazitätsplanung galt es zu beseitigen.
Die Ursachen waren teils hausgemacht. Metsä Tissue fehlte es auf Unternehmensebene an gemeinsamen Planungsprozessen. Die verschiedenen Standorte optimierten Planung und Produktion auf Basis ihrer eigenen Bedürfnisse. Außerdem war Metsä Tissue nicht dazu in der Lage, Daten aus den verschiedenen im Unternehmen vorhandenen ERP-Lösungen zu konsolidieren.

Unterstützung bei Design und Implementierung einer integrierten Lösung für die Supply-Chain-Prozesse fand Metsä Tissue bei der Unternehmensberatung Capgemini. Hauptaugenmerk des SCM-Projekts lag auf der Absatz- und Kapazitätsplanung, mit dem Ziel, die Verkaufszahlen zu steigern, die Liefertreue dauerhaft zu erhöhen, die Absatzprognosen zu verbessern und die Kosten der Lieferkette zu verringern.

Lokales Denken unterbinden

Warum mySAP SCM?

Warum mySAP SCM?

Hierzu verlagerte Metsä Tissue die taktische Kapazitätsplanung von der Fabrik- auf die Konzernebene, wodurch die Produktion besser auf die einzelnen Standorte verteilt wurde. Um dies zu ermöglichen, führte das Unternehmen zunächst eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung durch und definierte ein klares Regelwerk für diesen Optimierungsprozess. Im Rahmen eines Change Management betraute das Unternehmen zudem führende Mitarbeiter in allen Regionen und Märkten schon zu einem frühen Zeitpunkt damit, Rollen und Verantwortlichkeiten in einem globalen, dynamischen Netzwerk zu definieren und Entscheidungen gemeinsam herbei zu führen. Um der Wichtigkeit des Projektes Nachdruck zu verleihen stand zudem das Top-Management geschlossen hinter diesem Veränderungsprozess.
Von technischer Seite musste die neue Lösung Informationen aus SAP R/3 und Nicht-SAP-ERP-Systemen sowie dem Berichtswesen integrieren können. Auch nahm Metsä Tissue die Leistungsfähigkeit von SAP im SCM-Umfeld genau unter die Lupe. Hierbei überzeugten vor allem die Erfolgsbilanz von SAP in der Konsumgüterindustrie und das Ansehen als solider Anbieter mit einem sehr ausgeprägten Partnernetzwerk. Nicht zuletzt trug die berechnete Total Cost of Ownership zu der Entscheidung bei, erneut auf SAP-Software zu setzen. Metsä Tissue hatte in seinen deutschen Niederlassungen bereits gute Erfahrungen mit SAP R/3 gemacht und konnte aufgrund bestehender Lizenzverträge Vorteile verbuchen.

Solider Planungsprozess als Grundlage

mySAP SCM in einer heterogenen Systemlandschaft

mySAP SCM in einer heterogenen Systemlandschaft

Die meisten Prozessschritte für die neue, taktische Absatz- und Kapazitätsplanung bei Metsä Tissue basieren auf mySAP Supply Chain Management. Spezifische Prozessschritte, etwa die statistische Prognose- und Kampagnenplanung und die Verwaltung von Sortimentsänderungen, unterstützt das Werkzeug zur Absatzplanung innerhalb SAP Advanced Planning and Optimization (SAP APO). Der größte Wert von SAP APO Demand Planning liegt jedoch in einer konsolidierten Sicht bei der interaktiven Planung. Das Werkzeug bietet durch Datensichten auf verschiedenen Ebenen, Einheiten und Zeitskalen enorme Flexibilität.
SAP APO Supply Network Planning wiederum unterstützt bei der Beschaffung durch die Berechnung der Produktionsanforderungen in der gesamten Logistikkette und sorgt für einen Kapazitätsabgleich sowohl bei den verschiedenen Verarbeitungslinien als auch bei den Maschinen zur Herstellung von Rohpapier. Diese Kapazitätsplanung basiert auf einem mehrstufigen Prozess. Er umfasst die Kapazitätsbewertung auf Landesebene mit späteren Anpassungen der Produktionsstandorte – etwa zusätzlichen Arbeitsschichten. Weiterer Faktor im Optimierungsprozess ist das Produktportfolio: beispielsweise wurden so genannte “Balance-Produkte” ausfindig gemacht, die an verschiedenen Standorten hergestellt werden können. Dadurch lassen sich Kapazitäten umschichten und die Auslastung verbessern.
In einer umfassenden Organisationsmatrix sind Rollen und Verantwortlichkeiten für jeden Prozessschritt genau definiert, um die taktische Absatz- und Kapazitätsplanung zu unterstützen. Um die Effizienz des Prozesses zu messen wurden geeignete Kennzahlen definiert, die vor allem einen Soll-Ist-Vergleich der Absatzprognosen und der Liefertreue erlauben. Spezielle Checklisten unterstützen die Mitarbeiter beim Durchführen ihrer Prozessschritte, während eine Reihe von Berichten die Planungsergebnisse veranschaulichen und auf diese Weise fundierte Entscheidungshilfe geben. Ein Beispiel für einen derartigen Bericht enthält die Daten zur Kapazitätsauslastung und zum Fertigungssortiment für die folgenden drei Monate, um damit die lokalen Aktivitäten zu koordinieren und zu kontrollieren.

