Von Industrie 4.0 bis mobile Payment

31. März 2014 von Andreas Schmitz 0

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„Was die Deutsche SAP-Anwendergruppe DSAG für die Kundeninteressen ist, sind wir für die Partnerinteressen“, erläutert Axel Mattern, der seit Mitte letzten Jahres der Vorstandsvorsitzende der International Association for SAP Partners IA4SP ist und sich bis Ende des Jahres einen Mitgliederzuwachs auf mindestens hundert Mitglieder erwartet. Foto: privat

Wenn es ums Thema Industrie 4.0 geht, kommt Thomas Schmischke in Fahrt. Der Geschäftsführer des IT-Beratungshauses Return on Concept leitet die Gruppe Industrie 4.0 bei der International Association for SAP Partners (IA4SP), einem Verein, der die Interessen der SAP-Dienstleister und –Berater bündelt. „Was bedeutet das Thema für die Berater und Dienstleister?“, will der gelernte Wirtschaftsingenieur herausbekommen. Beim Hype-Thema Industrie 4.0 liegt die Herausforderung zunächst einmal darin, aus der „Themenwolke“ jene auszusortieren, die aktuell aus SAP-Sicht eigentlich nur am Rande interessant sind, wie etwa Arbeit 4.0, Sensortechnologie oder die Mensch-Maschine-Schnittstelle. „Wir wollen uns auf Themen fokussieren, die für unsere Mitglieder und deren Kunden schon sehr bald  wirtschaftliches Potenzial versprechen“, so Schmischke.

Der Themenkreis der IA4SP ist sich einig:  Predictive Maintenance, intelligente Fertigungsaufträge in der papierlosen Fabrik, Produkte mit Gedächtnis und das nutzungsabhängige Bezahlen („Usage based billing“) sind die Szenarien, die in dem Kontext wirklich spannend sind. In einer Fertigungsstraße, in der vielleicht 1.000 Sensoren genutzt werden, schlägt heute das System Alarm, wenn ein Anlagenteil überhitzt und unterbricht die Produktion. „Jeder Sensor liefert beispielsweise alle 5 bis 10 Sekunden einen oder mehrere Messwerte. Künftig werden wir unterstützt durch SAP HANA und Big-Data-Technologien den Datenstrom der Sensoren in Echtzeit auswerten können und etwa aus Temperaturverläufen und deren Vergleich mit historischen Kurven schon vor dem Erreichen des Alarmwertes einen Hinweis auf eine zu erwartende Überhitzung erhalten. So können wir kostengünstig die unerwartete – teurere – Störungsbeseitigung durch eine planbare Instandhaltungsmaßnahme ersetzen.“, erläutert Schmischke.

Industrie 4.0: Der „Autopilot“ für die Fertigung

In den intelligenten Fertigungsaufträgen sieht Schmischke die nächste relevante Industrie 4.0-Anwendung. Wenn also in einer Fabrikhalle kein Leitstand mehr für die direkte Feinsteuerung nötig ist, dann ist das bald keine Vision mehr, sondern Realität. Ein „Autopilot“ in jedem Fertigungsauftrag entscheidet eigenständig, wie Maschinen eingesetzt werden. „Ist die Schlange vor Maschine A zu lang, schickt sich der Auftrag selbst gleich zu Maschine B weiter, ohne Zutun eines Menschen“, erläutert Schmischke. Auftragspapiere sind in diesem Prozess digital unterwegs. Eine Maschine erkennt die Auftrags-ID und lädt sich die entsprechenden „Papiere“ zeitgleich auf einen Monitor, auf dem sie dann für den Arbeiter zur Verfügung stehen. So kann nichts verloren gehen oder verwechselt werden. Änderungen in laufender Fertigung sind leichter möglich. Das Ideal des wirtschaftlich produzierbaren „Lot of one“ (Losgröße 1) rückt näher – und damit die Chance, die Lagerbestände besonders klein zu halten und die Durchlaufzeiten zu verkürzen.

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Nächste aus IA4SP-Sicht wichtige Anwendung: Das Produkt mit Gedächtnis. Kommt ein Pkw nach 10.000 Kilometern Laufleistung heute in die Werkstatt, kann der Mechaniker den Logspeicher auslesen und erfährt so, ob eine Regelinspektion ausreicht oder aber ein tieferer Blick unter die Haube nötig ist. Schmischke sieht dieses Szenario auch für günstige Alltagsprodukte: In einem Receiver etwa ließen sich Kennwerte aus Herstellungsprozess und Nutzungsverlauf (z.B. Raumtemperatur beim Anschalten) in einem Chip speichern. Beschwert sich ein Kunde innerhalb der Garantiezeit, haben es die Servicetechniker einfacher, die Ursache herauszufinden.

