VMware: Cloud braucht Virtualisierung

20. Juli 2011 von Daniel Hardt 0

Dieser Engel verließ seine Cloud, um die Besucher des Forums zu begrüßen (Foto: Daniel Hardt)

Dieser Engel verließ seine Cloud, um die Besucher des Forums zu begrüßen (Foto: Daniel Hardt)

„Ein historisches Gebäude für einen historischen Launch“, so Jörg Hesske, Country Manager VMware Deutschland. Deshalb fand das VMware Forum 2011 in Münchens guter Stube – dem Bayrischen Hof –  statt. Schließlich handele es sich um das bedeutsamste Release in der Geschichte des Unternehmens für Virtualisierungslösungen.

Im Mittelpunkt: VMware vSphere 5, die neue Version der Virtualisierungs- und Cloud Computing-Plattform, welche bis zu viermal leistungsfähigere Virtuelle Maschinen (VMs) verspricht. Neben vSphere 5 – als Basis der Cloud Infrastructure Suite – wurden drei Updates vorgestellt, die ebenfalls Teil der Suite sind: VMware vShield 5, vCenter Site Recovery Manager 5 und vCloud Director 1.5.

Zudem hat VMware für kleine und mittelständische Unternehmen (KMUs) etwas parat. Vmware vSphere Storage Appliance wandelt interne Massenspeicher von Servern in Storage Pools um und vermeidet den Einsatz von Shared Storage Hardware. Alle vorgestellten Produkte sollen im 3. Quartal 2011 verfügbar sein.

SAP.info war vor Ort und hörte bei Keynote, Pressekonferenz und Vorträgen genau zu. Dabei erfuhren wir auch, warum einer SAP-Virtualisierung nichts im Wege steht.

Martin Niemer präsentierte die Releases bei VMware (Foto: Daniel Hardt)

Martin Niemer präsentierte die Releases von VMware (Foto: Daniel Hardt)

Keynote: Cloud braucht Virtualisierung

Auf dem VMware Forum 2011 führte Jörg Hesske, zusammen mit Martin Niemer, Director SMB Solution Marketing, durch Keynote und Pressekonferenz. Hesske sieht die Virtualisierung von Unternehmen weit vorangeschritten, so dass der Fokus nun auf der Cloud liegt, um das Ziel des „End User Computing“ umzusetzen.

Dabei gilt: Ohne Virtualisierungsplattform keine Cloud. Einer Umfrage unter CIOs zur Folge befinden sich zwar erst 15% der Workloads in Public Clouds, jedoch steigt der Bedarf nach der Nutzung von Software-as-a-Service (SaaS) und der Auslagerung von Funktionen. Dabei entwickle sich der Trend weg von langfristigen Outsourcing-Verträgen hin zu einer flexiblen Handhabung auf Basis von Service-Level-Agreements (SLAs).

Martin Niemer betonte die Bedeutung der Bereitstellung der virtuellen Infrastruktur für Anwendungen. Kunden nutzen immer mehr verschiedene Geräte fernab des Desktops und wollen einfache Handhabbarkeit unabhängig des Betriebssystems. Dieser Anspruch leite sich aus der privaten Nutzung von SaaS wie Goolge, Facebook oder auch der DropBox ab. Frameworks zur Entwicklung von Applikationen sind daher vermehrt unabhängig von Betriebssystemen und teilweise auch von Datencentern.

Für Niemer ist daher für die Virtualisierungsinfrastruktur wesentlich: eine effiziente Serverauslastung, Verfügbarkeit der Applikationen, Ausrichtung am Unternehmensbedarf sowie flexible SLAs. Zudem müsse die einheitliche Infrastruktur für Interoperabilität zwischen Private und Public Cloud sorgen. Diesen Ansprüchen möchte VMware mit den neuen Releases gerecht werden.

