Von den Kleinen lernen

28. Februar 2013 von Susan Galer 0

Photo: iStockphoto

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Es ist schon geradezu ein Gemeinplatz, dass der Mittelstand einen wichtigen Beitrag zur Schaffung von Arbeitsplätzen, zur Innovation und zum weltweiten Wirtschaftswachstum leistet. Doch sosehr das auch stimmt, liegt der Teufel oft im Detail. Gerade kleine Unternehmen kämpfen häufig damit, kostendeckend zu arbeiten, ihre Rechnungen bezahlen zu können und Geld für zukünftige Investitionen auf die Seite zu legen.

Ein kürzlich veröffentlichter Bericht der Economist Intelligence Unit zeigt auf, wie wachstumsstarke Mittelstandsunternehmen ihre Geschäftstätigkeit ausweiten, ohne ihre Stabilität und ihren langfristigen Erfolg zu gefährden. Grundlage für den Bericht waren Interviews mit 16 kleinen und mittleren Unternehmen auf der ganzen Welt, deren Jahresumsatz weniger als 750 Mio. US-Dollar beträgt. Wir haben die wichtigsten Ergebnisse für Sie zusammengefasst. Der vollständige Bericht kann hier abgerufen werden.

Operative Strategien als Grundlage für geschäftliches Wachstum

Eine operative Strategie mit einer klaren Planung, wie das Unternehmen mehr Waren oder Dienstleistungen bereitstellen möchte, ist entscheidende Voraussetzung dafür, dass ausreichend Ressourcen (Technologie, Personal, Kapital) zur Verfügung stehen. „Entscheidend für das Wachstum sind Ressourcen, die genau dann zur Verfügung stehen müssen, wenn das Unternehmen expandieren möchte“, erklärt John Evarts, CFO und COO bei dem amerikanischen Mittelstandsunternehmen Mediafly, das sich um Verwaltung und Verteilung von Inhalten auf mobilen Endgeräten kümmert. „Was die operative Strategie betrifft, so besteht meine Aufgabe bei Mediafly unter anderem darin, unser Haus so zu positionieren, dass wir über eine optimale Infrastruktur zur Unterstützung unserer Produkte und unseres Vertriebsteams verfügen.“

Wachstum setzt neue Strukturen und Prozesse voraus

Wenn ein Unternehmen wächst, hat dies oftmals auch Auswirkungen auf die Organisationsstruktur: an die Stelle bislang eher informeller Strukturen unter der Leitung eines Geschäftsführers treten dann formelle Hierarchien. „Ein typisches Problem besteht darin, dass ein Unternehmen nicht über die Systeme und Strukturen verfügt, die einen Investor darauf vertrauen lassen, dass das Unternehmen wirklich Wachstumskapazitäten hat“, erläutert Oliver Bayne, Beamter im britischen Department for Business, Innovation and Skills. Es müssen einfache Abteilungen, Managementstrukturen, Berichtslinien und Kommunikationskanäle eingeführt werden.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Immer mehr KMUs nutzen neueste Technologien.

Voraussetzung für Wachstum sind außerdem Richtlinien und klar definierte Vorgehensweisen sowie die Einführung wiederholbarer Standardprozesse in den Bereichen Verwaltung, Finanzwesen und Personalwirtschaft. „Unsere Systeme ermöglichen es uns, die Produktivität jedes einzelnen Mitarbeiters durch die Standardisierung und Automatisierung zahlreicher Routineaufgaben beispielsweise bei der Beschaffung und Fakturierung um ein Vielfaches zu steigern“, so Ricardo Pansa, Geschäftsführer des brasilianischen Pflanzenschutzmittelherstellers Nutriplant.

Immer mehr Mittelstandsunternehmen nutzen neueste Technologien

Für den Ausbau der operativen Plattformen benötigen Unternehmen Informationstechnologie. Die gute Nachricht ist, dass kleine und mittlere Unternehmen innovative Technologien oft schneller einführen können als große Konzerne und sich damit einen klaren Wettbewerbsvorteil verschaffen.

