Was passiert, … wenn wir nichts tun?

Feature | 12. Juli 2004 von admin 0

Im letzten Jahr kündigte SAP an, den Support für ältere SAP-R/3-Releases, also Versionen vor SAP R/3 Enterprise, einzustellen. Nachdem der Standardservice und -support für SAP R/3 4.6b und ältere Versionen im Dezember 2003 ausgelaufen ist, soll Ende 2006 der Service und Support für SAP R/3 4.6c enden.

Diese Nachricht warf bei SAP-Kunden, die momentan weder mit SAP R/3 Enterprise noch mit mySAP ERP arbeiten, eine Reihe von Fragen auf. Was ist der richtige nächste Schritt auf dem Upgrade-Weg: SAP R/3 Enterprise oder mySAP ERP? Wie wird sich diese Entscheidung in strategischer, funktionaler und technischer Hinsicht auf die SAP-Installation auswirken? Ist ein Upgrade überhaupt erforderlich? Was passiert,… wenn wir nichts tun?

Langfristig höhere Wartungskosten

Natürlich können sich SAP-Kunden gegen ein Upgrade entscheiden und weiterhin mit ihren bereits installierten SAP-Releases arbeiten. Aber dies kann langfristig zu eingeschränkter Flexibilität und höheren Kosten führen. Kunden, die sich gegen ein Upgrade entscheiden, werden mehr Eigenverantwortung für die Wartung und den Support ihrer SAP-Lösungen übernehmen müssen. Vor allem sollten sie sich über folgende Punkte im Klaren sein:

  • Sie tragen die Verantwortung dafür, dass ihre SAP-Anwendungen die gesetzlichen Vorschriften, beispielsweise Sarbanes-Oxley, erfüllen.
  • Sie sind zunehmend auf eigene Mitarbeiter angewiesen, um produktionsrelevante Probleme zu lösen.
  • Sie müssen mehr Geld für die Wartung einplanen.
  • Sie müssen damit rechnen, ihren Wettbewerbsvorteil am Markt zu verlieren, wenn sie nicht die Vorteile neuer und besserer Technologien nutzen.

Angesichts dieser Faktoren rät SAP allen Kunden, die zurzeit SAP R/3 4.6b oder eine ältere Version nutzen, jetzt mit der Planung ihrer Upgrades zu beginnen. Nichts zu tun ist keine vernünftige Lösung. Doch welche Alternativen gibt es für den Weg in die Zukunft?

Optionen für SAP-Kunden

SAP-Kunden können zwischen mehreren Möglichkeiten wählen:
Die erste Option ist, den Support gegen eine zwei Prozent höhere Wartungsgebühr bis Ende 2004 zu verlängern. Sie eignet sich für Unternehmen, die mit älteren SAP-R/3-Releases (3.1i, 4.0b, 4.5b und 4.6b) arbeiten und noch etwas Zeit benötigen, um das Upgrade zu planen und vorzubereiten. Doch da auch der verlängerte Support in absehbarer Zeit ausläuft, werden sie sich langfristig für eine der anderen Alternativen entscheiden müssen.

Die zweite Möglichkeit ist ein Upgrade auf SAP R/3 4.6c. Das Release bietet sowohl im Hinblick auf die Anwendungen als auch auf die Infrastruktur die bewährte Produktqualität. SAP-Kunden, die sich für diesen Schritt entscheiden, benötigen dann nur noch ein technisches Upgrade, um zu einem späteren Zeitpunkt auf SAP R/3 Enterprise umzusteigen. Auch diese Option ist nur eine vorübergehende Lösung, denn der Standardsupport für SAP R/3 4.6c endet im Dezember 2006. In etwa zwei Jahren steht ein weiteres Upgrade an. Ein Upgrade auf SAP R/3 4.6c sollte daher nur von Unternehmen in Betracht gezogen werden, für die eines oder mehrere der folgenden Kriterien gelten:

  • Das Upgrade-Projekt ist in Bearbeitung und bereits zu mehr als 25 Prozent abgeschlossen.
  • Die gewünschte Branchenlösung für SAP R/3 Enterprise oder mySAP ERP steht noch nicht zur Verfügung.
  • SAP R/3 4.6c reicht aus, da nur klassische ERP-Funktionalität benötigt wird.

