Weichenstellung in Richtung Zukunft

Feature | 12. Dezember 2007 von admin 0

Der Erfolg der Ahaus Alstätter Eisenbahn kam 1992 mit sechs Mitarbeitern und 3.000 Güterwagen ins Rollen. Heute halten rund 100 Mitarbeiter 23.000 Wagons in Bewegung – die größte Flotte von Standard-Güterwagen in Europa bringt Transportgüter aller Art ans Ziel. AAE setzte zum richtigen Zeitpunkt aufs richtige Gleis: Die Entwicklung und Vermietung von Güterwagons an europäische Bahngesellschaften und Logistikunternehmen.
Dabei war das Geschäft vor der Liberalisierung des Bahnmarktes Anfang der 90er Jahre wenig dynamisch, da die Wagenmiete über langfristige Verträge festgelegt war. Heute dagegen orientieren sich die Preise am Markt, allerdings herrscht bei der Herstellung und Vermietung ein starker Wettbewerb. AAE stieg frühzeitig in das Geschäft ein und verschaffte sich dadurch einen wertvollen Wettbewerbsvorsprung. Fast alle europäischen Eisenbahngesellschaften und Unternehmen, die Gütertransporte auf der Schiene durchführen, fahren inzwischen mit Wagen der AAE, darunter Railon Deutschland, SBB Cargo, Trenitalia, BASF, HUPAK und Kühne & Nagel.

„Da die Vermietung von Güterwagen Anfang der 90er Jahre nur für wenige Anbieter interessant war, konnte AAE einen Marktanteil von fast 20 Prozent erreichen. Inzwischen ist die Konstruktion von Güterwagen sehr viel teurer geworden. Das macht es für Neueinsteiger schwierig, eine große Flotte zu konkurrenzfähigen Preisen aufzubauen“, erläutert Dirk Goyvaerts, der in der AAE-Geschäftsführung für strategische Projekte verantwortlich ist. Beim Neubau hat AAE ebenfalls einen Anteil von 15 bis 20 Prozent und ist daher in der Lage, die steigende Nachfrage zu bedienen.
Der Markt ist inzwischen äußerst schnelllebig. Anbieter von Güterwagen müssen kurzfristig reagieren und die richtigen Wagen zum richtigen Zeitpunkt an die richtige Stelle – zum Kunden oder in die Werkstatt – bringen. Gleichzeitig sind sämtliche Instandhaltungsmaßnahmen, von der Reinigung über die Wartung bis hin zur Reparatur und Sanierung, rasch und möglichst gleichzeitig durchzuführen, um die Kosten unter Kontrolle und die Ausfallzeiten gering zu halten. Hier erzielt AAE dank professioneller Dienstleistungen eine Flottenauslastung von mehr als 97 Prozent.

Die IT vom Abstellgleis geholt

Allerdings drohte die IT des Unternehmens aufs Abstellgleis zu geraten. Denn in der heterogenen Software-Landschaft besaß jede Abteilung ihre eigenen Programme. Die Insellösungen waren nicht integriert, so dass die Mitarbeiter der verschiedenen Unternehmensbereiche häufig mehrfach dieselben Informationen erfassten. Damit waren inkonsistente Daten, Missverständnisse und Verzögerungen vorprogrammiert. Außerdem konnte AAE ihre wichtigen Geschäftsprozesse nur mit großem Aufwand abbilden.
So war es beispielsweise nicht auf Anhieb ersichtlich, welche Wagen für eine Vermietung zur Verfügung standen. Änderte ein Kunde einen Rückgabetermin, mussten die Mitarbeiter nachfolgende Reservierungen oder betroffene Verträge aufwändig anpassen. Auch die Entwicklung von Güterwagen erfolgte isoliert von anderen Prozessen. Für die Vermietung war es nahezu unmöglich, Neubauten in der Verfügbarkeit zu berücksichtigen oder notwendige Wartungsarbeiten an zurückgegebenen Wagen zu veranlassen. Da sich zudem die Abläufe in der Instandhaltung auf verschiedene Excel-Dokumente stützten, entstand auch hier ein großer Abstimmungsaufwand. Im Auftragsmanagement wiederum mangelte es an Transparenz, da jeder Auftrag – sei es Neu- oder Weitervermietung, Rückgabe, Instandhaltung oder Reparatur – einzeln durchgeführt wurde. Insgesamt führten die fehlenden Synergien zu Zeitverlust und unnötig langen Ausfällen.