Lesen Sie auf den folgenden Seiten:

Virtuelles Flaggschiff: vSphere 5

Cloud-Sicherung: vCenter Site Recovery Manager 5, vCloud Director 1.5, vShield 5 & vCenter Operations

Zeit ist reif: SAP virtualisieren

Im Bayrischen Hof lässt sich gut ausstellen: Insgesamt war die Veranstaltung sehr gut besucht (Foto: Daniel Hardt)

Ob Aussteller oder Besucher – der Bayrische Hof war gut besucht (Foto: Daniel Hardt)

Virtuelles Flaggschiff: vSphere 5

Zwei Punkte stechen bei der Plattform vSphere 5 ins Auge: Ein neues Lizenzmodell anhand von vRam sowie bis zu viermal leistungsfähigere Virtuelle Maschinen. Möglich sind nun 32 virtuelle CPUs, bis zu 1 TB Hauptspeicher sowie über eine Million I/O-Operationen pro Sekunde. Die Eignung besteht damit auch für rechenintensive SAP-Datenbanken.  Ressourcenverwaltung, Serverbereitstellung und Storage-Verwaltung laufen nach dem Prinzip „Set it and forget it“: Der Kunde legt Policies für VMs und Applikationen fest, Auswahl und Kontrolle der Rechenzentren erledigt vSphere automatisch  anhand der SLAs.   Als neue Funktionen kommen Autodeploy, Profile-Driven Storage und Storage DRS hinzu.

Die Lizensierung besitzt jetzt keine Restriktionen mehr durch  physische Komponenten wie CPU-Kerne oder RAM pro Server, sondern erfolgt nach Ressourcenverbrauch pro Nutzung.  Lizenzen gelten weiterhin pro CPU, Grundlage ist jetzt aber das vRam, welches als Pool genutzt wird. Das Nutzungsrecht ist nicht auf einen einzelnen Server beschränkt, sondern umfasst die Gesamtmenge des virtuellen Hauptspeichers, der frei auf VMs verteilt wird. vRam wird in den Versionen Standard, Enterprise und Enterprise Plus angeboten. Mit diesem Konzept, übertrage VMware das fürs Cloud Computing typische Pooling von der technischen auf die geschäftliche Ebene in Form von Lizenzen, so Niemer.

Erwin Breneis, Team Leader Channel System Engeneering, fügte hinzu, dass vSphere 5 ab dem 3. Quartal 2011 auch webbasiert aufgerufen werden kann. Kunden greifen über den Browser plattformunabhängig auf die Infrastruktur zu, der Webclient kommt ohne Installation aus. Als externe Datenbanken sind DB2 und Oracle-Datenbanken nutzbar, eine SQL-Anbindung soll folgen. DB Express wird als Appliance mitgeliefert.

Für KMUs wurde vSphere Storage Appliance vorgestellt. Auf die Zielgruppe zugeschnitten, besteht das Modell aus drei physikalischen Servern, die gemeinschaftlich genutzt werden. SLAs werden nach Sicherheits- und Verfügbarkeitskriterien gestaffelt in Gold, Silber und Bronze angeboten.

Wie beim „großen Bruder“ stehen intelligentes Policy-Management und automatisiertes Deployment zur Verfügung. Der interne Massenspeicher wird in einen gemeinsam genutzten Storage Pool umgewandelt.

Einig sind sich beide Referenten, dass für eine sichere Private Cloud vSphere um Komponenten wie vCenter Site Recovery Manager, vCloud Director, vShield und vCenter Operations erweitert werden sollte.

vShield: Softwarebasierter Sicherheitsansatz für Clouds (Foto: Daniel Hardt)

vShield 5: Softwarebasierter Sicherheitsansatz für Clouds (Foto: Daniel Hardt)

Cloud-Sicherung

vCenter Site Recovery Manager 5

Der Recovery Manager steigert die Verfügbarkeit durch Script-Automatisierung und hilft bei der Systemwiederherstellung. Im neuen Release wurde das Disaster Recovery, inklusive Replikationsmöglichkeiten und Failback-Funktionen, erweitert. Speicherbasierte Replikationsprodukte von Partnerherstellern sind ebenfalls implentierbar. Storage-Konfigurationen können im Haupt- und Backend-System vorgenommen werden. Neue Funktionen finden sich auch bei der automatischen Migration. Laut VMware schützt die neue Version die doppelte Anzahl an Anwendungen zum gleichen Preis.

vCloud Director 1.5

Über den vCloud Director werden Infrastrukturdienste auf internen und externen Systemen nach dem Self-Service Prinzip bereitgestellt. Neu ist die Möglichkeit zur Anlage von Linked Clones, so dass die Bereitstellung von Servern weiter beschleunigt wird und unter 5 Sekunden liegt. Auf diese Weise lassen sich bis zu 60% Storage-Kosten einsparen.

vShield 5

vShield ist ein softwarebasiertes Sicherheitsmodell für Virtualisierungs- und Cloud-Umgebungen. Gemäß den Ansprüchen an Datensicherheit, Kontrolle und Compliance werden verschiedene Sicherheitszonen erstellt, die voneinander getrennt sind und Datenaustausch unterbinden. Wandern Daten oder Anwendungen in die Public Cloud oder werden zwischen virtuellen Systemen verschoben, passt vShield die Umgebungen gemäß den Sicherheitsrichtlinien automatisch an.