Alle anderen Kunden sollten über die dritte Option nachdenken – das Upgrade auf SAP R/3 Enterprise oder mySAP ERP. SAP R/3 Enterprise nutzt den SAP Web Application Server und die neue SAP NetWeaver-Architektur, die auf offenen Technologiestandards und Konnektivitätsprotokollen basieren. Die Lösung ermöglicht eine umfassende Prozessabwicklung auf Basis des Internets und bietet eine verbesserte Portal-Integration sowie flexible Upgrade-Strategien. Darüber hinaus zeichnet sich SAP R/3 Enterprise durch eine höhere Leistungsfähigkeit, Qualität und Stabilität aus. Kunden, die sich für diesen Weg entscheiden, profitieren nicht nur von einer verbesserten Anwendungsfunktionalität, sondern künftig auch von kürzeren Upgrade-Zyklen. Der SAP R/3 Enterprise Core bleibt stabil und spätere Erweiterungen werden in kleineren, vorkonfektionierten Extension-Sets angeboten. Deren Upgrade ist unabhängig vom SAP R/3 Enterprise Core möglich.

SAP-Kunden können direkt von SAP R/3 3.1i, 4.0b, 4.5b, 4.6b und 4.6c auf SAP R/3 Enterprise umsteigen. Anwender von AS/400 müssen zuvor auf SAP R/3 4.6c umstellen. Anwender aller anderen Versionen sollten ihren Upgrade-Pfad gemeinsam mit SAP definieren.
Alternativ haben Kunden die Möglichkeit, Lösungen der mySAP Business Suite, wie mySAP Product Lifecycle Management oder mySAP Supply Chain Management, parallel zur mySAP ERP Central Component (ECC) zu implementieren.

Eine Basis für alle Unternehmensanwendungen

Einige Kunden fragen sich, welche Unterschiede zwischen der mySAP-ERP-Architektur und früheren Plattformen bestehen. mySAP ERP ist die nächste Lösungsgeneration von SAP für das Enterprise Resource Planning. Sie basiert auf SAP NetWeaver und bietet damit eine umfassende Integrationsplattform, um erweiterte Funktionalität und Nicht-SAP-Systeme einzubinden. Damit steht eine Basis für alle ERP-Anwendungen zur Verfügung.
mySAP ERP nutzt den SAP R/3 Enterprise Core und erweitert ihn um zusätzliche Funktionen und Leistungsmerkmale, beispielsweise People-Centric-Usability und kollaborative ERP-Prozesse. mySAP ERP eignet sich vor allem für SAP-Kunden, die Lösungen der mySAP Business Suite benötigen oder eine Vielzahl verschiedener Technologien und Plattformen integrieren müssen. mySAP ERP Central Component wird ab Juni 2004 erstmals im Ramp-up ausgeliefert und ist im Januar 2005 allgemein verfügbar.

Neue Werkzeuge minimieren das Risiko beim Upgrade

Neue Werkzeuge helfen dabei, den Aufwand und das Risiko eines Upgrades zu mildern. So bietet SAP beispielsweise einen Upgrade-Service für Dateien mit Stammdaten an, sodass Export und Import der Daten entfallen. Ein maßgeschneiderter Programmgenerator nutzt kundenspezifische Parameter und Mapping-Tabellen, um bestimmte Felder im Datenverzeichnis zu suchen und zu ersetzen. Außerdem entwickelte der SAP-Partner Deloitte ein Dienstprogramm namens SMARTtool, das alle kundenspezifischen Objekte erkennt und sie für die Migration auf die neue SAP-Umgebung vorbereitet.

Mit diesen Tools lässt sich das Upgrade mit minimalem Risiko und ohne jegliche Betriebsunterbrechung durchführen. Somit gibt es kaum noch einen Grund, das Thema Upgrade auf die lange Bank zu schieben – vor allem angesichts der Vorteile von SAP R/3 Enterprise oder mySAP ERP im Bereich Anwendungen und Architektur.

Für einen Upgrade bieten sich viele verschiedene Wege an. Die richtige Strategie hängt davon ab, inwieweit ein Unternehmen fortschrittliche Anwendungen und offene Architekturstandards benötigt. Viele Kunden tendieren dazu, von ihrem aktuellen Release direkt auf SAP R/3 Enterprise aufzurüsten. Unternehmen, die mit SAP R/3 4.6b oder einer älteren Version arbeiten, sollten sich allerdings darüber im Klaren sein, dass es keine Alternative ist, nichts zu tun.

Devjeet Haldar

Devjeet Haldar

Neil Taylor

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