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Whatchado: „Es geht um Menschen, nicht um Titel“

24. März 2015 von Andreas Schmitz 0

Abi mit 17, Studium fertig oder Midlife Crisis: Es gibt viele Gründe, sich mit seiner beruflichen Zukunft zu beschäftigen. Die Videoplattform Whatchado vermittelt jede Menge Ideen. Und viele Unternehmen sind mit dabei, auch SAP.

Selbständige, Vorstandsvorsitzende, Lehrlinge, Bademeister und Bäcker: Die unterschiedlichsten Menschen sind auf der Vidoeplattform von Whatchado zu finden – und das gehört auch zum Konzept von Ali Mahlodji. Seit seiner Kindheit träumte der gebürtige Iraner davon, Lebensgeschichten zu sammeln. Doch erst, als vor drei Jahren auch eine Geschäftsidee dahinter entstand, wurde plötzlich ein Unternehmen daraus, das inzwischen Monat für Monat 100 bis 120 Videos auf seiner Plattform veröffentlicht und 35 Mitarbeiter aus über 10 Nationen beschäftigt.

Herr Mahlodji, wann kamen Sie auf die Idee?

Richtig los ging es vor drei Jahren. Wir haben uns zusammen mit über 300 potenziellen Usern sieben Fragen ausgedacht, die wir Menschen stellen wollen. Uns war klar, dass es Fragen sein sollten, die sich um die Arbeit drehen. Und es sollten immer die gleichen sein. Schließlich haben wir 17 Videos gedreht und online gestellt. Daraufhin kamen Unternehmen auf uns zu, haben gefragt, ob man nicht zusammenarbeiten könnte. Da hatten wir noch gar keine Idee, was wir damit verdienen wollten. Da es schnell gehen musste, haben wir dann innerhalb von zwei Tagen ein Finanzierungsmodell für das „Handbuch Lebensgeschichten“ entwickelt.

Ali Mahlodji von Whatchado wird auf dem SAP-Forum für Personalmanagement 2015 in Stuttgart einen Vortrag halten. Melden Sie sich an.

Was ist das Besondere? 

Ganz wichtig ist unser Matching-Ansatz. Jeder Besucher der Seite kann sich selbst einschätzen und ein Profil von sich entwickeln. Hier wird abgefragt, ob man eher reislustig ist, gerne unter Leuten ist, ob eher Geld oder Spaß wichtig ist, ob man feste Arbeitszeiten mag. Egal welche Profile ich nachher anschaue: Durch meine 14 Antworten erfahre ich sofort, wer in etwa so tickt wie ich, denn auch die Interviewpartner haben diese Fragen vorher beantwortet. Und ich bekomme auch einen Eindruck davon, ob die Kultur eines Unternehmens zu mir passt, für das ich mich interessiere. Das ist auch der Grund dafür, dass inzwischen schon über 500.000 User pro Monat die Videos anschauen. Auch wichtig: Wir produzieren einerseits Videos im Auftrag von Unternehmen, drehen aber zusätzlich auf eigene Kasse welche für NGOs, etwa für Ärzte ohne Grenzen oder Einzelpersonen, die sich das nicht leisten können. Einfach, um die Gesellschaft komplett abzubilden und nicht nur einen Ausschnitt. Das ist unser One-for-One-Ansatz: Für jede bezahlte Geschichte gibt es eine unbezahlte.

Was haben Unternehmen davon?

Ali Mahlodji CEO, Co-Founder & Chief Storyteller

“Unternehmen stehen zunehmend vor der Herausforderung, dass nicht mehr sie den Mitarbeiter, sondern die Bewerber sich das Unternehmen aussuchen, in dem sie arbeiten wollen”, sagt Ali Mahlodji CEO, Co-Founder & Chief Storyteller der Whatchado GmbH.

Unternehmen stehen zunehmend vor der Herausforderung, dass nicht mehr sie den Mitarbeiter, sondern die Bewerber sich das Unternehmen aussuchen, in dem sie arbeiten wollen. Der Fachkräftemangel ist ein großes Thema, gerade für Unternehmen, die nicht so bekannt sind. Kennen Sie BFFT? Bestimmt nicht. Wenige kennen BFFT. Dabei ist es einer der wichtigen Autozulieferer von Audi. Das Unternehmen kam auf uns zu und hat mit uns Mitarbeiterprofile erstellt. Drei Mitarbeiter hat BFFT in der Zwischenzeit über uns neu eingestellt. Employer Branding ist das Stichwort für die Unternehmen. Sie wollen ihre Marke präsentieren und zeigen, wer sie wirklich sind. Damit Sie das aber nicht missverstehen: Unsere sieben Fragen bekommt jeder gestellt, auch die Frage nach den Einschränkungen, die der eigene Job mit sich bringt. Wenn ein Unternehmen das nicht akzeptiert, arbeiten wir nicht zusammen.

Sie haben kürzlich vom Human Resource Manager den HR Excellence Award bekommen. Was macht Ihre Idee besonders?

Menschen machen heute nicht mehr ein Leben lang einen Job. Sie suchen nach Optionen. Und die finden Sie auf Whatchado. Zudem können Sie sich mit anderen vergleichen und nicht auf der Basis von Titeln selektieren, sondern nach menschlichen Kriterien vorgehen. Das ist den Mitarbeitern zunehmend wichtig. Sie wollen mit den richtigen Menschen am richtigen Ort sein.

Sie haben selbst einige Veränderungen in Ihrem Leben schon hinter sich, angefangen bei der Flucht aus dem Iran nach Österreich mit Ihren Eltern. Ist die Plattform auch eine Konsequenz aus Ihrem unsteten Leben?

Ich habe in meinem Leben schon viele verschiedene Dinge gemacht. Schon meine Schulzeit war etwas unruhig: Zuerst habe ich Maurer und Zimmerer gelernt, die nächste Schule dann abgebrochen, auf eine Schule für Softwareengeneering gewechselt, bis ich schließlich an einer Fachhochschule ein Studium über verteilte Computersysteme absolviert habe. Im Job ging es an sich so weiter: Ich habe erst als Unternehmensberater bei Siemens gearbeitet, bin dann zu Sun Microsystems gewechselt, hatte einen klasse Job, viel Geld und ein dickes Auto. Doch mir wurde schnell klar, dass es das nicht war. Also habe ich den Job geschmissen, bin erstmal einige Wochen nach Thailand und Vietnam gefahren. Als ich dann nach Österreich zurückkam, habe ich mir einen Irokesen geschnitten, mich zutätowiert und bin in eine Internetagentur gegangen, habe danach als Lehrer in einer Mediendesignschule gearbeitet. Parallel dazu entstand dann die Idee mit Whatchado. Da schließt sich der Kreis.

Bisher ist Whatchado in Deutschland, Österreich und der Schweiz aktiv. Haben Sie auch globale Pläne?

Es ist eine tolle Sache, wenn sie auf der Plattform auch erfahren, wie Menschen in Sri Lanka arbeiten oder in Australien. Unser ganzes Team spricht zusammen genommen 10 Sprachen. Da sollte also noch was gehen.

Auch SAP Österreich ist bei Whatchado mit dabei.

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