Wachstumsbranche Energie

Feature | 30. Januar 2008 von Christine Macfarlane 0

Durch die Sprinkleranlagen des Kernkraftwerks in der Ukraine zirkulieren täglich 10.000 Kubikmeter Wasser. Der Einlass am Kühlteich muss frei von Schmutz und Schlick sein. Dafür haben Ingenieure in Kiew eigens einen ferngesteuerten Schwimmbagger, eine komplette mobile Entwässerungsanlage und ein Mittel entwickelt, das den Schmutz ausflocken lässt.

Die Kohlewäscherei begrenzt die Produktionskapazität eines Steinkohlebergwerks in der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten. An dem dicht besiedelten Standort darf kein flüssiger Abfall freigesetzt werden. Daher ist das Bergwerk mit einem neuen Doppelstockfilter ausgestattet, der das Brauchwasser von feinen und ultrafeinen Kohleresten reinigt.

Ähnliches gilt für ein Ölfeld in Südkalifornien. Dort werden täglich 80.000 Barrel Öl und 700.000 Barrel Wasser gefördert. Eine spezielle Polymerbehandlung verbessert die Wasserqualität und verringert die Aufbereitungskosten gegenüber dem Vorgänger-Verfahren um mehr als 25 Prozent.
Hinter allen drei Projekten steckt KEM-TRON Technologies. Kundenspezifische Reinigungsverfahren rund um Öl, Gas, Kohle, Wasser – das ist das Kerngeschäft, mit der sich das junge Unternehmen in Bergbau, Bauwesen, bei Abwasser und Horizontalbohrtechnik rasch einen Namen gemacht hat.

In Texas zu Hause, weltweit bekannt

Der Markt wächst. Nach Prognose der US-Behörden wird der Energieverbrauch bis 2030 weltweit um mehr als 50 Prozent steigen. KEM-TRON passt sich diesem Trend an – und unterhält deswegen neben dem Hauptsitz in Houston auch Standorte in Russland, Indien, Europa und dem Nahen Osten, um die Nachfrage nach seinen Produkten und Dienstleistungen besser zu bedienen.

Zwar sind Mitbewerber wie Cameron International, National Oilwell Varco oder Weatherford International um einiges größer als KEM-TRON. Doch: “Wir waren immer dazu bereit, für unsere Kunden Lösungen individuell zu entwerfen und zu bauen”, sagt Jai Mehta, CEO von KEM-TRON CEO. “Daher wurde man auf uns aufmerksam.”

Ein hartes Geschäft

In den Jahren 2005 und 2006 verbuchte KEM-TRON eine Umsatzsteigerung von mehr als 40 Prozent und liegt damit deutlich über der Wachstumsrate der Branche insgesamt. KEM-TRON konnte seinen Mitbewerbern also Anteile abnehmen. Doch das rasche Wachstum forderte seinen Tribut: Die Mitarbeiter waren überlastet, die Räumlichkeiten wurden langsam zu eng. Ebenso ausgereizt waren die Möglichkeiten, mit der vorhandenen Business-Management-Software zu planen, die Produktion zu steuern sowie Buchhaltung und Kostenrechnung abzuwickeln.

“Uns war klar”, bekräftigt Mehta rückblickend, “dass unsere vorhandene IT nicht mir dem Wachstum Schritt halten konnte – und wir deshalb erheblich in eine neue Plattform investieren mussten.” Auch hatte Mehta keinen Zweifel, dass es für seine Anforderungen vermutlich nur eine handvoll Produkte geben würde.

Kurz entschlossen ins Projekt

Eines davon ist die FourthShift Edition for SAP Business One des SAP-Partners SoftBrands. Als Dan Sechrist von TBC International Consulting aus dem nahe gelegenen Salado die Lösung Anfang 2007 präsentierte, erkannte Mehta rasch, dass er sich ernsthaft mit dem Produkt befassen musste. “Wir verzichteten sogar auf eine auf uns zugeschnittene Demo. Nach einer vierstündigen Standardpräsentation stellten wir viele Fragen, formulierten unsere Wünsche an SAP – und legten los”, sagt Mehta.