Innovation kommt zum Zug

Gründe genug für AAE, mit einer neuen Unternehmenssoftware auch in der IT die richtigen Weichen zu stellen. Nach einem groß angelegten Auswahlverfahren fiel die Entscheidung für SAP ERP. „Ausschlaggebend war letztlich, dass die Lösung bereits im Standard den Großteil unserer Geschäftsprozesse abdeckte. Lediglich für die Disposition der Güterwagen war eine Zusatzentwicklung notwendig. Das minimierte im Vergleich zu anderen Lösungsansätzen das Projektrisiko“, erläutert Dirk Goyvaerts. Die schrittweise Einführung der Software in den Bereichen Buchhaltung, Flottenmanagement, Instandhaltung und Materialwirtschaft verlief reibungslos. Seit Juli 2007 arbeitet das gesamte Unternehmen mit der komplett integrierten Anwendung.
Bei dem Projekt arbeitete AAE eng mit den schweizerischen IT-Dienstleistern SAP Stäfa und emineo zusammen. Auf den Vorschlag der Spezialisten hin führte AAE auch SAP NetWeaver ein. Anfangs als technische Basis der webbasierten Anwendungen für das Flottenmanagement und die Wagendisposition implementiert, fungiert SAP NetWeaver heute unter anderem als Integrationsplattform für das Reporting und unterstützt künftig die Werkstätten dabei, Instandhaltungsaufträge über ein Portal abzurufen und zu bearbeiten.

Die Signale stehen auf Wachstum

Die Neuausrichtung der IT hat sich gelohnt. Da SAP ERP sämtliche Daten, Prozesse und Abteilungen integriert, ist ein durchgängiges, effizientes Arbeiten möglich. Der Flottenmanager beispielsweise erkennt heute auf einen Blick, welche Wagen zu welchem Zeitpunkt benötigt werden und kann daher schon Monate im Voraus eine erste Planung erstellen, in die alle Änderungen in den Mietverträgen automatisch einfließen. Durch diesen Überblick steigt die Verfügbarkeit der Wagen, AAE erzielt einen höheren Umsatz und eine größere Kundenzufriedenheit.
Auch die Instandhaltung lässt sich langfristig und vorausschauend planen, so dass die verschiedenen Maßnahmen aufeinander abgestimmt werden können. AAE vermeidet dadurch Ausfälle, spart Kosten und steigert den Gewinn. Dank der integrierten Materialwirtschaft ist genau erkennbar, welches Ersatzteil für welchen Instandhaltungsauftrag und Wagen verwendet wurde. Damit sind die Kosten zu fast 100 Prozent einem bestimmten Auftrag zuzuordnen. Der Vorteil liegt auf der Hand: „AAE kann genau analysieren, wo welche Kosten entstehen und die Ergebnisse bei der strategischen Ausrichtung des Unternehmens berücksichtigen“, betont Dirk Goyvaerts.
Derzeit plant das Unternehmen bereits ein Nachfolgeprojekt, um die wichtigsten Prozesse weiter zu verbessern. Unter anderem evaluiert es die Einführung der SAP NetWeaver Exchange Infrastructure. Künftig sollen außerdem externe Geschäftspartner integriert und wichtige Aufgaben automatisiert werden, etwa das Erteilen von Instandhaltungsaufträgen, die Bestellung von Ersatzteilen oder die Leistungsabrechnung.

Tags:

Leave a Reply