Wie „Big Data“ unser Leben verändert

10. April 2013 von Siddharth Taparia 0

Photo: iStockphoto

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Mit dem Begriff „Big Data“ werden riesige Informationsspeicher bezeichnet, deren Größe sich meist in Petabyte- und Exabyte-Dimensionen bewegt. Im weiteren Sinne wird er auch für die Methoden und Technologien zur Analyse dieser großen Datenmengen verwendet. Grundsätzlich gibt es die Verfahren zur Auswertung von Big Data (Data Mining, Analytik) schon länger, doch erst mit neuer Technologie ist es möglich geworden, bislang unvorstellbare Datenmengen mit extrem hoher Geschwindigkeit zu erfassen und zu analysieren.

Für Unternehmen, Behörden und auch die Justiz (aber auch für Hacker und Betrüger, die Identitätsdiebstahl begehen) liegen der enorme Nutzen und das Potenzial von Big Data klar auf der Hand. Weniger offensichtlich sind die Vorteile und Auswirkungen von Big Data für den Durchschnittsmenschen.

Das könnte sich jedoch bald ändern. Ob wir es wollen oder nicht: Big Data werden in unserem Alltag zu einem immer größeren Einflussfaktor. Die folgenden Beispiele zeigen Bereiche, in denen sich Big Data bereits heute auf unseren Alltag auswirken:

Wie wir einkaufen

Wie wir wählen

Wie wir lernen

Wie wir gesund bleiben

Wie wir unsere Privatsphäre schützen (oder preisgeben)

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Wie wir einkaufen
Um die Kaufmuster ihrer Kunden zu analysieren, greifen Einzelhändler oft auf Daten zurück, die sie mithilfe von Kundenkarten und Bonusprogrammen gesammelt haben. Diese lassen jedoch nur Rückschlüsse auf das kurzfristige Kaufverhalten zu. Sie versuchen, die Kunden mit großen Rabattaktionen oder besonderen Einkaufstagen wie dem verkaufsoffenen Sonntag in ihre Geschäfte zu locken. Mit Big Data eröffnen sich den Einzelhändlern neue Möglichkeiten, da sie mehr und vielfältigere Daten über ihre Kunden und ihre Konkurrenz erfassen, speichern und auswerten können. So können sie ihre Kunden durch gezieltes Marketing ansprechen und ihnen ein auf ihre jeweiligen Bedürfnisse zugeschnittenes Einkaufserlebnis bieten. Bald werden Echtzeitangebote, die auf unseren Standort und unsere Kaufpräferenzen abgestimmt sind, etwas völlig Alltägliches sein. Es gibt bereits Internethändler, die unterschiedlichen Benutzern abhängig von ihren bisherigen Einkäufen und anderen Daten unterschiedliche Preise anzeigen.

Wie wir wählen
2012 wurde die Schlagkraft von Big Data erstmals außerhalb der Geschäftswelt offensichtlich, als im Zuge der US-Präsidentschaftswahlen große Datenmengen über das Wählerverhalten gesammelt und ausgewertet wurden. Der Wahlkampf von Präsident Barack Obama wurde auch als erster Präsidentschaftswahlkampf auf der Grundlage von Big Data bezeichnet. Anstatt die Wähler zu befragen und durch Hochrechnungen die Stimmung der Wähler zu ermitteln, erfasste und analysierte das Obama-Lager Daten von einer riesigen Zahl von Einzelpersonen. Diese Vorgehensweise war einmalig in der Geschichte, da sie die traditionellen Methoden für die Durchführung von Wahlkampagnen völlig auf den Kopf stellte. Unmengen von Daten aus Umfragen und telefonischen Befragungen, externe Wählerverzeichnisse und Abstimmungsmuster bei früheren Wahlen bildeten die Grundlage für die Bereitstellung von Echtzeitinformationen für die Wähler und Maßnahmen zur Erhöhung der Wahlbeteiligung.

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Wie wir lernen
Verschiedene Hochschuleinrichtungen versuchen, durch die Auswertung von Big Data die Zahl der Studienabbrüche zu verringern. Neue Technologien ermöglichen es den Einrichtungen, auf der Grundlage von Daten wie standardisierten Testergebnissen, bisheriger Noten und sogar Echtzeitstatistiken zu den angeklickten Inhalten bei Online-Kursen ein individuelles Studienprofil für jeden einzelnen Studenten zu erstellen. Indem Statistikmodelle auf diese Profile angewendet werden und die Profile mit denen ähnlicher Studenten verglichen werden, lässt sich die Wahrscheinlichkeit für den erfolgreichen Abschluss eines bestimmten Kurses berechnen. Den Studenten können so gezielt Kurse vorgeschlagen werden, die sie mit hoher Wahrscheinlichkeit bestehen werden.

Wie wir gesund bleiben
Das Gesundheitswesen war bislang ein Bereich, in dem umfassende Analysen nicht möglich waren, da gesetzliche Vorschriften und Datenschutzbestimmungen die Verwendung von allgemeinen Patientendaten zu Forschungszwecken stark einschränken bzw. vollständig verbieten. Durch die zunehmende Verbreitung von Smartphones und anderen Geräten, die eine medizinische „Selbstüberwachung“ ermöglichen, hat sich die Situation geändert. Über diese Geräte können nun rund um die Uhr Daten von Personen erfasst werden, sodass eine riesige objektive Kontrollgruppe zur Verfügung steht, die nach demografischen Merkmalen unterteilt werden kann. Aus der Analyse der erfassten Daten lassen sich Erkenntnisse gewinnen, mit deren Hilfe die Menschen gesünder leben, Vorsorgemaßnahmen treffen (z. B. Grippeimpfungen) und ihr Risiko für bestimmte Erkrankungen bestimmen können. Von dort ist es nicht mehr weit bis zu persönlichen Echtzeitanalysen, wie sich das alltägliche Verhalten einer Person auf ihre Gesundheit auswirkt.

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Wie wir unsere Privatsphäre schützen (oder preisgeben)
Der potenzielle Nutzen von Big Data ist real und sehr verlockend, doch gibt es auch eine Reihe von Risiken, beispielsweise im Hinblick auf den Schutz der Privatsphäre. Der „gläserne Benutzer“ ist längst Wirklichkeit geworden. Das Erfassen, Analysieren und Verkaufen persönlicher Daten – von Daten zum Kaufverhalten bis hin zu den in Google eingegebenen Suchbegriffen zu Gesundheitsfragen – ist ein lukratives Geschäft. Und immer mehr persönliche Daten können insbesondere über das Internet und über Smartphones ohne Wissen oder Zustimmung des Benutzers erfasst werden.

Trotz der begründeten Angst, dass Big Data Szenarien à la Big Brother Vorschub leisten könnten, werden die meisten Daten heutzutage auf freiwilliger Basis preisgegeben. Bürger und Verbraucher erkennen zunehmend, welche Auswirkungen das Thema Big Data in ihrem Alltag hat, und interessieren sich deshalb auch immer mehr dafür, wie Daten über sie gesammelt, gespeichert und verwendet werden.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf SAP Business Trends veröffentlicht.

Folgen Sie Siddharth Taparia auf Twitter: @siddharth31

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