Last but not least: Das nutzungsgerechte Abrechnen („Usage based billing“). Hat etwa ein Unternehmen eine Maschine geleast, lastet sie aber temporär nur zu 30 Prozent aus, wird diese Minderauslastung automatisch übers Netz an die Leasinggesellschaft übermittelt, welche für den Monat dann eine entsprechend reduzierte Leasingrate aufruft. Bei Vollauslastung ist die Leasingrate entsprechend höher. „Damit werden die Fixkosten variabel“, erläutert Schmischke den Vorteil.

IA4SP: Die Ziele der Arbeitsgruppen

Mit diesen Schwerpunkten will der Themenkreis Industrie 4.0 des IA4SP auch „Anlaufpunkt sein für Kunden, die passende Dienstleister etwa für ein Pilotprojekt suchen und für Dienstleister, die punktuelles Knowhow ergänzen wollen oder für ein anstehendes Projekt Partner suchen“, ergänzt Schmischke.

Die Ziele der Arbeitsgruppen beim IA4SP ist dreierlei:

  1. Gegenseitige Weiterbildung: Es gibt Sparringspartner mit ähnlichen Themen. Es wird klar, welches Know How nötig ist, das Thema anzugehen und von welchen Kriterien es abhängt, in das Thema tiefer einzusteigen.
  2. Collaborative Business: Entwicklungspartnerschaften helfen, Themen gemeinsam anzugehen und schneller gangbare Lösungen zu entwickeln.
  3. Neutraler Andockpunkt für Kunden: Die Lernkurve innerhalb der Arbeitsgruppen lässt sich dann auch an die Kunden weiter geben, die vor der Frage stehen, wie sie das Thema angehen sollen. Von der IA4SP organisierte Workshops schaffen den Rundumblick auf das Thema.

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„Was die Deutsche SAP-Anwendergruppe DSAG für die Kundeninteressen ist, sind wir für die Partnerinteressen“, erläutert Axel Mattern, der seit Mitte letzten Jahres der Vorstandsvorsitzende des Vereins ist und sich bis Ende des Jahres einen Mitgliederzuwachs auf mindestens hundert Mitglieder erwartet. Mattern ist nicht zufällig an der Spitze der IA4SP. Denn als SAP-Alliance-Manager beim SAP-Dienstleister arvato Systems GmbH ist er zugleich bei einem „Master Value Added Reseller“ (MVAR) tätig. Und das wiederum ist interessant besonders für kleinere SAP-Beratungshäuser, die so über den die Arbeits- und Themenkreise einen direkten Kontakt zu den Lizenzgebern der SAP-Welt bekommen.

Industrie 4.0 ist nur eines von mehreren Themen in den Arbeitsgruppen. Fred Kroll etwa, der Vertriebsleiter des IT-Dienstleisters SMF in Dortmund, beschäftigt sich in seiner Arbeitsgruppe mit Geschäftsmodellen. Sein Spezialthema: Mobile Payment. Kroll propagiert das Bezahlen an einer Kasse im Kaufhaus mit Hilfe eines QR-Codes. Wer also mit seinen Einkäufen an der Kasse ankommt, zückt nicht seine EC-Karte oder bezahlt bar. Er scannt mit seinem Smartphone einen QR-Code und schon ist die Summe vom Konto über den Online-Bezahldienst Paypal abgebucht. Beim Schuhhersteller Deichmann und dem Computerladen Cyberport ist der QR-Einkauf schon möglich.

Zum Beispiel „Mobile Payment“: Neue Geschäftsmodelle diskutieren

Ziel der Gruppe ist es dann, auch in anderen Branchen ein Bewusstsein für die Möglichkeiten der noch jungen Idee zu schaffen und die einfachste Lösung für das Bezahlen via Smartphone möglich zu machen. In Slowenien dürfte die Idee auf besondere Resonanz treffen: Denn wer in dem osteuropäischen Staat als „Vorsteuerabzugsberechtigter“ mehr als 400 Euro ausgeben möchte, darf nicht bar bezahlen. „Da aber viele Slowenen auch nicht über eine EC- oder Kreditkarte verfügen, wäre eine Option nicht schlecht“, so Kroll, der sich besonders auf dem Tankstellenmarkt Pilotprojekte für 2014 erhofft. Erste QR-Payment-Pilotprojekte erhofft sich Kroll in 2014 zudem für den Tankstellenmarkt, über den bereits damals auch die Kreditkarten ihren Einzug gehalten haben.

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