Verkehr rollt auch im Winter

Feature | 11. März 2010 von Susan Sills 0

Montreal_winter_STM

Montreal: Pünktliche Busse trotz 2 Meter Schnee im Jahr (Foto: David Iliff)

Rekordverdächtige Minustemperaturen haben es während der letzten Monate in vielen Teilen der Welt immer wieder in die Schlagzeilen geschafft. Die Schneemassen haben Verwunderung und Ausnahmezustände ausgelöst. Für die Bewohner Montreals sind eisige Temperaturen, endlose Schneefälle und Glatteis jedoch nichts Neues. In der zweitgrößten französischsprachigen Stadt der Welt fallen jährlich über 2 Meter Schnee zwischen Oktober und Mai.

„Wir mögen den Winter. Er gehört zum kanadischen Leben und Lifestyle dazu. Das ist im Wesentlichen auch der Grund, warum unser U-Bahn-System so gut funktionieren muss“, so Marielle Fournier, Leiterin des Bereichs IT bei Montreals Verkehrsunternehmen Société de Transport de Montréal (STM). „Der Busverkehr ist zwar wichtig, aber eher in den anderen Jahreszeiten.“ Mit diesen Worten wendet sie sich Ihrem Kollegen, dem IT-Abteilungsleiter Sylvain LaPointe zu. Lächelnd pflichtet er ihr bei: „Im Winter nutzen die Einwohner viel stärker die U-Bahn als Busse. Bei Temperaturen von -20 Grad Celsius ist es einfach zu kalt, um an einer Haltestelle auf den Bus zu warten.“ Ganz abgesehen davon, dass über sieben Métro-Stationen die berühmte unterirdische Stadt Montreals erreichbar ist. Der weltweit größte unterirdische Komplex wird während der Wintermonate von mehr als einer halben Million Menschen täglich genutzt. Doch ganz gleich, ob U-Bahn oder Bus, „ein effizienter und zuverlässiger Betrieb ist für STM unabdingbar“, so Fournier weiter.

Das war einer der Gründe, warum sich STM als eines der größten städtischen Verkehrsunternehmen Kanadas vor sechs Jahren an SAP wandte. „Wir hatten zu viele heterogene IT-Systeme“, erläutert Fournier. „Sie waren extrem unterschiedlich, sodass die Wartung zu teuer wurde. Wir strebten eine Integration und Modernisierung unserer Systeme an. Deshalb haben wir uns für die ERP-Lösung von SAP entschieden.“

Mit dem Kauf der ERP-Komponenten Finanzwesen und Personalwirtschaft konnte das Unternehmen seine verschiedenartigen Backoffice-Systeme durch eine leistungsstarke Lösung ersetzen. „Die Modernisierung und Integration war erfolgreich“, sagt Fournier. „Wir konnten die Kosten für IT und Personal senken. Um jedoch unsere Anforderungen umfassend umzusetzen, haben wir auch eine firmeninterne Software für die Personalbeschaffung eingeführt.“

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Mensch und Maschine

STM ist derzeit dabei, den zweiten Teil der IT-Strategie umzusetzen: die Implementierung der SAP-Komponente Instandhaltung. Diese Phase erstreckt sich über einen Zeitraum von zehn Jahren, wobei Busse, Gebäude, Anlagen und U-Bahn-Wagen nacheinander in die Instandhaltungskomponente eingebunden werden. Die ersten zwei Projekte – Busse und Gebäude – sind abgeschlossen.

Die Einbindung der Busflotte war besonders schwierig, da den Prüfern und Mechanikern die Arbeit mit papierbasierten Arbeitsaufträgen abgewöhnt werden musste. Das Unternehmen meisterte dieses Problem, indem es SAP Enterprise Portal einführte und jeden Computer im Werkstattbereich mit einem mobilen Barcodeleser ausstattete. Die Mechaniker scannen die Nummer des papierbasierten Arbeitsauftrags ein und bekommen über das Portal sofort alle Einzelheiten zum Auftrag angezeigt. Das Portal ermöglicht auch die Anzeige aller aktuellen Arbeitsaufträge und der Historie eines jeden einzelnen Auftrags.

„Zu Beginn wurde das Portal nicht besonders gut angenommen“, gibt LaPointe zu. „Aber jetzt benutzen unsere Mechaniker es wegen seiner einfachen Bedienung sehr gerne. Außerdem bietet das Portal den Managern Zugriff auf alle Informationen, die sie im Hinblick auf Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit der Busse benötigen. Sie profitieren also auch.“ Aber das Portal wird nicht nur von Mechanikern und Managern genutzt: Alle STM-Mitarbeiter greifen darüber auf unzählige Dokumente wie Unternehmensrichtlinien und Geschäftspläne zu, die von den einzelnen STM-Abteilungen erstellt werden. Da das Portal Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten und Partnern einen zentralen Zugriff auf die Inhalte und Anwendungen des Unternehmens bietet, sind optimale Arbeitsabläufe und fundierte Entscheidungen gewährleistet.

Im August 2009 führte STM die BI-Ebene der SAP-Lösung ein und gab somit den Managern Schlüsselkennzahlen an die Hand. „So haben die Manager zum Beispiel erfahren, dass 2008 für die IT-Abteilung das erste gute Jahr nach sechs oder sieben schwierigen Jahren war“ so Fournier. „Die Manager haben jetzt mehr Kontrolle über Kosten und Verfügbarkeit.“

Visualisierte Informationen

Sowohl für die Wartung der Busse als auch die Instandhaltung der Gebäude zieht STM die Implementierung von SAP BusinessObjects Xcelsius in Betracht. „Unser Ziel ist es“, so Fournier, „den Geschäftsanwendern mehr Informationen zur Verfügung zu stellen. Wir möchten sicherstellen, dass sie leicht und schnell auf die benötigten Informationen zugreifen und diese aussagekräftig aufbereiten können.“

„Die dritte Phase, die Einbindung der Anlagen, hält uns gerade auf Trab“, erzählt LaPointe. „Wir sind auch dabei, eine Wirtschaftlichkeitsrechnung für das vierte Projekt, die Umgestaltung der U-Bahn-Wagen zu erstellen.“ „Da wir in Zukunft weniger U-Bahn-Wagen und kürzere Ausfallzeiten anstreben, ist es wichtig“, so betont er, „dass die Wartung so schnell und effizient wie möglich durchgeführt wird. Die neuen U-Bahn-Wagen sollen bis Ende 2014 auf den Schienen rollen – ein wichtiges Projekt, das über Jahre geplant wurde. „Das neue Design der U-Bahn-Wagen ist futuristisch“, schwärmt LaPointe. Und er fügt hinzu, dass die kleineren und schnittigeren Wagen den Montrealer Fahrgästen sicher besser gefallen werden und für STM einfacher zu warten seien.

Der nächste Winter kommt bestimmt, vermutlich früher und mit mehr Schnee als selbst den schneesturmerprobten Bewohnern Québecs wahrscheinlich lieb ist. Doch dank dem serviceorientierten und einwandfrei funktionierenden öffentlichen Nahverkehr haben die Montrealer die eisigen Wetterverhältnisse gut im Griff.

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