Wege aus der Google-Dominanz

Feature | 19. Juli 2006 von admin 0

Herr Caputo, was sind die Ziele des SEO Chat und an welche Zielgruppe wendet sich die Website?

Jonathan Caputo: Der SEO Chat (www.seochat.com) unterstützt sowohl Groß- als auch Kleinunternehmer sowie Marketingspezialisten bei der suchmaschinengerechten Optimierung ihrer Website. Wir bieten zum Thema SEO kostenlose Kurse, Artikel, und ein Forum aus sehr gut informierten und aktiven Diskussionsteilnehmern.

Hat Google das Recht, die Seiten von Unternehmen wie BMW aus seiner Trefferliste zu streichen oder, anders formuliert, auf Manipulationen selbst mit Manipulation zu reagieren?

Caputo: Nun, Google macht nun mal das Spiel – und bestimmt daher auch die Regeln. Niemand zwingt uns, Google zu verwenden, und es gibt zurzeit bereits Alternativen im Internet. Dem sollte ich aber vorausschicken, dass der aktuelle Marktanteil von Google drastisch zurückgehen könnte, wenn das Unternehmen nicht vorsichtig ist. Es könnte ähnlich ausgehen wie der Kampf zwischen Netscape und Internet Explorer vor einigen Jahren.

Ist das wirklich eine realistische Gefahr für Google?

Caputo: Denkbar wäre es, aber eigentlich kaum realistisch.

Wer bestimmt, was in der Suchmaschinenpraxis richtig oder falsch ist?

Jonathan Caputo: Hier dominiert eine Wild-West-Mentalität. Die Websites werden so stark wie möglich optimiert – solange man positive Ergebnisse erzielt und nicht bestraft wird. Es gibt eine sehr feine Grenze, die fast täglich von den unterschiedlichen Suchmaschinen immer weiter verwischt wird. Es ist ein schwieriger Balanceakt, einerseits Websites für Suchmaschinen zu optimieren und gleichzeitig sicherzustellen, dass sie für die Leser effektiv nutzbar bleiben. Manchmal sind diese beiden Prinzipien nur schwer miteinander zu vereinen. Jedes Unternehmen, das die Suchmaschinenoptimierung ernst nimmt, muss sicherstellen, dass es mit seinen Optimierungsverfahren und seiner Website die sich ständig ändernden Regeln und Richtlinien der diversen großen Suchmaschinen einhält.

Der Trick hierbei besteht in einem dauerhaften, aber anpassbaren Gleichgewicht, das täglich überprüft werden muss. Was an einem Tag ganz oben in einer bestimmten Suchmaschine platziert ist, kann am nächsten Tag vielleicht ganz aus der Datenbank verschwunden sein. Zurzeit stellen die Suchmaschinen ihre eigenen Regeln für die Suchmaschinenoptimierung auf. Sie entscheiden, welche Verfahren im Hinblick auf ihre eigene Suchmaschine erlaubt oder nicht erlaubt sind. Aber vielleicht könnte eine unabhängige Organisation oder eine Organisation bestehend aus Vertretern aller großen Suchmaschinen ein ähnliches Konsortium wie das World Wide Web bilden. Das wäre zumindest theoretisch eine fantastische Idee.

Haben andere Suchmaschinenbetreiber ähnliche Schritte unternommen wie Google im Fall von BMW?

Caputo: Es kommt selten vor, dass ein Großunternehmen aus einer Suchmaschine verbannt wird. Ich glaube, das ist ein Grund, weshalb die Sache mit BMW für so ein großes Aufsehen in der SEO-Community gesorgt hat. Normalerweise werden die Websites der großen Unternehmen bei den Suchmaschinenergebnissen bevorzugt behandelt. Deshalb bin ich sicher, dass die kleinen und mittleren Unternehmen diesen Fall als kleinen Sieg für sich verbucht haben.

Im Fall China stellt nicht Google die Regeln auf, sondern Google wird von einem autoritären Regime zur Manipulation seiner Suchergebnisse gezwungen. Warum hat Google solche Angst, Nutzer in China zu verlieren?

Caputo: China ist eben ein neuer Markt – der größte Kommunikationsmarkt der Welt. Das ist schon Grund genug.

Sieht sich SEO Chat selbst als eine Art demokratischen Gegenpol zur Allmacht von Google?

Caputo: In gewisser Weise schon. Wir sind eine in privater Hand befindliche unabhängige Organisation ohne jegliches Beteiligungskapital. Deshalb können wir ohne Angst vor Repressalien über alles schreiben, was unserer Ansicht nach für die SEO-Community relevant ist.

Was kann Google von SEO Chat lernen?

Caputo: Es sei mal dahingestellt, ob Google es für notwendig erachtet, sich bei Organisationen wie den SEO Chat Rat zu holen möchte. Ich bin der festen Überzeugung, dass Google langfristig von einem Dialog mit Websites wie dem SEO Chat profitieren würde. Denn dann wüsste das Unternehmen, was die Community der Suchmaschinenoptimierer bewegt. Die Besucher unserer Website sind extrem motiviert, denn nicht wenige haben aus ihrem Hobby ihren Lebensunterhalt gemacht. Es sind Menschen mit Begeisterung, die ihre Arbeit lieben – und häufig werden auf unserem Forum großartige Ideen und Einfälle geboren.

Kümmern Sie sich auch um die Webseitenoptimierung im Hinblick auf andere Suchmaschinen – außer Google?

Caputo: Wir haben auch andere Kategorien und Foren, bei denen es unter anderem um MSN, Yahoo und Ask.com geht. Doch bisher dominieren die Google-bezogenen Inhalte. Vielleicht wird sich das in Zukunft ändern, aber gegenwärtig stehen die Google-Inhalte im Mittelpunkt.

Fürchten – oder hoffen Sie womöglich – dass Suchmaschinen mit einer besseren Indizierung als Google, wie Ask.com oder die neue Metasuchmaschine Metager2, Google bald einholen könnten?

Jonathan Caputo: Ich persönlich finde es sehr erschreckend, dass Google nach wie vor über einen Marktanteil von 70 bis 75 Prozent aller verarbeiteten Suchanfragen verfügt. Das ist meiner Ansicht nach viel zu viel Macht für einen einzelnen Betreiber. Ich würde eine ausgewogenere Verteilung der Suchanfragen auf, sagen wir, fünf oder sechs große Suchmaschinen sehr begrüßen. Wenn Google seinen Algorithmus weiterhin alle paar Monate ändert, könnte das für einige kleinere Unternehmen das Aus bedeuten. Einen solchen Einfluss können nur Suchmaschinen mit einem Marktanteil von 75 Prozent ausüben. Ganz gleich, um welches Unternehmen es geht, eine solche Macht sollte besser auf Mehrere verteilt werden.

Weitere Informationen finden Sie unter:
www.seochat.com
und
www.developershed.com

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