28 Stunden: Umstieg SAP R/3 auf ERP 6

Feature | 11. August 2010 von Ali Sbai, Frank Völkel 0

So gehts: Komplettes Upgrade von SAP R/3 auf ECC 6.0 (Collage: grasundsterne)

Teil I der Artikelserie: Überblick zum kompletten Upgrade von SAP R/3 auf ECC 6.0 (Collage: grasundsterne)

Wie sich die Welten doch unterscheiden: Während der Privatanwender beinahe schon im jährlichen Turnus die Software auf seinem PC wechselt, sieht es bei Unternehmens-Software vollkommen anders aus. Die Programme auf Servern sind 10 bis 15 Jahre im Einsatz. Und: Firmenkunden können und wollen nicht von heute auf morgen ihre IT-Systeme wechseln. Um jedoch den kurzfristigen Anforderungen der vernetzten Wirtschaft gerecht zu werden, sind mitunter tiefgreifende Änderungen auch beim ERP-System notwendig. Das macht den neuesten Softwarestand erforderlich – siehe Artikel Vorschau: EHP 5 für SAP ERP 6.0.

Zu Beginn stellt sich die Frage, ob mit dem Software-Wechsel auch eine neue Hardware-Plattform notwendig ist oder nicht. In der Regel ist in vielen Unternehmen veraltete Server-Hardware anzutreffen, die im Zuge des geplanten SAP-Generationswechsels mit ausgetauscht werden sollte. Doch alles der Reihe nach. Wir zeigen am Beispiel eines Unternehmens ITU in Genf, wie ein Wechsel des SAP-Systems in der Praxis in 28 Stunden durchgeführt wurde. Letzteres funktionierte nur mit guter Vorbereitung und einer strikten Einhaltung der Reihenfolge. Denn dem eigentlichen Upgrade-Prozess gehen eine Menge Vorarbeiten voraus.

Im ersten Teil der Artikelserie geht es um einen Überblick des gesamten Upgrade-Prozesses, ohne das wir dabei auf Details eingehen. Daraufhin folgt die Beschreibung der Updates, die am alten System vorzunehmen sind, die Installation des neuen Servers mit Betriebssystem und Datenbank, die Installation von SAP R/3 samt Backup des alten Datenstandes, das Datenbank-Upgrade und zum Schluss der eigentliche ECC6.0-Umstieg samt dem Einspielen des EHP – siehe auch Artikel EHP: Schnelle Updates für SAP.

Gerade bei größeren Unternehmen ist in letzter Zeit die Aufstockung des ERP-Systems im Gespräch. Das ist besonders auf Branchen-Veranstaltungen und speziell ausgerichteten Hausmessen zu bemerken. Als Grundtenor vieler IT-Verantwortlicher ist zu hören, dass zahlreiche Firmen noch auf SAP R/3 in seiner letzten Version 4.7×200 samt den wesentlichen Modulen wie FI, CO, FM, SD, MM und HR setzen. Schließlich ist das Produktivsystem über die Jahre hinweg erweitert und ständig den vorherrschenden Bedingungen angepasst worden. Allerdings muss bemerkt werden, dass für sämtliche R/3-Systeme zwar noch Wartung angeboten wird, jedoch keine neuen Software-Versionen in Form von Updates verfügbar sind.

Die Möglichkeit, von SAP R/3 4.7c auf die ganz aktuelle ERP-Software aufzurüsten, besteht im schrittweisen Upgrade auf ECC6.0 (ERP Central Component). Wir zeigen in unserer Artikelserie, welche prinzipiellen Schritte zum Upgrade notwendig sind und helfen mit vielen Screenshots das allgemeine Verständnis zu verbessern. Begleitend dazu gibt es von SAP eine ganze Reihe an Dokumenten und Anweisungen, auf die wir in den entsprechenden Abschnitten hinweisen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: ERP-Upgrade – Prinzipielle Vorgehensweise

Prinzipielle Struktur des System-Wechsels von Hardware und Software

Prinzipielle Struktur des System-Wechsels von Hardware und Software (Bild: Ali Sbai)

ERP-Upgrade: Prinzipielle Vorgehensweise

Überblick über Maßnahmen auf dem alten Server

Überblick über Maßnahmen auf dem alten Server

In den folgenden Schritt-für-Schritt-Anleitungen zeigen wir den Umstieg von alter Hardware und Software auf ein vollkommen neues System. Gleichzeitig werden die Daten in der Datenbank übernommen und auf die neueste Version gebracht.

Das „alte“ Ausgangssystem ist ein HP ProLiant DL380 Server mit 4 Prozessoren und Windows 2003 Server SE als Betriebssystem. Weitere Software-Komponenten umfassen die Microsoft SQL 2000 Datenbank, den SAP Kernel 6.40 NUC 32 Bit, SAP ABA/BASIS 6.20 SP64, SAP APPL 4.7 SP30 und SAP HR 4.7 SP84 sowie SAP EA-XX 200 SP15.

