Vollautomatische Lieferkette reduziert Beschaffungskosten

Feature | 3. Februar 2003 von admin 0

Vorteile von VMI für Lieferanten und Kunden

Vorteile von VMI für Lieferanten und Kunden

Eine perfekte Lieferkette wird nicht nur durch den physischen Materialfluss, sondern vor allem durch einen schnellen, sicheren Datenfluss bestimmt. Deshalb gewinnt die elektronische Beschaffung über das Internet sowohl bei großen als auch bei mittelständischen Unternehmen zunehmend an Bedeutung. Einschlägigen Marktstudien zufolge wird in den kommenden Jahren mit 20 bis 40 Prozent ein beachtlicher Anteil an Ersatzteilen und Zulieferartikeln online beschafft. Ein erster Schritt, um das Internet systematisch für Aufträge und Bestellungen zu nutzen, sind elektronische Branchenmarktplätze und Online-Shops. Damit lassen sich Bestell- und Abwicklungsarbeiten bereits deutlich vereinfachen. Noch besser und günstiger sind vollautomatisierte Bestellprozesse zwischen Händlern und Lieferanten.

Vendor Managed Inventory

Die ungleich schnellste und bequemste Art des elektronisch geführten Handels stellt jedoch das Vendor Managed Inventory (VMI) dar. In diesem Falle übernimmt der Lieferant die automatische Lagerdisposition für seine direkten Abnehmer. Der Lieferant hat dabei den unmittelbaren Zugriff auf den Bestand und den prognostizierten Absatz seines Händlers. Während in einem herkömmlichen, dezentralisierten System der Abnehmer das Bestellwesen koordiniert und auf eine zeitnahe Lieferung hofft (Pull-Prinzip), erhält der Lieferant beim VMI alle wesentlichen Daten wie beispielsweise Lagerbestand, Abverkauf, Fehlmengen oder Absatzprognosen online, um den gesamten Bestellprozess vollautomatisch anzustoßen und durchzuführen. Der Lieferant entscheidet also über Zeitpunkt und Bestellmenge, die an den Abnehmer geliefert wird (Push-Prinzip).
Von dieser neuen, intensiven Art der elektronisch geführten Geschäftsbeziehung profitieren beide Seiten. Während der Lieferant den Servicegrad für seinen Kunden deutlich erhöht, lassen sich auf Kundenseite die Material- und Prozesskosten merklich senken.

Bestellwesen automatisiert

Von diesen Vorteilen ließ sich auch die Kistenpfennig AG leiten, die im zweiten Quartal 2002 ein VMI für die Lieferkette zu ihrem Lieferanten FAG Kugelfischer AG implementierte. Der Schweinfurter Wälzlagerkonzern FAG Kugelfischer Georg Schäfer AG zählt zu den größten Unternehmen seiner Branche. Im vergangenen Jahr machte der Konzern weltweit über zwei Milliarden Euro Umsatz. Die Kistenpfennig AG ist ein langjähriger wichtiger Händler für FAG Kugelfischer. Das Unternehmen ist mit zehn Standorten bundesweit vertreten.

Technischer Background

Technischer Background

Mit der Einführung des VMI beauftragte FAG Kugelfischer den Eschborner IT-Dienstleister HLP. Auf Seiten von FAG Kugelfischer kommt dabei das SAP-R/3-Release 4.6B zum Einsatz, in dem der komplette VMI-Prozess auf Lieferantenseite abgebildet wird. Kistenpfennig verwendet eine Individualsoftware, die den kompletten VMI-Prozess auf Kundenseite unterstützt. Die Verbindung beider Unternehmen wurde über das Internet realisiert. Die Daten werden dabei in Form von standardisierten XML-Nachrichen (SAP-XML) über https ausgetauscht. Zum Nachrichtenversand kommt auf Seiten von FAG Kugelfischer der SAP Business Connector zum Einsatz, auf dem spezielle Programme erstellt wurden, um Nachrichten zu senden und zu empfangen. Kistenpfennig wiederum verwendet zu diesem Zweck eine Individuallösung.

Das Projekt startete im April 2002 und wurde im August 2002 produktiv gesetzt. Die Implementierungsphase dauerte nur acht Wochen. Seither arbeiten die ERP-Systeme beider Unternehmen vollautomatisch zusammen. Die Datenintegrität ist jederzeit gewährleistet. Ein Großteil der Projektarbeit wurde für Konzeption, Abstimmung und Test benötigt. Zum Projekterfolg hat dabei wesentlich das stringente Projektmangement beigetragen und der hohe Stellenwert der Kommunikation auf beiden Seiten.

Regale automatisch gefüllt

Grafische Darstellung

Grafische Darstellung

Seit einigen Monaten sendet die Kistenpfennig AG nun täglich vollautomatisch Informationen bezüglich Bestandssituation und Auftragsbestand seiner Kunden – einschließlich geplanter Abverkäufe – an FAG Kugelfischer. Aus diesen Informationen ermittelt der Lieferant FAG wiederum automatisch den Materialbedarf und erzeugt in der Vertriebskomponente (SD) des eigenen ERP-Systems SAP R/3 Kundenaufträge. Anschließend wird die Auftragsbestätigung automatisch per WebEDI (XML) an das individuell entwickelte ERP-System von Kistenpfennig zurück gesendet. Die eingegangene Auftragsbestätigung verwendet der Händler nun dazu, eine Bestellung im Einkaufsmodul anzulegen. Als Rückmeldung erhält der Lieferant FAG vom System der Kistenpfennig AG die Bestellnummer zum Eintrag in den Kundenauftrag. Zurück an Kistenpfennig kommen direkt aus dem ERP-System der FAG Kugelfischer Lieferavis und Rechnung. Damit die Vorgänge für Kistenpfennig transparent bleiben, hat der Großhändler jederzeit die Möglichkeit den Fortgang der Aufträge über eine einfach zu bedienende Web-Applikation abzurufen.

Zum Unternehmen HLP

Zum Unternehmen HLP

Das Vendor Managed Inventory setzt ohne Frage ein hohes Maß an Vertrauen zwischen den Partnern in einer Supply-Chain voraus. Belohnt wird diese neue Art der automatischen Abwicklung mit einer zeit- und aufwandsoptimierten Lieferkette, wie sie kaum besser zu realisieren ist. Reduzierte Lagerhaltung bei kürzeren Reaktionszeiten und höherer Lieferbereitschaft: Die Vorteile für den Händler sprechen für sich. Aber auch der Lieferant profitiert deutlich von VMI. Durch das hohe Vertauensverhältnis entsteht häufig eine langjährige Kunden-/Lieferantenbeziehung.

Mirko Heger

Mirko Heger

Leave a Reply