Windows 8 mit Lücken

6. Februar 2013 von Alexander Roth 0

Windows 8

SAP.info: Herr Oppermann, Anfang Januar 2013 hat Microsoft bekannt gegeben, weltweit bereits 60 Millionen Lizenzen von Windows 8 verkauft zu haben. Vier Wochen nach Verkaufsstart waren es angeblich bereits 40 Millionen. Wie schätzen Sie diese Zahlen ein?

Axel Oppermann: Natürlich kann man von einem Erfolg sprechen, wenn ein Hersteller seine alten Verkaufszahlen wiederholen kann. Windows 8 verkauft sich aktuell ähnlich gut wie Windows 7 zur damaligen Markteinführung.

Das haben auch unsere Studien belegt, die wir bei deutschen Firmen durchgeführt haben: Die Firmen, die jetzt noch Windows XP einsetzen, wollen in der überwiegenden Mehrheit auf Windows 8 migrieren. Sie akzeptieren das System. Dennoch gebe ich zu bedenken: Die von Microsoft bekannt gegebenen Zahlen sind irreführend.

Warum?

Es geht doch in der IT nicht darum, alte Erfolge zu wiederholen. Gerade ein marktführender Hersteller wie Microsoft muss sich stets dort positionieren oder voranschreiten, wo die Musik der Branche spielt: In der IT sind das aktuell die Märkte für Tablet-PCs und Smartphones. Weder gibt es hier Zahlen, die Microsoft rund um Windows 8 vorlegt, noch greifbare Erfolge. Windows 8 ist auf Tablets bisher kaum angekommen.

Sie meinen das Microsoft-Tablet „Surface“?

Microsoft hat mit Windows 8 ein Betriebssystem auf den Markt gebracht, das besonders mobil Stärken ausspielen soll. Apps sind ein Stichwort, ein weiteres ist die Bedienung per Fingertipp. Das hauseigene Tablet „Surface“ hat Microsoft wohl nicht zuletzt aus Kalkül gegenüber den eigenen Hardware-Partnern noch keinem breiten Markt zugänglich gemacht. Zudem ist das Gerät sehr hochpreisig angesetzt. Die Hardware-Partner wiederum halten sich stark zurück, auf Windows 8 zugeschnittene Produkte auf den Markt zu bringen. Auch an Business-Apps fehlt es noch weitgehend.

Wo liegen denn die Stärken von Windows 8? Warum sollte man sich für dieses Betriebssystem und nicht für Windows 7 entscheiden?

Grundsätzlich lässt sich das System leichter bedienen, das User-Interface (UI) ist intuitiver. Microsoft liegt damit im Trend. Denn Betriebssysteme selbst rücken immer weiter in den Hintergrund, es geht eher um die Funktionalität und das Erlebnis, das ein Gerät verspricht. Die Touch-Optimierung verspricht hier einiges. Aber auch traditionelle Microsoft-Kunden kommen auf ihre Kosten: Auf Windows 8 laufen problemfrei alle Programme, die schon auf Windows 7 liefen. Wenn die Windows 8-Tablets nur endlich verfügbar wären…

Lesen Sie auf der nächsten Seite: “Neues Arbeiten” mit Windows 8?

Axel Oppermann, Analyst beim Marktforscher Experton Group. Foto: Privat

Axel Oppermann, Analyst beim Marktforscher Experton Group. Foto: Privat

Wie sieht es konkret mit der Nachfrage von Firmen aus?

Wie wir herausgefunden haben, fragen größere Firmen mit über 500 Mitarbeitern Windows 8 stärker nach als kleinere, mittelständische Unternehmen. Im Enterprise-Umfeld finden sich Nutzer schnell im System ein, zumal sie ihre alten Software-Oberflächen weiter nutzen können.

Aber das kann es doch allein nicht sein? Was ist mit dem „neuen Arbeiten“, das Microsoft verspricht?