Den Anwendern rasch einen Nutzen aufzeigen

Im September 2003 ging das Projekt in die Pilotphase. Zu diesem Zeitpunkt war ein Template-Prozess geschaffen, der 95 Prozent der Anforderungen der Geschäftseinheit für Hygieneartikel (Consumer & Away-from-Home) und über 70 Prozent der Anforderungen bei den Geschäftseinheiten für Koch- und Backpapier (Baking & Cooking) sowie für Tischdekorationen (Table Top) abdeckte. Im Verlauf der viermonatigen Pilotphase wurden alle Schnittstellen und für den Produktivbetrieb repräsentative Datenvolumina getestet. Der Nachweis der Integrationsfähigkeit sorgte in dieser Phase auch für Akzeptanz bei den künftigen Anwendern.
Für die nachfolgenden Rollouts wählte Metsä Tissue unterschiedliche Ansätze. Beispielsweise wurde das SCM-Template in den Geschäftseinheiten “Consumer & Away-from-Home” Land für Land ausgerollt. Metsä Tissue hat mit dieser Vorgehensweise den Gesamtaufwand für Anwenderschulung, Tests und Datenmigration aus verschiedenen ERP-Lösungen in handliche Arbeitspakete aufgeteilt. SAP APO Demand Planning und SAP APO Supply Network Planning wiederum wurden in jedem Rollout parallel implementiert. Auf diese Weise konnte Metsä Tissue den Anwendern mit einem “erprobten” Werkzeug rasch einen Nutzen aufzeigen und zudem die hohe Motivation aller Teilprojektteams gleichermaßen in die Rolloutphase übertragen.

Taktisches Planungsnetzwerk für das gesamte Unternehmen

Rückblickend ist Metsä Tissue sehr froh darüber, viel Zeit in den Planungsprozess inklusive Mitarbeiterschulung, Rollenkonzept, Kommunikation und Überzeugungsarbeit gesteckt zu haben, bevor die Softwarelösung vollständig eingeführt war – denn all diese Maßnahmen haben sich mit dem reibungslosen Produktivstart bezahlt gemacht. Auch ist es von enormer Bedeutung, für die Planungsprozesse über qualitativ hochwertige Daten zu verfügen. Das gilt insbesondere, wenn mySAP SCM auf Informationen verschiedener ERP-Lösungen zurückgreift. Obwohl Metsä Tissue um die Bedeutung konsolidierter Stammdaten wusste, waren viele der Schwierigkeiten, die im Projekt auftraten, auf die Datenqualität in den ERP-Systemen zurückzuführen. Darüber hinaus musste Metsä Tissue für den Planungsprozess die richtige Balance zwischen Automation und manuellem Eingreifen finden. Beispielweise wurde beim dem Versuch, die Prognosen für neue Produkte zu verbessern, klar, dass die Wechselwirkung zwischen dem Produktentstehungs-Prozess und dem operativen Planungsprozess optimiert werden musste.
Seit rund einem Jahr sind der neue Planungsprozess und die Lösung mySAP SCM nun im Produktivbetrieb. Metsä Tissue hat mittlerweile die Liefertreue – besonders in den Wachstumsmärkten – auf mehr als 98,5 Prozent erhöht. Auch nimmt das Unternehmen an viel mehr Ausschreibungen aktiv teil. Die Prognosegenauigkeit der Absatzplanung wurde auf mehr als 80 Prozent verbessert. Die Papierfabriken sind nun meist zu 100 Prozent ausgelastet – mit positiven Auswirkungen auf das Absatzwachstum. Durch eine Reduktion der Lagerbestände auf weniger als 14 Tage wurden auch die Kosten der Lieferkette reduziert. Für Transparenz und Messbarkeit all dieser Daten sorgen die bei Metsä Tissue definierten Kennzahlen. Sie erlauben es, die jeweilige Ist-Situation zu analysieren, ein Benchmarking durchzuführen und Optimierungspotenziale aufzuzeigen. Mit mySAP SCM verfügt Metsä Tissue nun also über ein taktisches Planungsnetzwerk für das gesamte Unternehmen. Entscheidungen über Fragestellungen, die früher komplex und unüberschaubar waren, werden nun anhand fundierter Daten von einer Planungsgruppe mit klaren Zielen, Rollen und Verantwortlichkeiten gefällt. Als Folge davon hat sich die Dauer des Planungsprozesses von über einem Monat auf 13 Arbeitstage verkürzt.

Joerg Kortmann

Joerg Kortmann

Patrik Karlsson

Patrik Karlsson

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