Wege aus dem Applikations-Dschungel

Feature | 26. Januar 2004 von admin 0

Charles Homs, Seniorberater beim Marktforschungsunternehmen Forrester, unterstrich in seinem Rahmenvortrag die Bedeutung von EAI für die zunehmend komplexen Logistikketten: “Immer mehr Unternehmen bauen ihre Partnernetzwerke aus und müssen Prozesse, Anwendungen und Daten mit weltweit verteilten Lieferanten, Kunden und Spediteuren integrieren.” Dabei wächst die Nachfrage nach Web Services, die eine Reihe von Vorteilen bieten: Sie sind flexibel und einfach anwendbar, erfordern geringeren Software- und Arbeitsaufwand und können beliebig erweitert werden. Daher ist sich Charles Homs sicher: “Langfristig werden sich Internetstandards wie XML, WSDL oder UDDI gegenüber EAI-Plattformen durchsetzen, wenn es um die Integration von Software-Systemen geht.”

Plädoyer für Verbundplattformen

Prof. Dr. Wilfried Juling, Lehrstuhl für Rechnersysteme und Infrastruktur der Informationsverarbeitung an der Universität Karlsruhe (TH), riet in seinem Vortrag, EAI und Web Services in Verbundplattformen zu kombinieren. Juling stellte einen Paradigmenwechsel von funktionsorientierten hin zu prozess- und dienstorientierten Unternehmenslösungen fest, die aus komplexen Bausteinen wie Supply Chain Management (SCM), Supplier Relationship Management (SRM) und Customer Relationship Management (CRM) und damit aus einer Vielzahl mehrfach realisierter Funktionen bestehen. Da EAI-Lösungen das Problem von Mehrfachentwicklungen nur bedingt lösen können, bedarf es des Webs als zusätzlicher Integrationsdimension, um den Informationsfluss innerhalb eines Unternehmens zu konsolidieren: “Web Services ermöglichen die feingranulare Betrachtung von Prozessen und tragen damit zur verbesserten Konstruktion integrierter Geschäftsabläufe bei.”

Bei Prozessen ansetzen

Auch Alfred Neugebauer, Competence Leiter bei Siemens Business Services, ist überzeugt, dass EAI-Plattformen nicht ausreichen, um fragmentierte Abläufe und Applikationen zu verbinden: Erforderlich sei eine komplette Neustrukturierung der Prozesse. Am Beispiel von Serviceprozessen stellte Neugebauer Best Practices vor, die die Geschäftsabläufe über Geschäftsobjekte, Anwendungsfälle und Aktivitätsdiagramme mit definierten Schnittstellen beschreiben. “Damit ist die Grundlage für die Entwicklung eines plattformneutralen und flexiblen Prozessmodells geschaffen, aus dem die Anforderungen an eine künftige prozessunterstützende IT-Architektur abgeleitet werden können”, erläuterte Alfred Neugebauer. “Unternehmen erhalten eine Lösung, die die kundenindividuelle Vereinbarung, Paketierung und Verrechnung von Dienstleistungen ermöglicht.” Dies wiederum führt zu Umsatz- und Ergebnissteigerungen, Kostensenkung und höherer Kundenbindung und -zufriedenheit.

Vernetzter Getränkehandel

Eine Reihe von Praxisberichten machte deutlich, welche Wege Unternehmen wählen, um dem Applikations-Dschungel zu entkommen. So informierte Stephan Kremer, IT-Leiter bei der Handelsgruppe “REWE – Für Sie”, über die Einführung einer neutralen Handelsplattform für die Getränkebranche, die sämtliche Mitglieder der Verbundgruppe verbindet. Die neue E-Business-Lösung bildet die Kernprozesse vom Hersteller bis zum gewerblichen Endkunden elektronisch ab und bietet den Partnern eine Reihe von Vorteilen: niedrigere Kosten und höhere Qualität des Beschaffungsprozesses, einfacher Zugang zu Endkunden, elektronische Anbindung von großen und kleineren Unternehmen, engere Kundenbindung und die Möglichkeit, informationsbasierte Dienstleistungen anzubieten.

Komplexität reduziert

Matthias Schlapp, Leiter des SAP-Competence Centers von Audi, schilderte, wie sein Unternehmen verschiedene SAP- und Nicht-SAP-Systeme mit SAP NetWeaver und SAP Exchange Infrastructure (SAP XI) verbunden hat. Die neue Integrations- und Applikationsplattform senkt den Wartungsaufwand für existierende Schnittstellen und ermöglicht die Realisierung neuer Schnittstellen ohne größeren Programmieraufwand. Damit, so Matthias Schlapp, konnte Audi eine zentrale Schnittstellen-Kompetenz und -Steuerung aufbauen, mit der sich Komplexität und Risiko bei der stufenweisen Einführung von SAP-Komponenten senken lassen.

Optimaler Klinikbetrieb

Am Beispiel der S+A Klinik für Minimal Invasive Chirurgie (MIC), Berlin, zeigte deren IT-Manager Marten Neubauer, welche Vorteile EAI-geführte Geschäftsprozesse für den Klinikbetrieb haben. Durch die Integration von elektronischer Patientenakte, Krankenhaus-Informationssystem, OP-Terminplaner, OP- und sonstigen Systemen können Kosten gesenkt und Prozessdefekte gesteigert werden; in einem weiteren Schritt sind die Einbindung von Systemen wie Anästhesie und die Integration von Laboren und Krankenkassen vorgesehen.

Sibylle Hofmeyer

Sibylle Hofmeyer

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