Interview: SAP-Betrieb virtualisieren

15. Juni 2011 von admin 0

fsdfsdfs

Virtuelle Server für SAP-Software - Kosten und Nutzen (Foto: Fotolia)

SAP.info: Wer Analysten aufmerksam folgt, kommt zum Schluss: Virtualisierung ist die „silver bullit“ gegen ausufernde Server- und Energiekosten. Herr Treitz, bestätigt die VMS-Untersuchung „TCO Study on Vblock“ diese Einschätzung?

R. Treitz: Niemand muss auf seine Hardware schießen und Patentlösungen gaukeln eine etwas zu einfache Welt vor. Die Analystenaussage ist in Bezug auf die bessere Auslastung von Hardware sicherlich richtig. In unserer Studie konnten wir für den Punkt „Hardware-Investment“ Anwendungs- und Datenbank-Server-Einsparungen  bis zu 86 Prozent identifizieren. Das klingt überragend, ist für SAP-Anwender dennoch eine Zahl mit beschränkter Aussagekraft.

SAP.info: Was ist der Grund für diese Schlussfolgerung?

R. Treitz: Bei den Kosten des SAP-Betriebs zählen die Fakten. Und die besagen, dass das Investment in Hardware und Systemsoftware rund 4% und die Kosten für deren Betrieb nur rund 7% des Gesamtaufwandes also der Total Cost of Ownership – TCO – ausmachen. Daraus ersehen Sie, dass eine Einsparung bei der Hardware-Investition gerade 86% von 4%, also eben nur 3,4% Einsparung auf den Gesamt-TCO-Betrag ausmacht.

SAP.info: Für SAP-Anwender lohnt sich die Beschäftigung mit Virtualisierung also kaum?

R. Treitz: Nein, im Gegenteil. Zum einen sind 3,4% Einsparungen für den SAP-Betrieb auch gutes Geld. Die stärkeren ökonomischen Vorteile liegen aber in anderen Bereichen. Diese stellen sich nicht automatisch durch den Kauf eines Virtualisierungsprodukts ein. Wer seine Hausaufgaben macht und Virtualisierung als Teil einer Gesamtarchitektur nutzt, wird aber reichlich belohnt. Er spart am Ende durch den Umstieg auf eine vollständig virtualisierte IT-Umgebung zwischen 12 und 24 Prozent im Gesamtaufwand.

(Grafik: VMS AG)

Sparpotentiale durch Virtualisierung (Grafik: VMS AG)

(Foto: VMS AG)

Ralph K. Treitz im Interview: Der virtuelle SAP-Betrieb (Foto: VMS AG)

SAP.info: Wie sollte ein SAP-Anwender vorgehen, um diesen Nutzen zu realisieren?

R. Treitz: Das TCO-Modell der SAP und die von uns aus über 2.400 SAP-Systemen ermittelte Kostenverteilung bieten eine Orientierung, um die unterschiedlichen Einflussfaktorenzu bewerten. Daraus ergibt sich, dass die wesentlichen Kostenblöcke in den Bereichen Application Operation, Continuous Improvement und Releasewechsel zu finden sind. Das ist eine Folge des immer weiteren Aufbaus von Funktionalität in den SAP-Landschaften. Wer TCO senken will, muss dafür sorgen, dass die Pflege der Anwendung günstiger wird. Und hier kann Virtualisierung eine größere Hebelwirkung auf die TCO entfalten, als im Bereich der „Bare-metal-Beschaffung“.

Für SAP-Verantwortliche ist der größte Vorteil einer Virtualisierung die Flexibilität. Das flexible Aufsetzen, Erweitern, Schrumpfen oder Kopieren von SAP-Instanzen erleichtert die Arbeit in Implementierung, Change oder Softwarepflege-Projekten enorm.

SAP.info: Sie haben in verschiedenen Untersuchungen z. B in der „TCO Study on Vblock“ oder zu „Dell VIS“ analysiert, wie hoch der Einspareffekt ist. Wie gelangen Sie zu den Ergebnissen?

