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Zehn Tipps für ein erfolgreiches UX Center of Excellence

Blog | 3. Juni 2015 von Andreas Hauser 0

Das beste Design entsteht in Zusammenarbeit mit dem Kunden – so lautet eine der Devisen des SAP-Bereichs User Experience Design. Andreas Hauser, SVP und Global Head des Design and Co-Innovation Center bei SAP, erläutert die Bedeutung von User Experience in der heutigen Wirtschaft und gibt Unternehmen wichtige Tipps an die Hand, wie sie ihre eigene UX-Strategie erfolgreich umsetzen können.

Fünfzig Prozent der Benutzeroberflächen, die unsere Kunden verwenden, stammen in der Regel nicht von SAP, sondern werden von der IT-Abteilung des Kunden oder von Partnern entwickelt oder individuell angepasst. Die Endbenutzer sind in die Gestaltung der Oberflächen meist nicht einbezogen, wie mir meine Erfahrung aus über 300 Kundenprojekten zeigt. Darüber hinaus haben die meisten IT-Abteilungen keinen Designexperten zur Verfügung. Allerdings beobachte ich seit etwa zwei Jahren, dass immer mehr IT-Abteilungen Designwissen in ihren Teams aufbauen, um die ganzheitliche User Experience fest in den Entwicklungsprozess zu integrieren. User Experience (UX) umfasst hierbei das gesamte Verhalten, die Einstellung und Gefühle einer Person während der Nutzung eines bestimmten Produktes, Systems oder Services.

Andreas Hauser

Andreas Hauser, Global Head of Design and Co-Innovation Center bei SAP

Das lässt sich meines Erachtens am besten mit einem UX Center of Excellence (UX CoE) realisieren. Die Ziele eines UX CoE sind es, Design als Wettbewerbsvorteil zu nutzen, die Anwendung von Designmethoden in Organisationen und Prozessen zu verankern, Designkenntnisse aufzubauen, Menschen für das Thema zu sensibilisieren und relevante Tools und Best Practices bereitzustellen.

Wie etabliere ich ein erfolgreiches UX Center of Excellence?

  1. Sichern Sie sich die Unterstützung des Top-Managements: Ja, es stimmt: Wenn sich in den Köpfen etwas ändern soll, muss die Veränderung von unten nach oben erfolgen. Doch für eine erfolgreiche UX-Initiative benötigen Sie Budget und Ressourcen – und die können nur von oben kommen.
  2. Zeigen Sie klar den geschäftlichen Nutzen auf: Um die Unterstützung des Managements zu erhalten, müssen Sie anhand von Zahlen belegen können, dass ein gutes Oberflächendesign greifbare finanzielle Vorteile bringt. Am besten beziffern Sie diese Vorteile in Ihrer Währung. Es kann sich dabei um eine höhere Produktivität, geringere Schulungskosten oder die Reduzierung von Benutzerfehlern und Änderungsanträgen handeln.
  3. Holen Sie wichtige Stakeholder mit ins Boot: Damit User Experience im ganzen Unternehmen ernst genommen wird, darf das Thema nicht nur in der IT-Abteilung angesiedelt sein. Wichtige Vertreter der einzelnen Geschäftsbereiche sollten ebenfalls einbezogen werden. Fach- und IT-Verantwortliche müssen gemeinsam die UX-Ziele für das Unternehmen definieren und festlegen, wie diese erreicht werden sollen.
  4. Involvieren Sie von Anfang an die Nutzer: Um das Interesse und die Motivation wachzuhalten, sollten Unternehmen schnell erste Erfolge vorweisen können. Suchen Sie sich hierzu gezielt UX-Projekte aus, die einen schnellen Mehrwert bringen und schon nach kurzer Zeit positive Rückmeldungen hervorrufen.
  5. Ermöglichen Sie ein „Learning by Doing“: Die Vorteile einer guten User Experience lassen sich nicht durch Wort näherbringen. Am eindrucksvollsten wirkt ein gutes Design, wenn man es selbst praktisch anwendet. Erst dann wird deutlich, welche Möglichkeiten Design bietet und was es heißt, die Bedürfnisse der Endbenutzer wirklich zu berücksichtigen.
  6. Integrieren Sie UX in Entwicklungsprozesse: Design und Entwicklung werden häufig als zwei verschiedene Prozesse wahrgenommen. Stattdessen sollten Sie EINEN Entwicklungsprozess definieren, in den das Design bereits fest integriert ist. Beide Disziplinen müssen an dem Prozess beteiligt sein und in enger Abstimmung mit den Endnutzern arbeiten.
  7. Stellen Sie die Anforderungen visuell dar, bevor Sie an die Umsetzung gehen: Ein Bild – in diesem Fall eine Demoversion des System – sagt mehr als tausend Worte. Es spricht eine Sprache, die jeder versteht: Entwickler, Designer, Fachexperten, Manager, Kunden und Endnutzer. Wenn Sie das gewünschte Endergebnis frühzeitig visualisieren, fallen danach weniger kostspielige Änderungen an. Es ist viel einfacher und billiger, die Demoversion anzupassen.
  8. Stellen Sie die richtigen Leute ein: User Experience erfordert neue Kompetenzen, zum Beispiel Benutzerforschung, Interaktionsdesign, visuelles Design und die Fähigkeit, Design-Thinking-Workshops durchzuführen. Holen Sie Leute mit hoher Kommunikationsfähigkeit ins Team, denn Designer spielen häufig eine Vermittlerrolle zwischen Entwicklern, Geschäftsexperten und Endnutzern.
  9. Stellen Sie Tools und Best Practices bereit: Durch Tools (zum Beispiel zur Erstellung von Prototypen) und Best Practices (etwa Richtlinien und Vorlagen zum Oberflächendesign) können Sie einen größeren Benutzerkreis im Unternehmen in Designprozesse einbinden. Dies trägt zu höherer Qualität und Effizienz bei und unterstützt die Mitarbeiter dabei, mehr über User Experience zu lernen.
  10. Nehmen Sie sich Zeit: Wenn man das Thema Oberflächendesign ernst nimmt, bringt dies Veränderungen mit sich, und diese brauchen Zeit. Planen Sie einen schrittweisen Ansatz, der es Ihnen ermöglicht, zu lernen und sich weiterzuentwickeln.

Und wer profitiert von einem UX CoE? Praktisch jede Organisation, die die Benutzerfreundlichkeit verbessern will. UX ist aber kein Zaubertrank, mit dem man im letzten Moment die Oberfläche aufhübscht. Der Prozess fängt viel früher an und muss sehr ausgereift sein. Das SAP-User-Experience-Team hat bereits mehrere Kunden beim Aufbau eines UX CoE unterstützt, welche die Produktivität und Zufriedenheit ihrer Nutzer dadurch erheblich steigern konnten. Diese zehn Tipps und Tricks können auch anderen Unternehmen helfen, ebenso erfolgreich zu sein.

Bildquelle: Shutterstock

 

 

 

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