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Welche Technik hinter UX steckt

Feature | 23. Februar 2015 von Andreas Schmitz 0

Zwar gehört responsiven Designs à la SAP Fiori die Zukunft, doch sind viele Kunden auch noch in der GUI-Welt unterwegs. Die UX-Technologie unterstützt beides.

Wer heute ein Smartphone von Samsung oder ein Tablet von Apple in der Hand hält, wird sich kaum noch etwas anderes vorstellen können als aufgeräumte Oberflächen, Touch-Bedienung und Software, die sich von selbst versteht. Bedienungsanleitungen wirken wie Fossile aus einer anderen Zeit. Private Anwender sind anspruchsvoll. Und der hart umkämpfte Markt ist derart differenziert, dass nur Produkte eine Chance haben, die auch wirklich anwenderfreundlich sind.

Die Zukunft des UX: SAP UI5, Entkopplung von Front- und Backend und Cloud-Tools

In der B-to-B-Welt ist diese Entwicklung noch nicht ganz so weit verbreitet. Zwar sind die Apple-, Amazon,- Facebook-Paradigmen in Sachen Einfachheit technisch umsetzbar, doch sind noch nicht alle Unternehmen aktuell in der Lage, ihren Anwendern diese Einfachheit weiterzugeben. „In vielen Unternehmen bestimmt noch der SAP GUI das UI“, bemerkt Nis Boy Naeve, Vice President für die User Interfaces von SAP, „allerdings machen wir mit dem Einsatz von SAPUI5 responsive Oberflächen möglich, entkoppeln Front- und Backend voneinander und setzen etwa auch Cloud-basierte Tools für die Entwicklung von Oberflächen ein“.

Integrationsplattformen, Werkzeuge und Programmiersprachen: Ohne diese drei Welten erscheint keine moderne Oberfläche auf dem Bildschirm eines Desktop-Rechners, Tablets oder Smartphones:

1. Programmiersprachen: Seit mehr als 20 Jahren bestimmt ABAP Dynpro die Graphical User Interfaces (GUI) von SAP. Dafür wird meist die lokale Installation der Software SAP GUI auf Windows-Basis (aktuell in Version 7.40) auf den Rechnern gewählt. Seit acht Jahren wird Web Dynpro ABAP speziell für die Entwicklung von Webanwendungen eingesetzt und setzt auf dem ABAP-Backend auf. Mit SAPUI5 verwendet SAP eine weitere Webtechnologie, die sich zum Quasi-Standard der „neuen“ UI-Welt, SAP Fiori, entwickelt.

Für den Einsatz von HTML5 bei Business-Software bei SAP musste Open-Source-Software besonderen Anforderungen in Hinsicht auf die Sicherheit genügen und für Menschen mit Sehschwäche nutzbar sein. „SAPUI5 folgt dem offenen Web-Standards“, sagt Naeve, „die Open-Source-Version OpenUI5 kann unabhängig von SAP-Lizenzen von Jedermann genutzt werden und zudem auf freie JavaSkript-Bibliotheken zugreifen.“ Für den Entwickler bedeutet das, dass er beispielsweise aus einer anderen Library grafische Darstellungen nutzen und in seinem Design einbinden kann.

„Dynpro ist eine 20 Jahre alte UI Technologie. Mit SAP UI5 bauen wir heute z. B. die SAP Fiori-Anwendungen“, erläutert SAP-Vice-President Naeve. Dennoch: Es gibt noch eine breite Kunden- und Nutzerbasis für Dynpro, während jedoch SAP Fiori zunehmend an Fahrt gewinnt. „Unter den Großkunden haben sich die meisten bereits mit SAP UI5 beschäftigt“, so Naeve, der besonders in der Entkopplung von Front- und Backend einen wichtigen Pluspunkt der neuen Lösung sieht: „Die User Interfaces ändern sich heutzutage immer schneller, so dass man darauf vorbereitet sein muss.“

 

