Soccer team in a huddle

Warum die Stadt der Zukunft intelligent sein muss

Feature | 12. Dezember 2014 von Michael Kleinemeier 0

Urbanisierung ist ein globaler Trend, die Smart City eine mögliche Antwort auf die wachsenden Herausforderungen der Verstädterung. IT erlaubt es, Metropolen auch im 21. Jahrhundert lebenswert zu gestalten.

Was macht eine Stadt zur Smart City? Dass Ampeln selbständig den Verkehr regeln, so dass es weniger Staus gib? Oder dass Bewohner Gefahrenstellen per Smartphone an die Stadtverwaltung melden? Die Idee der intelligenten Stadt steckt heute in vielen Projekten, die das urbane Leben verbessern und organisieren sollen – und genau das macht es schwierig zu erkennen, was eine Smart City eigentlich ist.

Für die intelligenten Städte gibt es eine Vielzahl von Definitionen. Die EU-Kommission sieht die intelligente Stadt so: Smart Cities setzen digitale Technologien ein für bessere öffentliche Dienstleistungen, eine bessere Ressourcennutzung und geringe Umweltauswirkungen. Die digitale Kommunikationstechnologie soll traditionelle Netze und Dienste effizienter machen – zum Nutzen der Bürger.

Für den Alltag der Städter versprechen smarte Lösungen einen schnelleren Transport in der Stadt, eine bessere Wasser- und Abfallversorgung und effiziente Lösungen für Licht und Wärme in Gebäuden. Hand in Hand gehen dabei eine engere Kommunikation mit kommunalen Stellen, mehr Sicherheit für die Lebensräume in der Stadt und Antworten auf die Probleme einer alternden Gesellschaft. Mobilität, Wirtschaft, Energie, Umwelt, Politik und Verwaltung – das sind häufig die zentralen Punkte in Projekten für die Smart City.

Smart Cities – die Antwort auf Bevölkerungswachstum und Verstädterung

Die intelligente Stadt ist auch der Versuch, sich auf die Herausforderungen künftigen urbanen Lebens vorzubereiten. Denn die Städte wachsen. Bereits heute leben 3,5 Milliarden Menschen weltweit in Städten, bis 2050 soll die Stadtbevölkerung auf 6,3 Milliarden steigen. 29 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP) werden derzeit in 120 Städten erwirtschaftet; bis 2025 sollen 600 Städte allein für 65 Prozent des weltweiten BIP-Wachstums sorgen. Die Stadt boomt, sie zieht immer mehr Menschen in ihren begrenzten Raum und konzentriert die wirtschaftliche Produktionskraft auf sich.

Diese wachsenden Ströme an Menschen und Gütern soll schlaue Technologie steuern, regeln und verwalten. Unternehmen forschen bereits an smarten Lösungen wie eine automatischen Parkplatzsuche oder cloudbasierten Kommunikationsstrukturen für Autos. Auch Googles fahrerloses Auto ist ein Lösungsansatz für dieses Problem. IT-gestützte Telematiklösungen wiederum helfen beim Gütertransport. Sie melden einem LKW-Fahrer, wenn er zu schnell unterwegs ist und lenken Fahrzeuge mit Gefahrenladung zum Beispiel an Kindergärten vorbei.

In Smart Cities wachsen Bürger und Verwaltung zusammen

Eine Stadt, die im Verkehrssektor bereits den Weg zur Smart City eingeschlagen hat, ist Rio de Janeiro. Die Stadtverwaltung der zweitgrößten Stadt Brasiliens erkennt per Videos, Sensoren oder Videostreaming Unfallschwerpunkte im Stadtverkehr. Hunderte über die Stadt verteilte Kameras, Sensoren und Geräte übertragen Daten auf eine riesige Videowand in der Stadtmanagementzentrale. So behalten die Verantwortlichen der Stadtverwaltung stets im Blick, wenn es zu einem Verkehrsunfall oder einem Stromausfall kommt. Zudem sind sie informiert, ob es zu einer riskanten Wetterlage wie einem Starkregen kommt.

Was Rio de Janeiro jetzt schon intelligent macht ist diese Art und Weise, wie Bürger und Behörden Informationen integrieren. Daten aus 30 kommunalen, bundesstaatlichen und nationalen Behörden von Arbeitsämtern bis hin zum Gesundheitswesen werden in Rio de Janeiro zusammengefasst und bieten einen Rundum-Informationsaustausch. Mit dem Resultat, dass die Behörden die Möglichkeit haben, über den Tellerrand hinausschauen und effizient zusammenzuarbeiten. An solchen Smart-City-Projekten kann sich jeder einzelne Bürger beteiligen. Mittels Facebook, Twitter oder YouTube können die Menschen Beschwerden äußern oder Anregungen geben für das Management ihrer Stadt.

Eine entscheidende Fähigkeit der intelligenten Stadt ist es, diese verteilt entstehenden Daten auch zu nutzen, beispielsweise für Prognosen. Mit analytischen Werkzeugen können Städte Prognosen treffen, die zu schnelleren Entscheidungen führen und die öffentliche Verwaltung verbessern. Im Idealfall kann so bereits im Vorfeld agiert werden, bevor ein Ereignis überhaupt eintritt. Durch Frühwarnungen vor Erdrutschen oder Überflutungen könnten beispielsweise Menschen vor diesen Gefahren in Sicherheit gebracht werden.

Weltweit haben viele Städte Projekte für die Smart City gestartet und setzen auf vernetzte Lösungen für den Stadtverkehr, eine effiziente kommunale Verwaltung oder das Energiemanagement. Sollten die Prognosen zum Wachstum der Städte zutreffen, könnte die Smart City in der Zukunft eine noch viel größere Rolle als heute spielen – als Antwort auf die kommenden Herausforderungen einer stark wachsenden Bevölkerungszahl und Wirtschaft in der Stadt.

 

Der Artikel ist ursprünglich auf Focus Online erschienen.

Der Autor Michael Kleinemeier ist Regional President der Region Mittel- und Osteuropa bei SAP.

Tags: ,

Leave a Reply