Wir betreten ein spannendes Feld: Gerade deutsche Firmen stehen in diesen Tagen im Feld der Business-IT vor einer großen Herausforderung und Chance zugleich, die nicht nur mit Windows 8 zu tun hat. Man muss sehen, dass auch die Systeme und Lösungen anderer Hersteller inzwischen ein neues Arbeiten ermöglichen. Es geht eher um die Frage, wie Firmen dem begegnen. Microsoft wird dann in einem zweiten Schritt – alleine durch die große Marktdurchdringung – dazu breitragen,  dass das neue Arbeiten auch in der Breite zur Realität wird. Das wird aber noch dauern.

Vor welchen Herausforderungen stehen Firmen?

Der Arbeitsplatz der Zukunft verändert sich. „Information Worker“ haben nun die Möglichkeit, deutlich vernetzter und produktiver zu arbeiten, etwa wenn es darum geht, sich mit Kollegen und Geschäftspartnern auszutauschen – Stichwort „Social Business“ – oder zwischen Mobil- und Desktop-Geräten stolperfrei zu wechseln, etwa zu Home-Office-Zwecken. Außendienstler können in einer vollkommen neuen Dimension arbeiten: Sie müssen mit keinem Medienbruch mehr kämpfen und haben aus einem integrierten System heraus auch von unterwegs aus Zugriff auf Dokumente und Daten. Die dafür benötigen Geräte und Applikationen sind nur die Bausteine. Wichtiger noch ist, dass Firmen neue Denkmuster und Organisationstrukturen erschaffen.

Tun sich besonders deutsche Firmen schwer, sich dem zu stellen?

Ich glaube schon. Die Hierarchieformen sind in den Firmen hierzulande recht statisch. Die Entlohnung vieler Mitarbeiter ist immer noch sehr stark gebunden an den Faktor Zeit – und weniger an flexible Faktoren wie Ergebnisse, Qualitäten und Zufriedenheit der Kunden. In den USA oder Skandinavien beispielweise ist hier eine höhere Dynamik zu sehen. Der immer härtere Wettbewerb wird aber auch in Deutschland dafür sorgen, dass sich Abteilungen und komplette Firmen reorganisieren. Wie gesagt, die sich wandelnde IT ist dabei ein entscheidender Treiber.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Wer sind die Player am Arbeitsmarkt der Zukunft?

Welche Player des Markts sehen Sie hier vorne?

IBM spielt eine wichtige Rolle: Mit den Social-Business-Lösungen rund um „IBM Connections“ und spannenden Lösungen für System Management, Business Analystics, Verfügbarkeit und Sicherung hat das Haus einige Konzerne bereits zum Umdenken gebracht. Auch SAP ist ein wichtiger Treiber: Der Hersteller schafft neue Möglichkeiten in Firmen, alleine mit seinen Entwicklungen im Social Business, etwa was Suche, Verfügbarkeit von Daten und Informationen betrifft.

Und Microsoft?

Wenn die entsprechenden Windows-8-Formfaktoren in der breiten Masse auf dem Markt sind, dann wird Microsoft derjenige Hersteller ein, der entscheidend dazu beitragen wird, die Entwicklungen in die Breite zu tragen.

Wann wird das soweit sein?

Ich muss sagen: Was aktuell angekündigt wird, auch von den OEM- und Hardware-Partnern, und in den kommenden Monaten auf dem Markt erscheinen soll, klingt sehr spannend. Bis aber die gesamte neue Microsoftwelt so weit ist, dass sie in Firmen als funktionierendes Ökosystem greift, von der Touch-Funktion bis zu einer breiten Palette an verfügbaren Business-Apps, die dann auch die Partner in einer entsprechenden Tiefe bereitstellen, wird es noch zwei bis drei Jahre dauern.

Über Axel Oppermann:

Seit dem Jahr 2000 Axel Oppermann im IT/TK Beratungsumfeld aktiv.  Sein Interessensschwerpunkt liegt im Bereich der Analyse und Bewertung der strategischen Einführung ICT-basierter Produkte und Dienstleistungen in Unternehmen. Thematischer Fokus seiner Arbeit sind (Enterprise) Applications, Software-Lizenzmanagement sowie Lizenzstrategien & Servicekonzepte.

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