Jenseits von Apple

26. Oktober 2012 von Heather McIlvaine 0

Apple Store; Foto: istockphoto.com

Freddie Geier war während seiner Zeit bei Apple in verschiedenen Funktionen tätig, bis er schließlich die deutsche Apple-Niederlassung übernahm. Der gebürtige Deutsche erlebte in dieser Zeit die Markteinführung des iPod und iPhone und gehörte zum inneren Kreis von Steve Jobs. Jetzt hilft er Start-Ups, ihre Ideen auf den Markt zu bringen. Geier im Interview.

Wie lange waren Sie für Apple tätig und in welcher Funktion?

Freddie Geier: Es begann in Cupertino. Als Senior Director in der Application Division von Apple arbeitete ich zwischen 2000 und 2003 in verschiedenen Managementpositionen. 2005 kehrte ich nach Deutschland zurück, um von München aus das zentraleuropäische Vertriebs- und Marketinggeschäft zu leiten.

Wie war es, in der Ära des iPod und iPhone für Apple zu arbeiten?

Apple hat damals wirklich die Spielregeln verändert. Als ich im Jahr 2000 ins Silicon Valley ging, hatte ich bereits eine Ahnung, dass Einfachheit der Schlüssel zu einer erfolgreichen Softwareentwicklung ist. Bei Apple haben wir versucht, eine Einfachheit zu erreichen, die so überzeugend ist, dass sie den Maßstab für die kommenden Generationen setzt. Apple eroberte zwei neue Märkte, doch nicht nur das, der iPod markierte auch einen Wendepunkt: Apple führte nicht nur ein neues Produkt ein, sondern baute auch ein noch die dagewesenes Ökosystem auf. Aber hinter dieser Erfolgsstory steckte viel harte Arbeit. Mit der Idee, Hardware, Software und Content zu kombinieren, war Apple seiner Zeit weit voraus. Als der iPod 2001 eingeführt wurde, reagierten Presse und Analysten zunächst sehr verhalten. Das Motto „1000 Songs in deiner Hosentasche“ kam zu einer Zeit, als die Musikpiraterie gerade Hochkonjunktur hatte.

Was haben Sie aus Ihrer Zeit bei Apple mitgenommen? Kennen Sie jetzt einige „Erfolgsgeheimnisse“?

Drei Erfahrungen aus meiner Zeit bei Apple halte ich nach wie vor für wesentlich: präzise auf Details achten, Kontinuität gewährleisten und das emotionale Erlebnis des Benutzers gezielt vorbereiten. Apple hat ein einzigartiges Verständnis von Kontinuität, das darauf beruht, modulare Produkte weiterzuentwickeln und so das gesamte System zu bereichern. Was vielleicht am wichtigsten ist: Bei unserer gesamten Arbeit gingen wir von der Frage aus, was die Menschen anzieht, wenn sie technische Produkte benutzen. Bei Apple wurde Schönheit als eine natürliche Symbiose aus Form und Funktion verstanden.

Freddie Geier, Ex-Apple-Deutschland-Chef und jetztiger Geschäftsführer des F&E-Unternehmens adventures

Wie war es, mit Steve Jobs zusammenzuarbeiten? Gibt es etwas, was die Menschen nicht über ihn wissen?

Er war durch und durch Perfektionist, daher verlangte die Arbeit mit ihm großen Einsatz und manchmal sehr große Anstrengung. Doch wenn man am Ende das Produkt sah, wusste man immer, dass sich die Arbeit gelohnt hatte. Steve trieb die Menschen in seinem Umfeld zu Höchstleistungen an, zu denen sie sich selbst gar nicht imstande geglaubt hatten. Niemand verstand so gut wie Steve, wie Menschen mit technischen Geräten umgehen wollen – das ist den meisten bekannt. Die wenigsten wissen jedoch, dass er im Vorstandsbüro auch selbst unter den Tisch kroch, wenn ein System für eine Präsentation mal nicht funktionierte. Ich weiß noch, dass er ein großer Fan der Fernsehserie „Die Sopranos“ war. Und nicht zu vergessen: Er liebte deutsche Autos.

Wo arbeiten Sie jetzt?

Ich bin Geschäftsführer von adventures, einem Hamburger F&E-Unternehmen für neuartige Softwareanwendungen. adventures unterstützt innovative Wegbereiter und Unternehmen, Brücken in die digitale Zukunft zu schlagen. Wir arbeiten daran, filigran gesponnene Konzepte zu Alltagstechnologien und robusten Geschäftsmodellen auszubauen. Dies reicht von der Entwicklung eines Projekts bin hin zu technologischen Prototypen und Fallstudien.

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