„Die Tür zum Handeln steht offen“

26. September 2012 von Andreas Schmitz 0

Foto: DSAG

Wenn man Andreas Oczko reden hört, den stellvertretenden Vorsitzenden der Deutschen SAP Anwendergruppe DSAG, dann merkt man schon noch seinen Groll über die SAP-Lizenzpolitik, über das Dilemma, Problemen nicht offen die Stirn zu bieten und transparent zu sein. Fehlendes Rückgrat ist das letzte, was man dem Bertelsmann-Mann und Leiter des Gütersloher CCC vorwerfen könnte. Karl Liebstückel ist nicht weniger kritisch in seiner Keynote auf dem DSAG-Kongress in Bremen, und doch übt er sich in Milde. Schliessich ist es sein letzter grosser Auftritt in dieser Funktion. Es hat – besonders nach dem Abgang von Ex-Vostandschef Leo Apotheker, hört man durch – ein grosser Wandel stattgefunden.

Dennoch: Durchgängige Geschäftsprozesse, nutzungsgerechte Preismodelle, bessere Benutzeroberflächen, fragwürdiger Businesscase für SAP HANA, Vereinbarkeit von Cloud und ERP, weniger Komplexität in Sachen Mobility: Karl Liebstückel benennt die Problemzonen zwischen Anbieter SAP und Anwendern. Da passt es, dass just beim letzten Kritikpunk das Smartphone von Michael Kleinemeier ins Rund der Pressekonferenz schallt. Syclo, Sybase, SuccessFactors: Kaum ist Sybase mehr schlecht als recht in die Anwendungslandschaft eingebunden, ist auch schon Syclo gekauft. Die Komplexität nimmt zu, und auch das Smartphone des Geschäftsführers der SAP Deutschland AG Kleinemeier will nicht aufhören zu lärmen.

„Lange nicht da, wo wir sein wollen“

„Wir sind noch lange nicht da, wo wir sein wollen“, räumt Kleinemeier ein. Trotz 193 „Improvements“ von bestehenden Produkten, 200 mobilen Applikationen, die zudem eine höhere Individualisierung möglich machen sollen, 17 Millionen Usern, die sich schon in der Cloud bewegen und so weiter. Kleinemeier weiss: HANA funktioniert nicht auf  Zuruf, sondern vor allem dann, wenn der Datenverarbeitungsbeschleuniger in Verbindung mit neuen Prozessen eingesetzt wird.

Zum Beispiel bei einem amerikanischen Luftfahrtunternehmen, das nun seine Sitzplanbelegung mithilfe von HANA plant. Und auch das Mittelstandsgeschäft der SAP ist noch nicht da, wo es sein könnte, auch wenn Michael Kleinemeier die beeindruckende 79 Prozent Anteil am Gesamtumsatz benennt („weltweit, in Deutschland in etwa genauso“).  Dennoch ist das Königsprodukt für den Mittelstand  zumeist bei ganz kleinen Unternehmen (58 Prozent der ByDesign-Nutzer beschäftigen bis zu 15 Anwender) unterwegs. Die Hoffnung liegt auf Tochterunternehmen von grossen Unternehmen, die ByDesign künftig vermehrt einsetzen sollen.

Es wird also noch Bedarf geben an den neuen Instrumenten der Zusammenarbeit – Action-Items, die festlegen, wer sich mit welchem Inhalt einbringen soll. Und an der Fortsetzung der Beziehungsworkshops, die nun zwei mal im Jahr stattfinden, primär mit dem Ziel, die Kommunikation im Gang zu halten. „Die Tür zum Handeln steht offen“, resümiert Karl Liebstückel. Besonders für seinen Nachfolger.

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