„Es ist viel einfacher geworden, gute IT-Lösungen zu bekommen, die auch bezahlbar sind“, meint Brian Protiva, Mitbegründer und Geschäftsführer des deutschen Telekommunikationsausrüsters ADVA Optical Networking. „Man braucht eine möglichst günstige, flexible, dynamische und skalierbare IT.“

Mediafly gehört zur wachsenden Zahl der Mittelstandsunternehmen, die mithilfe von Cloud-Lösungen eine flexible Plattform für ihr geschäftliches Wachstum geschaffen haben. Ohne die Möglichkeiten, die sich durch Cloud-Lösungen bieten, hätte Mediafly John Evarts zufolge in IT-Systeme zur Bereitstellung der Daten, IT-Teams für die Verwaltung der Systeme und Kapazitäten für Redundanz und Disaster Recovery investieren müssen. Für das Unternehmen hätte dies hohe Anschaffungs- und Betriebskosten bedeutet. Stattdessen nutzt Mediafly die Lösung eines Cloud-Anbieters und kann dabei ganz nach Bedarf die jeweils benötigten Funktionen auswählen. „Für uns ist es ein immenser Vorteil, dass die Fixkosten für unser Geschäftsmodell begrenzt sind, da wir so flexibel bleiben“, erläutert John Evarts.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Mit den richtigen Mitarbeitern klappt’s mit der Wachstumsstrategie.

Cloud-Lösungen ermöglichen kleinen und mittleren Unternehmen auch einen einfachen Zugriff auf wichtige Daten. Mediafly nutzt für seine Buchhaltung beispielsweise eine Online-Software, mit der sich Fakturierung, Rechnungsstellung, Berichtswesen und andere Finanzprozesse automatisieren lassen. „Da die Lösung cloudbasiert ist, haben wir unabhängig vom Standort die Möglichkeit, Probleme zu beheben, die optimale Auslastung zu bestimmen und Ressourcen in Echtzeit bereitzustellen“, so John Evarts. „Durch die Cloud ist der Zugriff auf Informationen so viel einfacher geworden.“

Ein Unternehmen braucht die richtigen Mitarbeiter

Für Thomas Eisenmann, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Entrepreneurial Management Unit der Harvard Business School, lautet eine wichtige Frage: „Gibt es in dem Unternehmen Führungskräfte, die sich mit der Führung eines größeren Unternehmens auskennen?“ In vielen Fällen lautet die Antwort auf diese Frage „Nein“.

Einige Unternehmen setzen auf Schulungen, um ihren Mitarbeitern die nötigen Kenntnisse zu vermitteln. „Wir verfolgen die Strategie, nach Möglichkeit unsere eigenen Mitarbeiter weiterzuentwickeln“, berichtet Ricardo Pansa. „Wir sind damit besser gefahren als mit der Einstellung neuer Mitarbeiter, die bereits in verschiedenen Unternehmen Erfahrungen gesammelt haben. Das liegt daran, dass unsere Mitarbeiter der ersten Stunde sich mit unserem Unternehmen besonders verbunden fühlen und sehr engagiert sind. Meiner Ansicht nach ist dies auch in vielen anderen kleinen Unternehmen der Fall.“

Es kann jedoch auch vorkommen, dass ein Unternehmen auf Wachstumskurs zu groß für seine bisherigen Mitarbeiter wird. Larry Gould, Gründer und Geschäftsführer des britischen Übersetzungs- und Dolmetscherbüros thebigword, hat die Erfahrung gemacht, dass Mitarbeiter, die in einer kleinen Firma gute Leistung erbringen, unter Umständen für die Arbeit in einem größeren Unternehmen weniger gut geeignet sind. „Es ist alles andere als leicht“, gibt Larry Gould zu, „doch man muss sich die Frage stellen, ob man über die richtigen Mitarbeiter verfügt, um das Unternehmen sicher zu expandieren.“

Die befragten Mittelstandsunternehmen ziehen ein klares Fazit: Wenn kleine und mittlere Unternehmen ihr Wachstum sorgfältig planen und die damit verbundenen Strategien mit Bedacht umsetzen, verfügen sie über die erforderlichen Ressourcen für die Ausweitung ihrer Geschäftstätigkeit und können schnell auf unvorhergesehene Marktentwicklungen reagieren.

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