Pionier der Software von morgen

12. November 2013 von Nicolas A. Zeitler 0

Stephan Fischer, Sprecher des Software-Cluster. (Foto: Software Cluster)

Stephan Fischer, Sprecher des Software-Cluster. (Foto: Software Cluster)

Wie sieht die Unternehmens-Software der Zukunft aus? Dieser Frage geht der Software-Cluster nach, ein Zusammenschluss von Unternehmen und wissenschaftlichen Institutionen, der sich rund um den SAP-Stammsitz Walldorf und bis nach Darmstadt, Karlsruhe und Saarbrücken erstreckt. „Grundlagen emergenter Software“ ist der Titel eines Projekts, das im Cluster unlängst abgeschlossen wurde. Dahinter steckt die Idee, dass Unternehmens-Software immer weniger als monolithischer Block konzipiert ist, sondern sich im Sinne des Begriffs „Emergenz“ flexibel aus verschiedenen Komponenten zusammensetzt. Welche Veränderungen dieses Konzept mit sich bringt, erläutert Stephan Fischer, Senior Vice President und Director TIP Strategic Innovation bei SAP sowie Sprecher des Software-Clusters.

SAP.info: Was ist die Grundidee hinter emergenter Software?

Stephan Fischer: Im Mittelpunkt steht Agilität – während der Konzeption und Entwicklung, aber auch später zur Laufzeit. Bisher dauern Software-Implementierungen sehr lang. Unternehmen müssen heute aber in der Lage sein, schnell auf neue Marktanforderungen zu reagieren. Dem trägt unsere Vision von emergenter Software Rechnung. Gemeint ist damit Software, die sehr modular aufgebaut ist: aus verteilten Komponenten, die von mehreren Herstellern stammen können. Bei neuen Anforderungen lassen sich zusätzliche Komponenten andocken, Änderungen werden auch zur Laufzeit möglich.

Emergente Software: Iterative Arbeit nach Scrum und Design-Thinking

Können Sie das an einem Beispiel erläutern?

Fischer: Angenommen, ein Online-Händler lässt ein Shopsystem entwickeln. Bisher hat man bei solchen Projekten vorab festgelegt, dass man beispielsweise Checkout-Prozesse braucht und eine Kreditkartenabwicklung für drei Arten von Karten. Das wurde spezifiziert und implementiert. Schon heute arbeiten wir – auch bei SAP – statt nach dem klassischen Wasserfallmodell sehr iterativ nach Scrum und mit Design-Thinking. Anforderungen werden im sogenannten Backlog hinterlegt. Im Falle des Shopsystems hieße das, dass ich außer den benötigten Kreditkartentypen auch zusätzliche, optionale Features im Backlog hinterlegen kann, zum Beispiel eine visuelle Darstellung der angebotenen Produkte. Ist nach dem Implementieren der Basis-Features Zeit übrig, werden auch solche weiter hinten angesiedelten Funktionalitäten umgesetzt. Im genannten Beispiel ließe sich bei emergenter Software auch die Lösung eines anderen Herstellers für die visuelle Produktdarstellung anbinden.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Was emergente Software für SAP HANA bedeutet

Die Verbindung von Komponenten verschiedener Hersteller ist doch sicher sehr komplex?

Fischer: Richtig. Eine große Frage ist die nach der Interoperabilität. Es ist ja nicht a priori klar, dass Module verschiedener Hersteller zusammen funktionieren. Auch Sicherheit zu gewährleisten ist umso komplexer, je mehr Anbieter man zusammenschaltet. Und es wirft auch Fragen auf wie: Wenn einer der Partner eine Downtime hat, durch die das Funktionieren der ganzen Software beeinträchtigt ist, wer haftet dann?

Wenn das Zusammenwirken von Modulen verschiedener Hersteller aus Ihrer Sicht ein Prinzip der Unternehmenssoftware von morgen ist, stellt das künftig große Suiten wie die SAP Business Suite nicht in Frage?

