China am Drücker

Feature | 21. Juni 2010 von Bettina Jödicke 0

Mit ihren Not-Aus-Schaltern gelangte Pilz zu Weltruhm. (Bild: Siemens)

Nur im Notfall: Mit ihren Not-Aus-Schaltern gelangte Pilz zu Weltruhm. (Bild: Siemens)

Im Auslandsgeschäft in China bieten Freihandelszonen die Möglichkeit, Produkte und Materialien steuer- und zollfrei einzuführen und zu lagern, bis sie entweder in China verkauft werden, sie im Produktionsprozess benötigt oder wieder ausgeführt werden. Um die Prozesse mit Freihandelszonen korrekt abzubilden, muss zu jeder Zeit nachvollziehbar sein, welche Ware im Lagerhaus bereits versteuert und verzollt wurde. Für die Warenlager gibt es abhängig vom Lagerort bzw. dem Endkunden unterschiedliche Bewertungsansätze.

Pilz unterhält zum einen ein Warenlager für Exportkunden, von dem keine Ware nach China eingeführt wird und das daher weder zoll- noch steuerpflichtig ist. Zum anderen gibt es ein Warenlager für Inlandskunden, von dem aus die Ware nach China eingeführt wird und durch Zoll- und Steuerpflicht eine andere Bewertung erfährt. Man entschied sich für eine Bestandsführung und eine automatisierte Bestandsbewertung in SAP, um den Auflagen entsprechend eine exakte Bestimmung des Bedarfs und der Bestände gewährleisten zu können.

Als Implementierungspartner für die Umsetzung wählte Pilz die ORBIS AG, die seit 2002 erfolgreich gemeinsame Projekte in den Bereichen Service-Abwicklung, Reparatur und Qualitätsmanagement umgesetzt hat. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit führte ORBIS mehrere Module für das Qualitätsmanagement, die Produktionsplanung sowie die operative Vertriebsplanung ein. Die ORBIS-Niederlassung in Shanghai unterstützte Pilz vor Ort bei der Planung und Umsetzung des gesamten Rollout-Projekts.

„Der deutschsprachige Geschäftsführer von ORBIS China, Gerard Engelkamp, bildete für uns sozusagen die Schnittstelle zu unseren chinesischen Kollegen“, betonte Hans Nowozimski, Gruppenleiter System-Anwendungen bei Pilz. „Die Tatsache, dass die Prozesse standardisiert sind und nicht neu kreiert werden mussten – mit Ausnahme der länderspezifischen Prozesse wie die „Golden Tax“ oder die unterschiedlichen Warenlager – hat uns vor allem die Anfangszeit erleichtert“, ergänzte Nowozimski.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Transparenz ist Trumpf

Transparenz ist Trumpf

Die ersten Vorbereitungsgespräche für den sogenannten Rollout des SAP-Systems begannen im Januar 2008, gefolgt von Einführungsworkshops für das Pilz-Projektteam in Shanghai. Der eigentliche Start erfolgte im Oktober desselben Jahres. ORBIS hatte dafür in einem ersten Schritt die SAP-Module Financial Accounting (FI), Controlling (CO), Material Management (MM) und Sales & Distribution (SD) implementiert. Bei der Einführung der erforderlichen Komponenten leisteten die ORBIS-Mitarbeiter auch bezüglich der Steuergesetzgebung in China Unterstützung.

Die Komponenten umfassten eine spezielle Form des Berichtswesens und die SAP-Schnittstelle zu dem ebenso vorgeschriebenen Golden-Tax-System, das alle Rechnungen auf formatierten Belegen ausdruckt. Zudem wurde eine Intercompany-Abwicklung eingerichtet, um die Bestell-, Material- und Bestandsinformationen automatisch zwischen Mutter- und Tochtergesellschaft zu übertragen. Darüber hinaus wurde die Finanzbuchhaltung wieder integriert, die bis dahin ausgelagert war. Diese sollte wieder intern durch eigene Pilz-Mitarbeiter abgewickelt werden.

Für die Pilz GmbH & Co. KG haben sich mit dem Rollout in China alle Erwartungen erfüllt. Insgesamt 24 Mitarbeiter – 20 davon in Shanghai – arbeiten auf internationaler Ebene nun wesentlich effektiver und transparent. „Das SAP-System ist ideal, um einen Gesamtüberblick über die Lager weltweit zu erhalten“, erklärte Nowozimski. „Die Transparenz ist sowohl auf dem Warenfluss wie auf dem Wertefluss gegeben.

Eine Überprüfung aller Bestände hat sich vorher als sehr umständlich und aufwändig erwiesen. Jetzt können wir zentral auch externe Lager einsehen.“ In der Praxis hat sich die Gesamtübersicht bereits bewährt, als in einer Niederlassung eine Steuerkarte ausgefallen war und zwei Maschinen stehenblieben. Aufgrund der schnellen Zugriffsmöglichkeit auf andere Lager konnte schnell Ersatz beschafft werden. Zunächst will Pilz das in Deutschland bereits bestehende SAP Global Trade Services (GTS) weiter ausbauen und dann voraussichtlich in die Produktionsplanung einsteigen.

Mittelfristig gibt es Überlegungen zu einer Schnittstelle mit einem CRM-System, um durch die Verknüpfung mit den in SAP ERP gespeicherten Marktdaten noch schneller auf Marktveränderungen reagieren zu können.

Tags:

Leave a Reply