Auf dem bestehenden System wird zuerst die Collation *BIN zu *BIN2 geändert. Denn nur so ist der spätere Umstieg von MS SQL Server 2000 auf MS SQL Server 2005 möglich. In der jeweiligen Collation sind die Regeln zum Sortieren und Vergleichen der jeweiligen Dateneinträge der Microsoft-Datenbank zusammengefasst. Anschließend folgt ein vollständiges Backup für die spätere Spiegelung (HSC = homogenous system copy) der SQL-Datenbank.

Neuer Server mit Hardware- und Software-Konfiguration

Neuer Server mit Hardware- und Software-Konfiguration

Der neue Server für das künftige SAP-Produktivsystem ist in unserem Fall ein Dell RAC 5 Server für eine 64-Bit-Plattform. Zuerst wird das System auf Betriebssystem-Ebene konfiguriert, indem Windows 2003 EE als x64 Bit Version zum Einsatz kommt. Für die Datenbank verwenden wir MS SQL 2005 Server in 64 Bit Unicode und der Collation *BIN2. Installiert wird der SAP-Kernel 6.40 NUC jetzt in der 64-Bit-Variante. Sämtliche SAP-Module samt ihrer Service Packs werden wie schon auf dem „alten“ Server auch auf dem neuen System installiert, wobei SAP R/3 4.7×200 vollkommen frisch zu installieren ist.

Darauf folgt die Systemkopie (HSC) per Restore vom Datenbank-Backup des alten Servers. Der STM-Download erfolgt über den Service Marketplace (direkter Link).

Nach der erfolgreichen Einrichtung des neuen Systems mit Betriebssystem- und Datenbank-Upgrade von 32 Bit auf 64 Bit folgt der eigentliche ERP-Umstieg auf die neue SAP-Generation. Hier kommt es vor allem auf eine gute Planung an, dem Test mit den sogenannten Key-Usern, der sich auf alle Business Prozesse erstreckt und den vorangehenden Aktivitäten. Letzteren widmen wir einen eigenen Artikel. Am Ende des gesamten Upgrade-Vorgangs steht die neue Plattform mit ECC6.0 und dem eingespielten EHP3 bzw. EHP4. Jetzt kann der Go-Live erfolgen.

Unsere grundsätzliche Vorgehensweise fasst auch die Grafik auf der ersten Seite noch einmal zusammen. In der Praxis sind dazu eine Menge Zwischenschritte notwendig, die sich nur durch viele Screenshots dokumentieren lassen, die wir im Rahmen unser umfangreich angelegten Artikelserie präsentieren werden.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: ECC6.0 Upgrade – Was bringts?

Überblick über das ECC6.0 Upgrade auf dem neuen Server

Überblick über das ECC6.0 Upgrade auf dem neuen Server

ECC6.0 Upgrade: Was bringts?

So sieht es aus: Erfolgreiches ERP-Upgrade

So sieht es aus: Erfolgreiches ERP-Upgrade

Bisher war die ERP-Installation samt weiteren Modulen ein eher auf eine Dekade ausgelegtes und fast schon traditionelles Geschäft der IT-Abteilung. Große Änderungen gab es dabei kaum – und wenn – dann in einem eher kleineren Rahmen. Doch die beschleunigte Wirtschaft harmoniert nicht immer mit einem vergleichsweise veralteten und starren ERP-System. Deshalb stellen die IT-Verantwortlichen in Unternehmen die Frage nach einem SAP-Upgrade und setzen Kosten sowie Nutzen in Relation – siehe auch Artikel Interview: Was bringen Updates?

Schließlich geht es vor allem um die Reduzierung der Instandhaltungskosten und die Erweiterung der Geschäftsprozesse, die sich mit dem neuen ERP-System abbilden lassen. Und gerade letzteres ist dringend notwendig, wenn es darum geht, auf die zunehmende Komplexität der Geschäftsprozesse zu reagieren. Denn häufige Anpassungen bzw. Änderungen an Geschäftsprozessen lassen sich mit dem alten Softwarestand nicht mehr realisieren und selbst kleine Anpassungen sind vergleichsweise teuer. Bleibt noch das Argument der kostenlosen Updates, die es seit der Einführung der EHPs (Enhancement Packages) im regelmäßigen Turnus gibt – siehe auch Artikel:

Die kleinen Zusatzpakete zum bestehenden ERP-System gibt es zusammengefasst als EHP4 – siehe auch Artikel Von ERP 6.0 auf Business Suite 7 und SAP ERP 6.0 zum Festpreis.

Beispiel ITU in Genf: Vorgehensweise

Wir waren vor Ort: Beispielhaft an der ITU in Genf zeigen wir die Vorgehensweise für den Umstieg von SAP R/3 auf ERP 6.0. Die ITU geht zurück auf den am 17. Mai 1865 gegründeten Internationalen Telegraphenverein und gehört zu den ältesten internationalen Organisationen. Sie ist eine Sonderorganisation der UN mit derzeit 191 Mitgliedsländern und beschäftigt sich weltweit mit technischen Aspekten der Telekommunikation.

In den nächsten Tagen veröffentlichen wir weitere Teile der Artikelserie, so dass der interessierte Leser eine gute Basis für ein SAP-Upgrade erhält.

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