Von Web 2.0 zu Enterprise 2.0

Feature | 23. April 2010 von Christiane Stagge 0

Unternehmen müssen sich öffnen - eine Botschaft des Web 2.0-Kongresses (Foto: Christiane Stagge)

Unternehmen müssen sich öffnen - eine Botschaft des Web 2.0-Kongresses (Foto: Christiane Stagge)

„Twittern ist etwas für 16jährige.“ „Was geht es andere an, wo ich gerade bin, was ich zu einem bestimmten Thema denke oder welche Musik ich gern höre?“ „Mitarbeiter sollen arbeiten und nicht bloggen. Twitter, Facebook und Co haben in einem Unternehmen nichts zu suchen.“

Dass diese Aussagen zu kurz greifen, zeigen derzeit rund 70 Experten aus IT und Wirtschaft, die sich zum jährlichen Web 2.0-Kongress in Frankfurt/Main treffen. Welche Chancen bieten Facebook, Twitter und Co. für Unternehmen? Auf welche Risiken ist zu achten? Und wie können Unternehmen “Social Media” effektiv für den Verkauf ihrer Produkte einsetzen und sich sinnvoll mit den Kunden vernetzen?

Vernetzung von Unternehmen mit Kunden

Rund 200 Millionen Nutzer tummeln sich mittlerweile auf Facebook. Die Hälfte der Mitglieder ist über 35 Jahre alt. Wer heute auf dem Markt erfolgreich sein will, darf sich diesem Trend nicht verschließen.

In seiner Eröffnungsrede erklärt Prof. Marc Drüner von der Steinbeis Hochschule den Sinn und Zweck von Web 2.0 für Unternehmen wie folgt: 1971 gestaltete die University of Oregon ihren Campus neu. Der Clou: Bevor man damit anfing, Straßen und Wege zu pflastern, säte man zunächst den Rasen und teerte anschließend die Wege – entsprechend der Trampelfade, die sich nach und nach gebildet hatten. Ähnlich könne man das auch wie folgt übertragen: Wenn Unternehmen auf Social-Media-Plattformen aktiv sind, machen sie nicht nur auf sich aufmerksam, sondern wissen auch, was ihre Kunden denken. Das bewirke nicht nur einen Wissenstransfer, sondern auch eine Öffnung des Unternehmens nach außen.

Von der Community in den Warenkorb

Derzeit geben Facebook, Twitter oder Blogger ein Bild davon, was den Menschen und damit den Kunden bewegt, was er denkt und was er sich wünscht. Das haben auch viele Unternehmen erkannt, weshalb inzwischen fast 85 Prozent auf Social-Media-Websites wie Facebook eine sogenannte „Fanpage“ haben oder eigene Brand-Communities pflegen. Ein erfolgreiches Beispiel ist Smatch.com. Dies ist eine Social Community, die der Versandhändler OTTO einst gestartet hatte, auf der Kunden zum Thema Produktneuheiten und Shopping plaudern konnten. Inzwischen sind auf der genannten Webseite viele andere Onlineshops wie beispielsweise Neckermann eingebunden, so dass die Nutzer von der Community in die Warenkörbe klicken können.

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Web 2.0 Kongress

Web 2.0 Kongress in Frankfurt/Main (Foto:Christiane Stagge)


Prof. Drüner und xxx

Die Referenten Jörg Bienert und Prof. Marc Drüner (Foto: Christiane Stagge)

Zukunft: Blogs als Newsletter-Ersatz

Welche Erfolgsrezepte gibt es, um als Unternehmen erfolgreich im Web 2.0 zu agieren? Laut Drüner gelte die Faustformel 90/9/1: 90 Prozent der Nutzer besuchen eine Website ausschließlich zu informativen Zwecken, 9 Prozent sind bereit, Bewertungen via Klicks abzugeben, aber nur 1 Prozent schreibt tatsächlich Kommentare. Unternehmen müssen also die Menschen genau dort abholen – sprich weniger den Fokus auf Kommentarfunktionen legen, sondern lieber Bewertungssysteme einführen, die sich einfach anklicken lassen.

Wie Reiner Gratzefeld, Senior Manager bei Henkel ausführte, seien Blogs und Microblogs wie Twitter ein idealer Kanal, um aktuelles Wissen preiszugeben, Links zu Posten und Statusberichte zu setzen. Egal ob für den internen oder externen Gebrauch: Die tägliche E-Mail-Flut lasse sich mit Blogs erfolgreich eindämmen. Das Ziel: Der Blog ersetzt den Newsletter oder erleichtert die Schichtübergabe.

Wikis seinen hingegen ein geeigneter Kanal, um fundiertes Wissen wie Anleitungen, Dokumentationen oder Support weiterzugeben. Wichtig sei es, so Prof. Klaus Tochtermann von der TU Graz, die Mitarbeiter beim Schreiben oder Bloggen nicht allzu sehr zu beschränken und Wikis und Blogs miteinander zu verbinden.

Depressionen per Smartphone erkennen

Der derzeitige Trend geht hin zur mobilen Anwendung: User nutzen Social Communities von unterwegs aus und schreiben Nachrichten vom iPhone an ihre Kontakte oder posten Fotos. So wissen Unternehmen, die sich ebenfalls auf Social Networks tummeln, was ihre Zielgruppe denkt. Drüner ist davon überzeugt, dass „Mood Management“ in Zukunft nichts Ungewöhnliches mehr sein wird: Künftig wird man via Handy erkennen können, ob der Mensch gerade gut oder schlecht gelaunt ist. Die Handykamera scannt dabei das Gesicht und ein spezielles Programm erkennt ein Lächeln oder herabgefallene Mundwinkel.

Das sogenannte Web 2.0 hat nicht nur das User-Verhalten verändert. Es wird auch die Unternehmen hinsichtlich ihrer Transparenz, Marketingstrategie und Offenheit verändern. Firmen werden sich ihren Kunden mehr und mehr öffnen. Drüner:„Künftig werden wir Nachrichten oder Produkte nicht mehr suchen müssen – die Nachrichten und Produkte werden Sie finden.“

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