Weiter Weg zum Business Value

Feature | 22. Dezember 2003 von admin 0

Die Datenbasis

Die Datenbasis

E-Business-Initiativen werden immer mehr zum integralen Bestandteil der Informationstechnologie in Unternehmen. Völlig unberührt vom spektakulären Auf und Ab der Börsen stieg der Anteil von E-Business-Investitionen über die vergangenen Jahre langsam, aber kontinuierlich an – ein Trend, der sich auch weiterhin fortsetzen wird. Im Jahr 2004 erhöhen die Unternehmen ihre Investitionen in E-Business-Projekte im Durchschnitt um rund 2,5 Prozent. Noch höhere Steigerungsraten erwarten Firmen, die jetzt schon mehr als 20 Prozent ihres IT-Budgets in E-Business investieren. Wie die A.T. Kearney und das Marktforschungsinstitut Line56 Media von 150 IT-Verantwortlichen global operierender Unternehmen erfuhr, ist gegenwärtig “Business-as-usual” angesagt. Die Art der E-Business-Initiativen läuft durchaus unspektakulär und ist vom normalen Tagesgeschäft geprägt. Knapp die Hälfte der Projekte wird aufgesetzt, um die Wertschöpfungskette intern wie extern zu optimieren. Nach außen gewandte, auf Kunden oder Klienten gerichtete Initiativen, wie etwa Portale oder elektronische Marktplätze, machen hier nicht einmal ein Drittel der Initiativen aus. Dort, wo auf dem Höhepunkt der New-Economy-Welle Projekte zum Teil um ihrer selbst willen durchgeführt wurden, dienen E-Business-Initiativen nun in erster Linie der Kostenreduktion im Unternehmen. Umsatzorientierte Projekte und Wachstumsinitiativen bleiben hier weiterhin die Ausnahme.

ERP-Programme ganz vorn

“Traditionelle” Projekte und Initiativen zur Steigerung der Business Intelligence machen den größten Anteil der Budgets aus. Spitzenreiter bei den E-Business-Anwendungen sind nach wie vor ERP-Programme. Für sie werden 21 Prozent aller eingesetzten Mittel aufgewandt. Ihnen folgen Investitionen in Portal-Software (18 Prozent), in Anwendungen zum Supply Chain Management (SCM) und zum Customer Relationship Management (CRM) mit jeweils 16 Prozent. Im Gegensatz zur Beachtung in den Medien und der Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit bilden Mobilfunk-gestützte Lösungen mit fünf Prozent und elektronische Marktplätze mit acht Prozent die Schlusslichter der Investitionsliste.
Ähnlich unspektakulär geht es bei den Ausgaben für E-Business-Werkzeuge zu: Hier liegen Content-Management (16 Prozent), Document-Management (15 Prozent) und Werkzeuge zur Business-Analysis (13 Prozent) auf den vorderen Rängen, während Suchmaschinen (sieben Prozent) oder Werkzeuge zur Personalisierung (vier Prozent) am Ende des Feldes landeten. Schließlich zeigt sich auch bei den Investitionen in E-Business-Netzwerke und Infrastruktur, dass Unternehmen ihre Entscheidungen höchst unbeeindruckt von irgendwelchen Modetrends treffen: Server-Hardware (20 Prozent) und Server-Software (14 Prozent) führen die Liste an, die von Web Services und Middleware mit je sieben Prozent abgeschlossen wird.
Grundsätzlich ist die Tendenz in allen Bereichen steigend: Gaben die Unternehmen im Jahr 2001 durchschnittlich 17,5 Prozent ihres IT-Budgets für E-Business-Lösungen aus (2002: 19,3 Prozent), waren es im Jahr 2003 bereits 20,3 Prozent.