Fischer: Ganz im Gegenteil. Die Plattformen und ihre Ökosysteme werden in zukünftiger Unternehmenssoftware eminent wichtig. Solche Lösungen sind zunächst vorintegriert, sind aber gleichzeitig auch offener für ergänzende Lösungen anderer Anbieter. Ein Beispiel ist SAP HANA. Die große Plattform steht auch hier künftig im Zentrum und ist Basis unserer Geschäftsanwendungen. Wir bieten aber gleichzeitig für die Vielzahl an neuen Anwendungsfällen in der heutigen, zunehmend User-zentrierten Unternehmenswelt einem großen Ökosystem von Partnern Raum, sich mit ihren Produkten an SAP HANA anzudocken. Das wird sich künftig noch verstärken.

SAP HANA Cloud Labs: Framework fürs Rapid Application Development

Wie stark ist das Prinzip von emergenter Software bei SAP schon verankert?

Fischer: Das spielt schon eine große Rolle. Für die SAP HANA Cloud Labs zum Beispiel (ein offener Kanal, über den Entwickler auch außerhalb von SAP eigene Ideen zur Weiterentwicklung einbringen und Tools entwickeln können – die Red.) gibt es ein Framework für das sogenannte „Rapid Application Development“ – eine Entwicklungsmethodik, die eine schnelle Prototypisierung erlaubt und damit auch schneller nutzbare Ergebnisse liefert. Das ist zum Beispiel ein direktes Ergebnis aus einem Forschungsprojekt des Software-Clusters. Früher basierten die Nutzerschnittstellen nur auf einer Technologie wie zum Beispiel Web Dynpro, heute kann schnell auf eine andere Technologie gewechselt werden, indem eine Schnittstellenarchitektur verwendet wird. Auch die neue SAP-HANA-Cloud-Plattform ermöglicht die unkomplizierte Integration von Lösungen anderer Anbieter und hilft den Kunden so, Implementierungsdauer und Betriebskosten zu senken.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Cluster vernetzt Firmen für bessere Interoperabilität und Standardisierung

Wie geht die Arbeit an emergenter Software weiter?

Fischer: Ähnlich wie das Rapid Application Development sollen noch weitere Ergebnisse aus dem Projekt produktisiert werden. Außerdem arbeiten wir im Software-Cluster daran, die großen wie kleinen beteiligten Anbieter von Unternehmenssoftwarelösungen enger zu vernetzen. Gerade für kleinere Anbieter ist es oft sehr schwierig, Andockpunkte zu den großen Playern zu finden. In jedem Quartal soll es künftig sogenannte Ökosystem-Tage geben, an denen die großen Anbieter ihre Plattformen, Lösungen und Schnittstellen vorstellen, und alle Partner gemeinsam darüber diskutieren, wie beispielsweise Standardisierungen beeinflusst werden sollten. Das erleichtert dann die Interoperabilität, die ja wesentlich für emergente Software ist.

Der Software-Cluster

Der Software-Cluster erstreckt sich über die Zentren der Softwareentwicklung Darmstadt, Kaiserslautern, Karlsruhe, Saarbrücken und Walldorf. In der Cluster-Region sind etwa 11.000 Software-Unternehmen ansässig, die zusammen einen Jahresumsatz von 25 Milliarden Euro erwirtschaften. Sie beschäftigen mehr als 100.000 Mitarbeiter. Ziel der Unternehmen und Forschungseinrichtungen im Cluster ist in erster Linie kooperative Innovation zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Softwareindustrie. Der Cluster wird im Rahmen des Spitzencluster-Wettbewerbs der Bundesregierung noch bis 2015 gefördert. Die im Juni abgeschlossenen Projekte, in denen 29 Partner unter anderem die Grundlagen emergenter Software untersucht haben, hatten ein Volumen von 31 Millionen Euro.

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1 comment

  1. Klaus A

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