2. Werkzeuge: Um auf Basis von Web Dynpro ABAP Oberflächen neu zu designen und Entwürfe zu entwickeln, bietet der Floorplan Manager den Entwicklern vorgefertigte Layouts, Bausteine für Benutzeroberflächen und Grundrisse, die auf den SAP-Design-Richtlinien beruhen. Das UI wird vorkonfiguriert und bietet ein vordefiniertes Layout. Wie der Floorplan Manager bietet auch das SAP UI5-basierte Tool SAP Web IDE (Integrated Development Environment) zusätzlich zu allen Freiheiten, die JavaScript und HTML5 bieten auch vorgefertigte Layouts und Templates. Allerdings muss die Software nicht lokal installiert werden, da SAP Web IDE in der Cloud gehostet wird und fertig konfiguriert genutzt werden kann. „Das spart Zeit“, so Naeve. Etwa 450 SAP Fiori-Anwendungen stehen dem Anwender derzeit zur Verfügung – etwa zur Pflege von geschäftlichen Kontakten, oder des Neugeschäfts oder zur Organisation der To Dos (siehe auch „Die angesagtesten SAP-Fiori-Apps“). „Diese Anwendungen können mit der SAP Web IDE meist modifikationsfrei an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden“, erläutert Naeve.

Weiteres wichtiges Tool zur Anpassung der Benutzeroberflächen: SAP Screen Personas. Auf Basis von bestehenden SAP GUI-Transaktionen kann der Anwender selbst bestimmen, welche Funktionen er auf dem Bildschirm haben möchte und welche nicht. Er kann – ähnlich einfach wie bei Powerpoint – Felder löschen, die Reihenfolge verändern und sich eine völlig neue Oberfläche bauen. In der Regel übernimmt die individuelle Anpassung des Bildschirms dann doch nicht der Anwender selbst, sondern vielmehr ein Power-User oder die IT. „Viele trauen sich das nicht und haben Angst etwas kaputt zu machen“, erläutert Naeve, dabei wird nur eine neue über die bestehende Maske gelegt und die alte bleibt erhalten, egal, was drumherum passiert. Der UI Theme Designer ist dann wieder ganz klar Sache der IT-Profis: Mit dessen Hilfe lassen sich z.B. Farben anpassen, unterschiedliche Designs für die jeweiligen Abteilungen anlegen und die Parameter bis hinunter auf die CSS-Ebene festlegen.

3. Integrationsplattformen: Der Net Weaver Business Client ist dafür da, die Geschäftsanwendungen anzuzeigen und hat das SAP GUI „im Bauch“, wie Naeve erläutert: „Er sieht aus wie ein Browser und funktioniert auch so einfach.“ Seine Funktion liefert vor allem eines: Den Single Point of Entry – den zentralen Einstiegspunkt zu den Anwendungen. Zudem kann der Nutzer so genannte Side Panels verwenden: Darin lassen sich Analysen mit Bezug auf den aktuell dargestellten Inhalt anzeigen, der Lagerbestand einsehen oder Notizen machen. Das SAP Portal dagegen positioniert sich als Unternehmensportal mit Content-Management-System für Texte, Bilder oder Graphiken und auch Anwendungen. Seit einem halben Jahr immer mehr im Kommen ist das SAP Fiori Launch Pad. Ohne überflüssige Funktionen, in responsivem Design gleichermaßen für Desktop, Tablet und Smartphone tauglich und einfach in der Benutzerführung ist das SAP Fiori Launch Pad die Grundlage für die Benutzerführung der Zukunft. „Der Einstieg funktioniert so, wie man ihn von Smartphones oder Tablets kennt“, so Naeve. Das Manko derzeit: Derzeit laufen noch nicht alle SAP-Anwendungen auf der Plattform und das SAP GUI lässt sich noch nicht ganz so nutzen, wie sich Nis Boy Naeve das vorstellt, was aber mit einer der kommenden Versionen nachgeliefert wird.

Insgesamt fehlt technisch gesehen nichts mehr, um Anwendern im Unternehmen Anwendungen anbieten zu können, die zwar geschäftliche Inhalte transportieren, sich aber so leicht bedienen lassen wie die privaten Apps auf dem Smartphone. In der Realität wird es aber noch etwas dauern, bis dies auch über die verschiedenen Technologie- und Systemstände nahtlos funktioniert.

Veranstaltungen zum Thema:

Das Thema UX spielt auch eine wichtige Rolle beim Bühnenprogramm der SAP auf der Cebit in Hannover.

Hier finden Sie Hinweise zu den bevorstehenden UX-Seminaren.

 

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