R. Treitz: Jede SAP-Landschaft ist einzigartig. Deshalb haben wir für die Vblock-Studie den Einfluss der Virtualisierung anhand von drei unterschiedlichen Unternehmensprofilen – multinationaler Konzern, Großunternehmen und mittelständisches Unternehmen – prototypisch analysiert. Für diese Unternehmenstypen wurde das TCO-Modell mit Daten aus der VMS-Benchmarkbase gefüttert. Wohl bemerkt mit konkreten Daten aus unseren 2.400 vermessenen realen SAP-Infrastrukturen. Konkret wurden die TCO-Modelle der drei Firmentypen für eine Umgebung ohne Virtualisierung, für eine virtualisierte Umgebung und für eine virtualisierte Umgebung mit einem einheitlichen Managementset wie VBlock bewertet.

Für die Dell VIS-Studie, die kurz vor der SAPPHIRE NOW in Orlando entstand, haben wir eine konkrete Fallstudie, nämlich für die University of Kentucky, vorgenommen. Der konkrete Fall zeigt sogar noch höhere Einsparungen als wir sie für die Prototypen ermittelt haben.

SAP.info: Wo liegen die möglichen Schwachstellen von Virtualisierung für den SAP-Betrieb?

R. Treitz: In den Diskussionen über Virtualisierung wird gerne vernachlässigt, dass man sich eine weitere technische Komponente einhandelt. Mehr Produkte verlangen nach zusätzlichen Skills im Betrieb, mehr Technik bringt mehr potenzielle Fehlerquellen. Letztendlich muss das reibungslose Zusammenspiel mehrerer Virtualisierungstechniken, also von virtualisierten Servern, virtualisiertem SAN, Datenbankprodukt und der SAP-Basistechnologie garantiert sein. Hier droht die Gefahr, dass sich die Hersteller bei Problemen gegenseitig verantwortlich machen. Eine Zertifizierung der Produkte untereinander sowie in Richtung SAP ist vor diesem Hintergrund essentiell.

(Grafik: VMS AG)

Unternehmensprofile (Grafik: VMS AG)

(Grafik: VMS AG)

SAP TCO-Modelle (Grafik: VMS AG)

SAP.info: Was müssen Anwender tun, um sich gegen diese Probleme zu wappnen?

R. Treitz: Es ist nicht ratsam, einfach „zusätzlich“ in eine bestehende Architektur hinein ein Virtualisierungsprodukt zu kaufen. Vblock oder Dell VIS bieten hier mehr, nämlich eine fast vollständige Architektur einschließlich einheitlicher Managementwerkzeuge. Der Reifeprozess dieser Produkte schreitet rapide fort.

Während sich die ersten Lösungen noch auf die Integration des technischen Handlings beschränkt haben, erstrecken sich neue Lösungen bereits auf echtes Applikationshandling, also z. B. die vollständige Automatisierung einer Systemkopie. Hier sind Bereitstellung von Server, Storage und die entsprechenden Aktionen in den SAP-Daten in einem Management-Tool zusammengefasst. Damit reduzieren sich Aufwände, Fehlerquellen und die Zeit bis zur Bereitstellung drastisch. Hier bringt Technologie unmittelbar Vorteile für Kosten und Qualität.

SAP.info: Also alle Probleme gelöst?

R. Treitz: Nein, leider noch nicht. Es gibt noch eine Reihe von Hausaufgaben. Auf technischer Ebene muss SAP an der dynamischen Zuordnung von Memory arbeiten. Hier gibt es noch Defizite, die in bestimmten Situationen das Durchstarten des SAP-Systems erfordern.

Oder am ganz anderen Ende, bei den juristischen Themen. Wenn BAFIN (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) fordert, dass SAP-Test- und Produktionssysteme nicht zusammen auf einem Server laufen dürfen, dann müssen die Anbieter nachzuweisen, dass die Virtualisierungstechnik eine „zur Hardware-Trennung analoge“ Separation bietet. Es gibt also noch genügend zu tun für alle Beteiligten.

(Grafik: VMS AG)

So verteilen sich die Einsparmöglichkeiten (Grafik: VMS AG)

Tags: ,

Leave a Reply