Vertriebszahlen: Alles im Blick

Feature | 4. Juni 2009 von Franziska Kopold 0

Vertriebszahlen auf Abruf: E.ON Ruhrgas Foto: Doug Marke

E.ON Ruhrgas ist nicht nur der größte Gasversorger Deutschlands. Das Traditionsunternehmen mit Sitz in Essen steuert das gesamte paneuropäische Erdgasgeschäft des Mutterkonzerns. Mehr als 11.000 Kilometer messen die Pipelines, insgesamt 713 Milliarden kWh des darin strömenden Gases setzte die AG allein 2007 ab, etwa 530 Milliarden kWh davon in Deutschland.

Daten flexibel und zentral aufbereiten

Peter Hackländer, Projektleiter bei E.ON Ruhrgas (Foto: E.ON Ruhrgas AG)


Um hierbei den Überblick zu behalten, entschied sich E.ON Ruhrgas dafür, ein flexibles Informations- und Steuerungssystem für den Vertrieb einzuführen. Dabei stand der Konzern vor der Herausforderung, Daten aus verschiedenen historisch gewachsenen IT-Systemen zusammenzuführen.

Peter Hackländer, Projektleiter für das Vertriebsprojekt bei E.ON Ruhrgas, verdeutlicht, was das Unternehmen zu diesem Schritt veranlasste: „Das neue System sollte die Vertriebsdaten zentral aufbereiten und so die operative Steuerung sowie das Controlling vereinfachen. Darüber hinaus wollten wir eine bessere Datenqualität und weniger Aufwand bei der Datenpflege.“

Dem Beschluss folgte eine offizielle Ausschreibung. Da die IT-Verantwortlichen bei E.ON ein sehr enges Zeitfenster hatten, suchten sie ganz gezielt nach einem Partner, der neben der nötigen IT-Kompetenz über Erfahrungen im Gassektor verfügte. Das Rennen machte schließlich ein Konzept von Siemens.
„Uns überzeugten die wirklich intuitiven und benutzerfreundlichen Lösungsvorschläge für das Management-Cockpit und das Berichtssystem“, erläutert Hackländer.

Bernd Klementz, bei E.ON verantwortlicher Leiter IT für das Vertriebsprojekt, ergänzt: „Aus IT-Sicht war entscheidend, dass Siemens über die notwendige Implementierungserfahrung verfügte und sich das System nahtlos in unsere IT-Strategie einfügte.“ Außerdem sprach für die Partnerschaft, dass sich beide Parteien bereits aus früheren Projekten kannten.

Vertrieb und Steuerung mit System

Bernd Klementz, Projektleiter IT bei E.ON Ruhrgas (Foto: E.ON Ruhrgas AG)


Nach konzeptionellen Gesprächen und einer umfassenden Ist-Analyse entwickelte der IT-Dienstleister zunächst einen Prototypen, den die Partner gemeinsam auf seine Praxistauglichkeit prüften. Anschließend formten die Experten hieraus ein flexibles und wandelbares System, das sich im Bedarfsfall leicht an neue Anforderungen anpassen lässt.

Die neue Vertriebssteuerung liest die aus den bestehenden Quellen extrahierten Daten ein, bereitet sie einheitlich auf und speist sie in eine Business-Intelligence-Software ein. Das erhöht die Datenqualität, die Anwendung wird wesentlich flexibler und dynamischer.

„Wir nutzten Standardtools, um für E.ON Ruhrgas eine spezifische Lösung zu erstellen. So lassen sich die Kennzahlen individuell und intuitiv aus verschiedenen Anwendungen aufbereiten“, erklärt Thomas Müller, Projektleiter für die Einführung des Steuerungssystems bei Siemens IT Solutions and Services. Um verschiedene Auswertungen mit wenigen Klicks abrufen zu können, installierten die Siemens-Experten zudem eine Intranetlösung, die auf interaktiven Webtechnologien basiert.

Ein System – drei Module

Thomas Müller, Projektleiter bei Siemens IT Solutions and Services. (Foto: Siemens)


Das neue System umfasst drei Module. Das erste ist eine JavaEE-Anwendung, die in SAP NetWeaver, Development Subscription, für die Technologieplattform SAP NetWeaver entwickelt wurde. Das Modul registriert und überprüft alle Daten in Form von Comma-Separated-Value(CSV)-Tabellen. So integriert es alle Informationen aus den verschiedenen Quellsystemen. Die Lösung berechnet die komplexen Kennzahlen und stellt sie der Business-Intelligence-Anwendung für die Auswertungen bereit. Damit das Vertriebscontrolling schnell eingreifen kann, erscheinen auftretende Fehler umgehend in einem ausführlichen Protokoll.

Das zweite Modul, das Management Cockpit, bereitet die Kennzahlen des Systems grafisch auf. Plan-/Ist-Vergleiche stellen Abweichungen transparent dar und analysieren sie. Mit Hilfe der Grafiken überblicken die Verantwortlichen außerdem jederzeit die zentralen Steuerungsgrößen.

Das dritte Modul unterstützt die individuellen Auswertungen in Standardberichten. Bestimmte Merkmale wie Segmente oder Regionen lassen sich dabei je nach Bedarf aufnehmen und bis auf das kleinste Detail herunter brechen.

Aufwand sparen, Flexibilität gewinnen

Ein halbes Jahr dauerte die Implementierung der ersten Version, im März 2009 wurde das Vertriebssteuerungssystem um einige Komponenten erweitert. „Ein sportlicher Zeitplan“, resümiert Müller. „Wir bewältigten ihn nur, weil wir auf bestehende Konzepte und Erfahrungen zurückgreifen konnten und auf beiden Seiten ein überdurchschnittlich engagiertes Team im Einsatz hatten.“

Das Engagement zahlt sich aus: „Die Mitarbeiter freuen sich über das flexible Auswertungstool, das ihnen unnötigen Aufwand erspart. Die Bedienung ist selbsterklärend und liefert in wenigen Sekunden alle wichtigen Daten“, fasst Projektleiter Hackländer zusammen.

E.ON Ruhrgas denkt deshalb bereits über ähnliche Projekte in anderen Unternehmensbereichen nach.

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