Nach dreißig Tagen waren die Anforderungen festgeklopft, der Implementierungsplan festgelegt und die Kosten abgesprochen – es kam zum Abschluss. Ende Mai 2007 ging KEM-TRON in die Konzeptionierungsphase. Zu diesem Zeitpunkt hatten viele Mitarbeiter Urlaub, erinnert sich Mehta. “Wir können es uns aber als kleines Unternehmen nicht leisten, uns dadurch von unseren Plänen abhalten zu lassen. Manchmal lässt sich nicht jedes Detail im Voraus planen. Es ging uns darum, das große Ganze nicht mehr aus den Augen zu verlieren, um letztendlich unsere Ziele zu erreichen.”

Nach der Konzeptionierung stand im Juni die Anpassung der Geschäftsprozesse für die Buchhaltung auf dem Plan. Die Beziehungen zwischen den diversen Konten wurden definiert und Vorlagen für die Finanzberichte erstellt. Im August folgten die Abläufe zwischen Konstruktion und Fertigung, KEM-TRON lud Stücklisten und definierte Artikelstämme. Den Abschluss bildeten im September letzte Anpassungen und die Datenpflege durch TBC Consulting.

In der ersten Novemberwoche ging KEM-TRON schließlich mit der neuen Lösung produktiv. Nach einem Wochenende für den “Cutover” und einer kurzen Periode intensiver Nachbearbeitung stand KEM-TROn seinen Kunden wieder voll zur Verfügung. Natürlich, so Mehta, sei es für den Mittelständler KEM-TRON nicht leicht gewesen, die hierfür notwendigen Mitarbeiter zu entbehren. Aber letztendlich habe sich alles mit einigen Überstunden erledigen lassen.

Solide Planung für spezielle Kundenwünsche

Nach ersten Erfahrungen mit der SAP-Business-One-Lösung ist Mehta im Hinblick auf künftige Expansionen zuversichtlich: “Diese Lösung wird unser organisches Wachstum unterstützen, sie macht es aber auch möglich, Zahlen und Daten bei Akquisitionen leicht zusammenzuführen.”

Die ersten positiven Effekte ließen nicht lange auf sich warten. So ist beispielsweise die Anzahl kurzfristiger Besprechungen aufgrund spezieller Kundenanforderungen drastisch zurückgegangen. “Kundenspezifische Lösungen machen einen Großteil unseres Geschäfts aus. FourthShift Edition for SAP Business One versetzt uns in die Lage, mit Produktionsplänen zu arbeiten, die auf der Kapazitätsplanung, der Absatzprognose, den Inventurlisten, den offenen Aufträgen und der Ressourcenplanung basieren”, so Mehta.

Mit der neuen Lösung kodiert KEM-TRON die Lagerplätze seiner Waren und reduziert so unnötigen Überbestand. Die Bestandshöhe ist transparent, fällt der Wert unter einen gewissen Stand, weist ein Alarm darauf hin. “Wir verfügen heute im Lager über Detailinformationen, die wir früher nicht erheben konnten”, sagt Mehta. “Auch die Freigabe von Aufträgen an die Fertigung ist viel strukturierter und systematischer – und ohne Freigabe gäbe es keinen Verkauf.”

Dank der Echtzeitsicht auf das Finanzwesen ermittelt KEM-TRON Produktkosten und Abweichungen nach Produktlinien genau. Mit diesen Daten lässt sich simulieren, wie sich Änderungen bei Material- und Personalkosten auf den Gesamtpreis auswirken – Zahlen, die dann bei Planung und Budgetierung künftiger Projekte verwendet werden.

“KEM-TRON denkt unternehmerisch. Wir packen Probleme an. Die Software unterstützt uns genau in dieser Mentalität”, sagt Mehta und ergänzt: “Wichtig war darüber hinaus, dass das Implementierungsprojekt unter der Budgetgrenze blieb – für uns als Mittelständler ein nicht zu unterschätzender Faktor.”

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