Neues Tool: Data Discovery überprüft sensible Daten die auf VMs liegen, identifiziert diese und ordnet sie Sicherheitszonen zu, die den Compliance-Anforderungen entsprechen. Im Vortrag „2011 – das Jahr der veränderten Sicherheitsmodelle“ verdeutlichte Christian Liebner, Solutions Architect bei VMware, woran physische Sicherheitsmodelle scheitern: da VMs hinter der Firewall liegen, wird der Datentransfer dort nicht berücksichtigt. vShield 5 scannt diesen Traffic auf Hypervisor-Ebene und macht ihn damit erkennbar. Für zusätzliche Absicherung können über die VM-Schnittstelle physische Sicherheitskonzepte von Drittherstellern hinzugefügt werden.

vCenter Operations

Zwar ohne Neuerungen aber trotzdem sinnvoll ist vCenter Operations. Zuständig fürs Operations-Management, helfen Analysetechniken und eine integrierte Methode beim Performance-, Kapazitäts- und Konfigurationsmanagement. Auf diese Weise werden Service-Level, effizienter Ressourceneinsatz und Konfigurations-Compliance für virtuelle und Cloud-Umgebungen sichergestellt. In einer Präsentation zum Thema IT als Service zeigte Heiko Hirschler von VMware unter anderem, wie das Dashboard der Enterprise-Version als aktives Frühwarnsystem funktioniert und Fehlerquellen aufzeigt.

Christoph Reisbeck zeigte, dass auch SAP in die Cloud gehört (Foto: Daniel Hardt)

Christoph Reisbeck zeigte, dass auch SAP in die Cloud gehört (Foto: Daniel Hardt)

Zeit ist reif: SAP virtualisieren

Die Virtualisierungslösungen von VMware sind bereit für SAP-Anwendungen, da sind sich die Referenten des Forums einig. Country Manager Jörg Hesske wies darauf hin, dass der Trend zu x86 und weg von Unix gehe. 99 Prozent der mit x86 virtualisierten SAP-Anwendungen stammen von VMware, 38 Prozent von diesen SAP-Kunden virtualisieren zu 100 Prozent.

Martin Niemer fügte hinzu, dass knapp die Hälfte aller Applikationen bereits virtuell laufen und komplexe Tier 1-Applikationen vermehrt dazu zählen. Christopher Reisbeck, Manager Market Development SAP bei VMware, spricht gar davon, dass 99 Prozent aller SAP-Systeme virtualisierbar seien.

Gegenüber 10.000 SAPs beim Vorgänger, seien mit vSphere 5 35.000 SAPS (SAP Application Performance Standard) keine Illusion. Da SAP nur bereits veröffentlichte Software testet, stehe der Benchmark-Test allerdings noch aus. Komplexe SAP-Datenbanken würden daher keine Hürde darstellen. Auch sieht Reisbeck in x86 die Zukunft bei SAP-Anwendungen, besonders da SAP HANA ausschließlich auf dieser Technologie laufe.

Beispiel: SAP-Projekt C³

Als Beispiel stellte Reisbeck, zusammen mit Business Development Manager Michael Jilg von der SAP AG, das Projekt SAP Corporate Compute Cloud (C³) vor. Ausnahmsweise einmal selbst in der Kundenrolle, forciert SAP den Einsatz von Virtualsierungstechnik, um Kunden und eigenen Mitarbeitern Infrastructure-as-a-Service (IaaS) im großen Stil anzubieten.

Im letzten Quartal 2009 gestartet, liegt die Zahl virtueller Server momentan bei 53 Prozent, 2012 sollen es 80 Prozent sein. Für dieses Vorhaben gilt es, Prozesse sowie Service- und Geschäftsmodelle an das Cloud-Konzept anzupassen und ein automatisiertes Management der virtuellen Umgebung zu erreichen. Die Größenordnung macht deutlich, was Virtualisierung leisten kann:

SAP besitzt heute 19.000 VMs, wobei eine virtuelle CPU 1.700 SAPS schafft. Insgesamt werden pro Tag 2.500.000 Emails verschickt, Backups von insgesamt 400TB erstellt und 10.000 Systeme betreut.

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