Mängel bei der Implementierung

Trotz sorgfältiger Vorbereitung und Integration in die Unternehmensstrategie verlaufen E-Business-Projekte oft nicht wie gewünscht. Hier offenbart die Studie von A.T. Kearney einige Defizite. 38 Prozent der befragten IT-Verantwortlichen gaben zu Protokoll, dass die Investitionen hinter den Erwartungen der Anwender her hinken. 36 Prozent waren der Ansicht, die Investitionen geschehen rechtzeitig, und 26 Prozent meinten, ihr Unternehmen gebe bereits Investitionen frei, ehe der Anwender-Bedarf ermittelt worden sei.
Dabei zeigt sich ein Problem: In vielen Unternehmen klafft nach wie vor eine unvereinbare Lücke zwischen der strategischen Planung und deren Umsetzung auf der IT-Ebene. Die Auswirkungen auf den Unternehmenserfolg sollten keinesfalls unterschätzt werden. Um den Wert eines Unternehmens nachhaltig steigern zu können, müssen aber auch Investitionen in E-Business vorgenommen werden, die klar an Umsatz und Wachstum ausgerichtet sind. Das kann jedoch nur geschehen, wenn die IT-Planung integraler Bestandteil der Geschäftplanung und der Unternehmensstrategie ist.
Erst eine in die Business-Strategie des Unternehmens integrierte IT-Planung kann den Ertrag der Investitionen wesentlich steigern. Dies ist die Voraussetzung, rechzeitig die notwendigen Ressourcen für die Implementierung von Geschäftsstrategien verfügbar zu haben und eine optimale Wertschöpfung beziehungsweise einen schnellen Return of Investment (ROI) zu erzielen. Die Integration der IT-Planung in die Geschäftsplanung erhöht die Geschwindigkeit, an der Strategie ausgerichtete Implementierungen zu verwirklichen und schnell die erwünschten Wettbewerbsvorteile auch zu erreichen. Sie garantiert ein optimales Kosten-Nutzenverhältnis von IT-Investitionen.

Investitionen an Strategien ausrichten

IT-Investitionen sollten mit der Unternehmensstrategie untrennbar verbunden sein. Diese Meinung vertreten 90 Prozent der befragten Unternehmen, die in einer weiteren Studie von A.T. Kearney und dem US-amerikanischen Marktforschungsinstitut Harris Interactive untersucht wurden. Aber nur 32 Prozent machen ihre IT-Planung komplett von der strategischen Planung des Unternehmens abhängig. In 43 Prozent der Unternehmen verläuft IT-Planung eigenständig und folgt ausdrücklich nicht strategischen Unternehmenszielen. Das ist häufig Ursache für ein schlechtes Innovations-Management.
Ein Großteil der IT-Investments, so zeigte die Studie, wird von den Anforderungen der operativen IT – also des Tagesgeschäftes – getrieben. Strategische Gründe bestimmen vollständig oder überwiegend nur etwa die Hälfte aller IT-Investments. Um einem “Diktat des Tagesgeschäftes” entgehen zu können und die IT-Planung zum integralen Bestandteil der Geschäftsplanung zu machen, sollte zunächst einmal ermittelt werden, welcher Teil des IT-Budgets verwendet wird, um die Kontinuität des operativen Geschäfts zu sichern. Dies ist erfahrungsgemäß der größte Kostenblock in einem IT-Budget. Er erzeugt eine Kostenspriale. Wenn nämlich neue IT-Projekte und Lösungen in den Tagesbetrieb gehen, binden sie Mittel für Betrieb und Wartung, die dann wiederum bei der Entwicklung neuer Projekte fehlen. So kommt es vielfach dazu, dass nur ein verschwindend geringer Anteil des IT-Budgets für strategische Aufgaben verfügbar ist. Aber dafür sollte das Budget eigentlich bestimmt sein, nämlich zur Entwicklung neuer Projekte, die dem Unternehmen deutliche Vorteile im Wettbewerb verschaffen.
Es ist hier genau zu prüfen, welche Anwendungen überhaupt noch einen Wettbewerbsvorteil bringen. Kosten für Lösungen, die diese Anforderung nicht erfüllen, müssen konsequent reduziert werden. Outsourcing und Bündelung bieten hier in den meisten Fällen noch immer ein signifikantes Optimierungspotenzial. Der freie beziehungsweise freizumachende Rest des IT-Budgets muss zu einhundert Prozent der Geschäftsplanung folgen.

Dr. Dirk Buchta

Dr. Dirk Buchta

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